Wir leben
schon in turbulenten Zeiten. Die Amerikaner wollen ein paar nagelneue
Atomwaffen in Rheinland-Pfalz stationieren. Wieso eigentlich? Der
Flüchtlingsstrom hält derweil an. Doch statt über eine Lösung der Syrienkrise
nachzudenken, lässt die NATO ihre Eurofighter voll bewaffnet in Estland
rumfliegen und wartet auf die Russen. Die aber werden nicht kommen, denn Putin
ist gerade damit beschäftigt, seine Soldaten in Damaskus um Assad herum zu
positionieren – leider zielen sie in die falsche Richtung. Währenddessen holt
Innenminister de Maizière pensionierte Beamte zurück, um Asylanträge zu
bearbeiten, obwohl bestimmt irgendwo in Deutschland noch genügend Beamten aufzutreiben
wären, die zu wenig zu tun haben. Drittklassige Lösungen für ein Problem, das
sowieso keine Priorität hat. Der Innenminister hält es für wichtiger, am
europäischen Asylrecht rumzudoktern und der Pöbel hat endlich die Möglichkeit,
die Angst vor unsicheren Straßen, fiktiver Islamisierung und Flüchtlingen in
einen Topf zu werfen. Zur selben Zeit bedrohen Pegida-Anhänger Kinder in
Dresden („Euch kriegen wir auch noch!“), weil sie die Teilnehmer des „Schultheaters
der Länder“ für eine Gegendemonstration hielten. Demonstriert wird tatsächlich,
nämlich wo zurzeit der Konflikt zwischen Kurden und Türken eskaliert. Türkisch-deutsche
Online-Zeitungen, die ich eigentlich gerne lese, schießen gegen die (zu Recht oder
zu Unrecht noch verbotene) PKK und für Erdoğan, kurdische Online-Quellen
versuchen unterdessen nachzuweisen, dass Osama Abdul Mohsen („der Flüchtling,
dem ein Bein gestellt wurde“) in Wirklichkeit ein Radikaler der al-Nusra-Front
ist. Es geht drunter und drüber. Und immer mehr Menschen freunden sich wieder mit
den simplen Weltsichten und einfachen Lösungen an, die wir hierzulande in einem
jahrhundertelangen, äußerst schmerzhaften Prozess eigentlich zum großen Teil überwunden
haben sollten. Aber ist es die Aufregung wert? Wahrscheinlich geht das
Abendland sowieso unter – jetzt wo auch VW dem Untergang näher ist denn je…Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Reiseberichte und Kommentare zu Politik und Gesellschaft.
Posts mit dem Label Syrien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Syrien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Mittwoch, 23. September 2015
Momentaufnahme dreiundzwanzigster September
Wir leben
schon in turbulenten Zeiten. Die Amerikaner wollen ein paar nagelneue
Atomwaffen in Rheinland-Pfalz stationieren. Wieso eigentlich? Der
Flüchtlingsstrom hält derweil an. Doch statt über eine Lösung der Syrienkrise
nachzudenken, lässt die NATO ihre Eurofighter voll bewaffnet in Estland
rumfliegen und wartet auf die Russen. Die aber werden nicht kommen, denn Putin
ist gerade damit beschäftigt, seine Soldaten in Damaskus um Assad herum zu
positionieren – leider zielen sie in die falsche Richtung. Währenddessen holt
Innenminister de Maizière pensionierte Beamte zurück, um Asylanträge zu
bearbeiten, obwohl bestimmt irgendwo in Deutschland noch genügend Beamten aufzutreiben
wären, die zu wenig zu tun haben. Drittklassige Lösungen für ein Problem, das
sowieso keine Priorität hat. Der Innenminister hält es für wichtiger, am
europäischen Asylrecht rumzudoktern und der Pöbel hat endlich die Möglichkeit,
die Angst vor unsicheren Straßen, fiktiver Islamisierung und Flüchtlingen in
einen Topf zu werfen. Zur selben Zeit bedrohen Pegida-Anhänger Kinder in
Dresden („Euch kriegen wir auch noch!“), weil sie die Teilnehmer des „Schultheaters
der Länder“ für eine Gegendemonstration hielten. Demonstriert wird tatsächlich,
nämlich wo zurzeit der Konflikt zwischen Kurden und Türken eskaliert. Türkisch-deutsche
Online-Zeitungen, die ich eigentlich gerne lese, schießen gegen die (zu Recht oder
zu Unrecht noch verbotene) PKK und für Erdoğan, kurdische Online-Quellen
versuchen unterdessen nachzuweisen, dass Osama Abdul Mohsen („der Flüchtling,
dem ein Bein gestellt wurde“) in Wirklichkeit ein Radikaler der al-Nusra-Front
ist. Es geht drunter und drüber. Und immer mehr Menschen freunden sich wieder mit
den simplen Weltsichten und einfachen Lösungen an, die wir hierzulande in einem
jahrhundertelangen, äußerst schmerzhaften Prozess eigentlich zum großen Teil überwunden
haben sollten. Aber ist es die Aufregung wert? Wahrscheinlich geht das
Abendland sowieso unter – jetzt wo auch VW dem Untergang näher ist denn je…Donnerstag, 5. Februar 2015
Die Propaganda-Abteilung des IS (Teil 2)
Heute
befassen wir uns mit einem IS-Video, das nicht zu den Kategorien Nasheed (Musikvideo)
oder Grußvideo gehört. Ich war mir nicht ganz sicher, wie
dieses Filmchen einzuordnen ist, doch am nächsten kommt vielleicht die
Bezeichnung Reportage.
„A Visit
To Mosul“ bringt das Publikum ins Herz des Islamischen Staates und an die
aktuelle Kraftquelle der Terrorbewegung. Seit Mitte Juni 2014 befindet sich die
Stadt in der Macht des IS und ist seither einer schaurigen Entwicklung
ausgesetzt: Christen wurden vertrieben oder zur Konversion gezwungen, Jesiden
in der Umgebung mussten flüchten und waren in isolierten Bergregionen zeitweise
dem Hungertod ausgesetzt. In Mosul selbst begann der IS, Kirchen zu Moscheen
umzuweihen und schiitische Schreine, Grabstätten und Gotteshäuser mit Dynamit
oder Vorschlaghämmern dem Erdboden gleich zu machen. Nun ist Mosul die
Hauptstadt des „Wilayat Ninawa“, des Verwaltungsbezirks Ninive.
Zu Beginn
des Videos werden Passanten gefragt, wie sich die Situation seit der
„Befreiung“ durch den IS verändert habe. Natürlich gibt es nur positive
Resonanz: „Es gab [früher] Verhaftungen. Verhaftungen ohne Gnade“, erzählt
einer der Befragten. Straßenblockaden, unbeschreibliche Ereignisse. Doch die
Behandlung der Menschen durch die Soldaten des Islamischen Staates sei sehr
gut. „Es gibt keine Probleme mit der Behandlung.“ – Nach dem kurzen Interview
folgt der eigentlich interessante Teil: Ein bärtiger, mutmaßlich
tschetschenischer Kämpfer beschreibt die Eroberung der Millionenstadt. Er steht
auf einer Autobahnbrücke und erzählt, wie die irakischen Truppen nach der
Tötung eines Offiziers aus der Stadt flohen und Waffen und Ausrüstung
zurückließen. Als nächstes nimmt der dschihadistische „Tour Guide“ die
Zuschauer mit zur Großen Moschee von Mosul. „Mit der Ankunft des Islamischen
Staates nahm der Islam in einem völlig neuen Weg Eingang in das Leben der
Bewohner“, erzählt er, während zwei Männer gezeigt werden, die mit einem Auto
durch die Straßen fahren und durch Lautsprecher etwas verkünden. Auf einem
Schild steht „Hisba“ (حسبة), es handelt sich dabei wohl um eine Art Religionspolizei oder
eher noch „Ordnungsamt“. Während die Straßenszenen mit der Kamera aufgefangen
werden, berichtet der Erzähler stolz: „Viele Christen, die in der Stadt
geblieben sind, sind jetzt interessiert am Islam, weil sie den wahren Islam
gesehen haben, wie er umgesetzt wird und welche Ergebnisse er für alle Aspekte
des Lebens bringt.“ Viele christliche Familien würden nun den Islam annehmen.
Etwas zynisch – aber vom Erzähler wohl tatsächlich als Errungenschaft
wahrgenommen – wirkt der Bericht darüber, dass „erst vor kurzem 130 jesidische
Männer den Islam angenommen“ hätte. „Und wie Ihr wisst, sind die Jesiden
Teufelsanbeter.“ Der Islam verbreite sich mit Wort und Schwert. Und aller Lob
gebühre Allah…
Letzte
Station der „Reportage“ ist der bekannte Scharia-Gerichtshof von Mosul. Denn
die Durchsetzung der Scharia für alle Lebensbereiche sei der fundamentale
Unterschied zwischen säkularen Staaten und dem Islamischen Staat. In den
letzten zwei Monaten seien an diesem Gericht mehr als 1.000 Fälle behandelt
worden, sagt der Reporter. Ein Beweis dafür, dass das Vertrauen der Menschen in
den Islamischen Staat ungebrochen sei.
Das Video
ist von der Machart her den von mir in Teil
1 gezeigten Produktionen ähnlich, was Effekte und Qualität angeht. Es
fällt zudem auf, dass sich dieses Video an russisches oder tschetschenisches
Publikum richtet. Dennoch wird das Gesagte durch Untertitel auch auf Englisch
und Arabisch wiedergegeben. Ich bin mir nicht sicher, welcher Kategorie man
dieses Video zuordnen kann, aber es trägt ganz klar Züge einer Reportage. Es
gibt Interviews mit Passanten oder Offiziellen, Straßenszenen und Aufnahmen des
Gebets, während der Kampfveteran das Publikum mit Informationen versorgt. Wenn
er selbst ins Bild kommt, steht er meistens, doch im letzten Abschnitt geht er
die Treppe des Scharia-Gerichtshofes hinauf, während er erzählt – und erinnert
dabei fast zwangsläufig an amerikanische Dokumentationen, in denen der Reporter
gerne gestikulierend eine Straße entlanggeht oder Treppenstufen ersteigt.
Während diese Elemente zunehmen, werden andere Effekte seltener.
Hintergrundmusik setzt erst im letzten Fünftel des Videos ein, schwarze Fahnen
treten etwas weniger vehement auf. Bilder von Toten, die der Abschreckung
dienen sollen, fehlen gänzlich. In der letzten Minute werden aber trotzdem
Zeitlupe und Zeitraffer eingesetzt, fast so als sei dieses Merkmal
charakteristisch für die zynische Verspieltheit der Produzenten des Al-Hayat
Media Center. Als wolle es das Video, das die Ideologie eines kunst- und
humorlosen Herrschaftsgebildes in die Welt tragen soll, doch um eine kunstvolle
Nuance ergänzen. Und um dem Ganzen einen gewichtigen Schlusspunkt zu setzen,
zeigen die Macher am Ende, als der Gerichtsbeamte aus dem Koran zitiert, ein
Minarett, über dem die schwarze Fahne des IS weht. Willkommen im Kalifat, wo
Recht und Ordnung herrscht. Diese Botschaft geht – wie wir gesehen haben – auf
den verschiedensten Sprachen und auf unterschiedlichen Wegen hinaus in die
Welt. Die wichtigste Erkenntnis für die Beobachtenden mag aber sein, dass der
IS auf keinen Fall zu unterschätzen ist, was seine strukturgebenden Fähigkeiten
angeht: Diese Videos bleiben nur Videos, Erzeugnisse einer Propagandamaschinerie,
doch trotzdem geben sie dem Experiment „Terrorgruppe gründet Staat“ eine
gewisse Festigkeit und Stabilität sowie eine Repräsentanz, die fast ganz ohne
hohe Abgeordnete auskommt, sondern sich hauptsächlich auf (insgeheim
wahrscheinlich verängstigte) Passanten und Ex-Frontkämpfer beruft.
Mittwoch, 4. Februar 2015
Die Propaganda-Abteilung des IS (Teil 1)
Wie sieht
Öffentlichkeitsarbeit von Terroristen aus? Heute möchte ich unseren Blick auf
das Al-Hayat Media Center, die
Propaganda-Abteilung des Islamischen Staates, und vor allem auf seine Videos lenken. Public Relations spielen auch
im Dschihadismus eine wichtige Rolle. Während Osama bin Laden seinerzeit in
unregelmäßigen Abständen Drohbotschaften gegen die USA in die Welt sendete und sich
die Youtube-Channels der meisten Terrorgruppen durch verwackelte Handyvideos
von nächtlichen Kampfszenen auszeichnen, fährt der IS mittlerweile ganz andere
Kaliber auf. Mehrminütige Videos, raffiniert zusammengeschnitten und qualitativ
hochwertig. Es soll scheinbar mehr auf die Leinwand gebracht werden als nur
Dschihad und Geballer.
Wie die
meisten Videos aus islamistischer oder dschihadistischer Produktion arbeiten
auch die Filme des IS mit Musik. Bei manchen von ihnen bleibt die Musik im
Hintergrund, anderswo ist sie Trägerin der eigentlichen Botschaft. Im folgenden
Video spielt der Nasheed, die a-cappella-Lobpreisung des Propheten (oder
in diesem Fall: des Kalifen), eine zentrale Rolle. Es ist ein deutschsprachiges
Video, das sich an muslimisches Publikum richtet:
[Warnung: Zwischen
2:29 und 3:05 wird eine sehr unschöne Aufnahme eines toten kurdischen Kämpfers
gezeigt.]
In diesem
kurzen Film wird all das deutlich, was eine Produktion von Al-Hayat Media
Center ausmacht: Gesang und Lobpreisung des Kalifen auf der Audio-Ebene, die
schwarze Fahne des Propheten, Kämpfer auf Pferden und in den Sonnenuntergang
ziehende Dschihadisten auf der visuellen Ebene. Bemerkenswert ist der Einsatz
von Effekten – erbebender Boden beim Abschuss einer Mörsergranate, bewegte Aufnahmen
aus unterschiedlichen Perspektiven. Vor allem mit Zeitlupen wird gearbeitet,
einzelne Abschnitte innerhalb bestimmter Sequenzen werden im Tempo verlangsamt,
um gezielt Elemente wie etwa vorbeifahrende Panzer oder einen Jungen, der die
schwarze Fahne des IS über eine Straße trägt, hervorzuheben. Zu diesem Zweck
wird auch mit Schärfen und Unschärfen gespielt.
Ein weiteres
Element, das in keinem der zahlreichen IS-Videos fehlt, sind die vielen
kampferprobten Männer, die sich in den wenigen Pausen, die der Dschihad ihnen
bietet, versammeln um zu beten, ihrem Kalifen die Treue zu schwören und sich an
mehreren Stellen in den Videos kameradschaftlich umarmen. Ob am Ende eines
Gebets oder anlässlich eines Sieges – Kameradschaft und Umarmungen spielen eine
wichtige Rolle.
Doch wieso? Und
hier kommen wir auch schon zum Sinn und Zweck dieser Videos: Während die ersten
unkoordinierten Produktionen des IS noch Szenen der Eroberung irakischer und
syrischer Armeestützpunkte zeigten, hat sich der Fokus nun gewandelt. In jungen
muslimischen Männern aus aller Welt soll nicht mehr nur der Kampfesgeist
geweckt werden. Anstelle das blutige Gemetzel zu zeigen, das der IS zwischen
Euphrat, Tigris und Mittelmeer anrichtet, wird vielmehr die Illusion eines
islamischen „Staates“, eines funktionierenden Kalifats in den Mittelpunkt
gerückt, in dem neben (radikal ausgelegtem islamischen) Recht und Ordnung auch
vor allem die Männerfreundschaft unter Kameraden und Kampfgenossen herrscht.
Die IS-Propagandaabteilung versucht, das Bild einer Oase inmitten einer Wüste
von Ungläubigen zu zeichnen. Hierbei füllen Kalaschnikows, Panzer und Raketen zwar
noch eine Rahmenfunktion aus, doch der Trend geht zu befriedeten Straßen, im
Park spielenden kleinen Jungen oder auch zu Besuchen im Scharia-Gerichtshof
(ein Beispiel folgt im nächsten Teil der Reihe).
Das nächste
Beispielvideo wurde anlässlich des Eid al-Fitr, dem islamischen Fest des
Fastenbrechens zum Ende des Monats Ramadan, im Sommer 2014 veröffentlicht und
übermittelt die Grüße verschiedener Dschihadisten an ihre „Brüder“ im Rest der
Welt. Das Video beginnt mit einer längeren Gebetsszene in der Hauptmoschee des
IS im irakischen Mosul. Dann folgen verschiedene Szenen, in denen kleine Jungen
instrumentalisiert werden und „Allahu Akbar“ singen und rufen. Schließlich
kommen die Grüße, die dem Video den Titel „Eid
Greetings from the Land of Khilafa“ („Eid-Grüße aus dem Land des Kalifats“)
gegeben haben. Abu Abdullah al-Habashi aus Großbritannien spricht ein Grußwort,
Abu Shua’ib as-Somali aus Finnland kommt zu Wort und reitet auf einem Esel über
eine Kreuzung. Zwischendurch verteilen Männer Spielzeugpistolen an Kinder im
Park. Ein belgischer Dschihadist wendet sich sogar auf Flämisch an seine
Glaubensgenossen (14:00).
Auffällig
ist vor allem in diesem Video, dass keine einzige Frau auf den Straßen, im
Park, oder generell in der Öffentlichkeit zu sehen ist. In der islamischen Welt
kommt Frauen traditionell verstärkt die Rolle der Hausfrau und Mutter zu, was
sie jedoch nicht aus dem öffentlichen Leben und alltäglichen Straßenszenen
ausschließt. Im Islamischen Staat sind Frauen jedoch in die Häuser verbannt,
die Straße bleibt den Männern vorbehalten. Ob diese Diskriminierung auch in der
Realität so durchgesetzt wird lässt sich mit Sicherheit kaum feststellen, doch
in den PR-Videos wird dieses Bild (bewusst) vermittelt.
Wo wir auch
schon beim viel interessanteren Teil der Analyse wären: Was können wir anhand
der Propaganda-Videos des IS an Einblicken in das Innerste der Bewegung gewinnen?
Diese Art von Videos unterscheidet sich nämlich von jenen, die abschrecken
sollen (Hinrichtungen, v.a. Enthauptungen ausländischer Geiseln), und solchen,
die durch Kampfszenen einfach nur die Abenteuerlust vieler junger Männer
ansprechen. Die aufwändigen Produktionen von Al-Hayat Media Center versuchen
ein (trotz aller Waffen und der zynischen Botschaften) harmonisches Bild darzustellen.
Dennoch zeigen sie uns vor allem das, was die Terroristen uns sehen lassen
wollen. Man bekommt keine getöteten Jesiden zu Gesicht, keine gesprengten
schiitischen Schreine und keine vertriebenen Christen. Die Beter in der Moschee
von Mosul sind ausgewählt, die Jungen im Park sind naive Kinder und
Jugendliche. Die bärtigen Männer, die sich in ihrer Landessprache an die
Daheimgebliebenen richten, offenbaren ihre eigene Identität, verbrennen
teilweise vor den IS-Kameras ihre Pässe. Sie sind sich ihrer Sache sicher. Sie
kämpfen nicht einmal mehr nur für eine verzerrte Paradiesvorstellung, sondern
sie opfern sich bereitwillig einem Staat, der in losen Grenzen schon lange besteht.
Ein wichtiges Mittel, um den Islamischen Staat zu festigen, sind neben Waffen
und Männern auch die Propagandavideos. Sie locken neue Kämpfer an, heben die
Moral der Alten und bauen mit an dem Bild eines Staates, der zum Schrecken der
ganzen Welt zu existieren begann. Das Kalifat ist ein funktionierendes System
und es heißt alle Gläubigen willkommen, sich hier niederzulassen – das ist die
Botschaft.
Freitag, 12. Dezember 2014
"Sie sind überall!" - Faktencheck und nachdenkliches Kopfschütteln
Der Spiegel macht den Faktencheck
zu Behauptungen der Pegida
(„Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“), widerlegt
falsche Behauptungen und uralte Ressentiments. Sogar GMX fragt: „Was
ist dran an den Vorurteilen?“ So stellt man sich den neuen alten Ängsten
derjenigen, die von sich selbst behaupten, aus der Mitte der Gesellschaft zu
kommen. Die Zeitungen und Magazine schreiben angestrengt gegen jene Kräfte an,
die in Dresden kürzlich 19.000 „besorgte Bürger“ mobilisieren konnten, um gegen
die „Islamisierung des Abendlandes“ zu demonstrieren. Zumindest versuchen sie
es.
Doch wo schreiben hoffnungslos
erscheint, muss man fragen: Was treibt diese Menschen an? Woher kommt die Angst
– und wie kann man ihr begegnen?
Die immer gleichen Vorurteile
Die gängigsten Vorurteile und
Behauptungen lassen sich mittlerweile sogar mit Statistiken und in Stein
gemeißelten Zahlen widerlegen. Dass Zuwanderung den fleißigen Deutschen nur
Geld kosten würde, hat eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) als falsch erwiesen: Die 6,6 Millionen Menschen ohne
deutschen Pass haben im Jahr 2012 für einen Überschuss von rund 22 Milliarden
Euro gesorgt. Jeder Ausländer und jede Ausländerin zahlt pro Jahr etwa 3.300
Euro mehr Steuern und Sozialabgaben, als er oder sie an staatlichen Leistungen
erhält.
Nun gut, aber kriminell ist
der Ausländer an und für sich ja doch, oder? Wieder falsch. Die polizeiliche
Kriminalstatistik (ebenfalls 2012) offenbart, dass nur jeder vierte Tatverdächtige
keinen deutschen Pass hat – darin inbegriffen Touristen und aus dem Ausland
agierende Banden.
Das älteste aller Vorurteile müsste
heutzutage eigentlich gar nicht mehr thematisiert werden, gäbe es nicht einige Hetzer
und ihre ungebildeten Fußsoldaten, die immer noch an das Märchen von der
weggenommenen Arbeit glauben: Ausländer nehmen den fleißigen Deutschen die
Arbeitsplätze weg. – Die Zahlen sprechen auch hier eine andere Sprache, der
Mangel an Fachkräften und die Vielzahl unbesetzter Lehrstellen in vielen Regionen
Deutschlands untermauern die Statistik. Währenddessen arbeiten studierte Iraner
mitunter als Taxifahrer in Köln oder München, weil ihre Abschlüsse nicht
anerkannt werden.
Aber wenn wir ehrlich sind,
hat „der Ausländer“ immer nur die Drecksarbeit gemacht – und wurde genauso
behandelt wie das, was er wegputzen musste. Wer sich an die Achtziger und Günter
Wallraffs „Ganz unten“ (1985)
nicht mehr erinnern kann, der sei an dieser Stelle auf die entsprechenden Links
verwiesen.
„Sie sind überall“
Wer mit dem Jargon der
extremen Rechten vertraut ist, dem muss jedes Mal ein Schauer über den Rücken laufen,
wenn er Stimmen aus der Mitte der Gesellschaft mit dem Begriff „Überfremdung“ jonglieren
hört. Was bitte soll man darunter verstehen? Von Überfremdung singen „national
gesinnte“ Liedermacher mit weinerlicher Stimme, gegen die Überfremdung schreien
neubraune Führer in Bierzelten auf NPD-Kinderfesten an – aber in der
bürgerlichen Mitte hat diese Sprache nichts verloren, nicht zuletzt weil die
Aussage, die dahinter steht, grober Unfug ist. Wenn sich ein ganzes Land fremd
wird, dann hat es größere Probleme als die Zuwanderung.
Die Diskussion um Zuwanderung,
Integration und Migranten hält mittlerweile schon zu viele Jahre an, ohne wirklich
Ergebnisse zu liefern. Bei den zuvor genannten Vorurteilen und den
dazugehörigen Diskussionen am sprichwörtlichen Stammtisch geht es in
Wirklichkeit nicht um Tatsachen – auch nicht beim Thema Muslime. Es geht um
subjektives Empfinden. Denn Fakt ist: Muslime machen in Deutschlands gerade
einmal um die 5 Prozent der Bevölkerung aus. Eine verschwindend kleine
Minderheit, vor der das deutsche Abendland eigentlich keine Angst zu haben braucht.
Doch fragt man jenen Teil der Bevölkerung, der Angst vor „dem Islam“ hat, so
wird der Anteil der Muslime um ein Vielfaches höher eingeschätzt. Dieses
Phänomen gibt es nicht nur in Deutschland, sondern überall, wo Einwanderer
ankommen und sich ins alltägliche Stadtbild integrieren. So wird z.B. auch in
Großbritannien der prozentuale Anteil von Muslimen und Ausländern zu hoch
eingeschätzt.
Die Angst vor dem Fremden hat
die Tendenz, sich bisweilen in eine unkontrollierbare Hysterie zu steigern. Doch
wie kommt man gegen die neue Bewegung der Angstbürger an? Scheinbar nicht mit
Zahlen und Fakten, denn die Anhänger dieser selbsternannten Bürgerbewegungen glauben
nur der eigenen Statistik: Sie sehen einige überwiegend von Arabern bevölkerte
Stadtteile, eine größtenteils von fremdländisch aussehenden Kindern besuchte
Schule, ein morgenländisches Gebetshaus und können es angesichts dessen nicht
ertragen, dass in ihrer Heimat auch andere Menschen heimisch geworden sind.
Die Angst vor dem Unbekannten
– oder noch schlimmer: vor dem aus politically
incorrecten Gruselmärchen schon bekannt Erscheinenden – ist es, die neuerdings
Massen auf die Straße bringen kann. Seit dem Elften September ist das Kopftuch,
das unsere deutschen Großmütter vor vierzig oder fünfzig Jahren noch wie
selbstverständlich trugen, zu einem Symbol der „Überfremdung“ geworden. Die
Debatte über entweder unterdrückte oder fundamentalistische „Kopftuchmädchen“,
die in Wirklichkeit doch eigentlich nur ihren Glauben leben und in Ruhe
gelassen werden wollen, scheint erst jetzt abzuflauen, da man endlich ein
handfestes, brandgefährliches und noch bedrohlicheres Beispiel für die
Schattenseiten der islamischen Kultur gefunden hat: Während Terroristen und
Theokraten im Nahen Osten ein Kalifat des Schreckens zu errichten versuchen, fühlen
sich die rechten Hetzer und Breivik-Anhänger in der Echtheit des Konstrukts,
das sie „Islamisierung des christlich-jüdischen Abendlandes“ nennen, bestärkt.
Willkommenskultur – Auffanglagerkultur
Ressentiments gegen Ausländer
und Zuwanderungskritik gibt es seit der ersten Stunde deutscher Einwanderungsgeschichte.
Bis zum heutigen Tag hat sich die Stimmung zu einem neuen Höhepunkt seit den
1990er Jahren hochgeschaukelt, doch der Grund ist nicht etwa die aggressive
Missionierungskultur rheinländischer Salafisten. Entscheidend ist vielmehr die
Tatsache, dass immer mehr Menschen – und darunter auch viele Flüchtlinge aus
arabischen Ländern – in Deutschland Schutz vor Krieg, Vergewaltigung und Mord
suchen. Denn mehr noch als das geliebte Vaterland lieben der und die Deutsche das
Geld, das im Namen der deutschen Allgemeinheit ausgegeben wird. Und da kommt es
vielen gerade Recht, wenn ihnen jemand erzählt, dass hunderttausende
Asylbewerber_innen in Deutschland wie Gott in Frankreich leben. Bei Pegida-Demonstrationen
wetterte der Initiator Lutz Bachmann gegen „Heime mit Vollversorgung“ für
Flüchtlinge, während sich die deutschen Alten „manchmal noch nicht mal ein
Stück Stollen leisten können zu Weihnachten“. Wie groß muss der Hass eines
Volkes sein, wenn es seine Alten in miserable Heime steckt und dann
Bürgerkriegsflüchtlinge zu Schuldigen erklärt?
Die ZEIT (04.12.2014, Nr. 50)
berichtet über die aktuellen Zustände in vielen Lagern. Es wird auch der Kinderarzt
Andreas Schultz zitiert, der in einem Asylbewerberheim in München Kinder
behandelt.
Manchmal, sagt Schultz, erinnere ihn München an
den Sudan. […] An die hundert Kinder wohnen in der Notunterkunft, viele von
ihnen seien krank, sagt Schultz. Er hört ihren Brustkorb ab, untersucht ihre
Ohren und Atemwege. Er erzählt von Kindern, die eitrige Mandeln haben, weil sie
seit Tagen im Zelt schlafen. Von Jungen und Mädchen, die apathisch an die Decke
starren, weil es kein Spielzeug gibt. Von Jugendlichen, die nachts vor Kummer
schreien und tagsüber Bilder mit blutüberströmten Menschen malen. Von Babys,
die Durchfall bekommen, weil sie das Essen im Heim nicht vertragen. „Die
Kleinen bräuchten Brei“, sagt Schultz. „Stattdessen setzt man ihnen Hackfleisch
vor.“
Vollverpflegung sieht anders
aus. Das interessiert Leute wie Pegida-Bachmann aber nicht. Dabei geht es hier
nicht einmal um Zuwanderung an sich, denn Asylbewerber sind zunächst einmal
Schutzsuchende. (Oft wird dies auf beiden Seiten missverstanden: Asylgegner
argumentieren, das Boot sei voll. Deutschland könne nicht noch mehr Menschen
durchfüttern. Asylbefürworter argumentieren dagegen beim Thema Asyl, Deutschland
bräuchte doch Zuwanderung, allein schon um die Wirtschaft am Laufen zu halten.)
Doch Flüchtlinge in Deutschland wollen in
allererster Linie als Menschen behandelt werden und nicht als Zahlen, Nummern
und Objekte. Sie wollen ein Leben in Würde führen. Ein Recht, das ihnen das
Grundgesetz eigentlich zugesteht.
Dabei sind die meisten
Deutschen gastfreundlich – nur eben nicht im eigenen Wohngebiet:
Im wohlhabenden Hamburger Stadtteil
Harvestehude wird seit Oktober um ein Asylbewerberheim gestritten. Einige
Nachbarn sind gegen das Heim vor Gericht gezogen, sie sagen, sie hätten Angst
vor „Kinderlärm“. Harvestehude ist kein kinderfeindlicher Ort. Es gibt „Wohlfühlkindergärten“
mit Biofrühstück und Kinderyogakursen, es gibt Kochschulen für Zwölfjährige und
Kieferorthopäden speziell für Kinder. In manchen Flüchtlingsheimen gibt es
nicht einmal Zahnbürsten. In Würzburg zum Beispiel werden Zahnbürsten nur an
Asylbewerber verteilt, die älter als zwölf Jahre sind. Deutsche Kinder bekommen
Zahnputzkurse, sie haben kaum noch Karies. Viele Flüchtlingskinder kann man an
ihren schlechten Zähnen erkennen, sie sind oft braun und morsch. Wenn ein
deutsches Kind Karies hat, bohrt man ein Loch und füllt den Zahn. wenn ein Flüchtlingskind
Karies hat, wartet man, bis der Zahn verrottet ist, so will es das deutsche
Gesetz.
Das ist eigentlich zum
Heulen. Menschen leben in Baracken, bekommen nicht einmal Hartz-IV und
alleinstehende Männer versuchen häufiger als der umliegende deutsche
Durchschnitt, sich selbst das Leben zu nehmen. Doch der Mainstream will in den
Zeitungen lieber von ungerechtfertigter Vollverpflegung oder Drogenrazzien
lesen.
„Ich bin autochthoner Deutscher.“ – „Ist das
heilbar?“
„Bürgerbewegungen“ wie die
Pegida und viele andere sprechen das offen aus, was (zu) viele Deutsche mittlerweile
oder noch immer denken. Sie vertreten ein unvertretbares Deutschlandbild, in dem
unterschieden wird zwischen Einheimischen und „Gästen“, die oft seit
Generationen ihre Steuern in Deutschland zahlen, nie wirklich wie Gäste
aufgenommen wurden und auch so schnell wie möglich wieder verschwinden sollen. Sie
werfen diesen Gästen vor, undankbar zu sein. Dabei sind sie es selbst, die
undankbar sind. In einem Land, das aus jeder Krise nahezu unbeschadet hervorgeht
und sich dennoch bemitleidet, haben Zuwanderer oder Flüchtlinge dennoch keinen
Platz. Im Land der Dichter und Denker denkt man immer weniger und dichtet nur
noch selten – allerdings nicht deshalb, weil Zuwanderer, Asylanten oder
Salafisten einen davon abhalten würden, sondern weil es viel komfortabler ist, erst
einmal einen Schuldigen für ein aktuelles Schlamassel zu suchen. Doch
vielleicht ist es die Art des (und der) Deutschen an sich: Wir haben schon mit
uns selbst ein Problem, da brauchen wir nicht noch Andere, mit denen wir mehr
Probleme haben können.
Doch wann fangen wir endlich
an, uns um die wirklichen Probleme zu
kümmern – gemeinsam?
Mittwoch, 9. Juli 2014
Bomben, Raketen und kein Ende
Die Lage in Israel und Palästina eskaliert wieder einmal,
dieses Jahr heftiger als in den Jahren zuvor. Die israelische Armee und die
palästinensische Hamas liefern sich ein wahres Duell im Raketenschießen. Die Offensive Israels gegen Gaza ist in der Nacht zum Dienstag angelaufen. Insgesamt
wurden 160 Ziele beschossen, sagte eine Militärsprecherin in Tel Aviv laut
Spiegel Online. Seit Beginn der Operation hätten Luftwaffe und Marine
435 Ziele angegriffen. Militante Palästinenser im Gazastreifen hätten in diesem
Zeitraum wiederum 225 Raketen auf Israel abgefeuert, rund 40 davon habe die
Raketenabwehr abgefangen. Erstmals seit 2012 erreichten die Geschosse der Hamas
auch wieder Tel Aviv und sogar Jerusalem.
Das Traurige ist, dass sich angesichts dieses
Völkerschlachtens immer noch jede der direkt involvierten Seiten die
Frage stellt, wer mit dieser ganzen Scheiße denn angefangen hätte. Gegenseitig wird
sich nun der Schwarze Peter zugeschoben. Immer sind die anderen schuld. Aus der
Distanz bleibt mir nichts anderes übrig, als die Aktivitäten meiner
Facebook-Bekanntschaften zu beobachten. Die meiste von ihnen sind dem Konflikt geografisch zumeist
ebenso fern wie ich. Und da sich meine virtuelle Freundesliste aus Menschen unterschiedlichster
Herkunft und verschiedenster politischer Weltanschauungen zusammensetzt, bekomme
ich die volle Ladung ab: Während sich ungefähr die Hälfte meiner muslimischen
Bekannten - ob sie einen direkten Bezug zu Palästina habe oder nicht - ganz offen zu Gaza und häufig auch zur Hamas bekennt, posten die
Israelfreunde heldenhafte Statusmeldungen der IDF und holen uralte Karikaturen aus dem
Keller.
Apropos Karikaturen… - Ich habe ein bisschen auf Google
eingesammelt, was in den letzten Jahren und bis heute an politischen
Kritzeleien entstanden ist - und habe dabei Erstaunliches entdeckt:
| Israel dargestellt als Unschuldslamm, die Hamas mit vielen Raketen. |
| Gaza dargestellt als Unschuldslamm, Israel mit vielen Raketen. |
Diese Zeichnungen - an denen ich übrigens keinerlei Rechte
besitze und die ich hier ohne Kenntnis der Zeichner/-innen weiterverbreite - ähneln
sich in erschreckender Weise. Die Aussagen sind jeweils dieselben: Die da haben angefangen! Wir verteidigen
uns nur.
Wer im Internet sucht, der findet. Auf der einen Seite ein unschuldiges, kleines und wehrloses, irritierenderweise aber bis an die Zähne bewaffnetes Israel - auf der anderen Seite bisweilen unverhohlener Antisemitismus, verpackt in legitim erscheinende Kritik.
| Israelische Raketen fliegen auf Gaza. Rassistische Symbolik, wie man sie sich hierzulande nicht leisten könnte... |
| Und Israel verteidigt sich natürlich nur selbst... |
Mich interessiert schon lange nicht mehr, wer angefangen
hat. Und mein vor Jahren noch lebendiger (und reichlich naiver) Optimismus ist
nicht etwa der Enttäuschung, sondern eher einer schier grenzenlosen Wut gewichen. Seit
Jahrzehnten wiederholt sich dieser Mist in regelmäßigen Abständen, immer wieder
scheitern Friedensverhandlungen an eben den Problemen, an welchen sie Jahre
zuvor schon gescheitert sind. Erst hat die Politik mit ihren Armeen und Milizen
Zivilisten getötet, jetzt töten sich die Zivilisten endlich auch gegenseitig.
Und niemand begreift, dass der unbequeme Weg - nämlich der, für den jede einzelne
Person Zugeständnisse machen und Opfer bringen muss - am Ende weniger „Opfer“
kosten würde.
Aber nein, wieso sollten wir nachgeben? Die Anderen sind
schuld. Die „Anderen“ sind Terroristen, Soldaten, Araber, Juden, Muslime,
Israelis, Besatzer, Bombenbastler - alle sind sie unschuldig, Märtyrer, Helden.
Am Ende sind sie alle Menschen. Doch vielleicht sind
Menschen nunmal so. Sie verteidigen ihr Territorium, ihr Land, ihre Ehre, ihre
Religion - oft auch schlicht und einfach ihre Familie. Und weil wir alle diese
Menschen bei der Verteidigung ihrer Motive nicht unterstützen können, posten
wir Karikaturen, ändern unsere Profilbilder, zeigen Solidarität. Ob das irgendwem
hilft und ob es nicht vielmehr Gespräche verhindert, sei mal dahin gestellt.
Und die Sache mit den Israelis und Palästinensern ist (leider) noch das kleinste Übel im Nahen Osten. Syrien ist am Ende, im Irak
fängt es gerade erst wieder so richtig an. In der Ukraine ist noch kein
Licht am Ende des Tunnels abzusehen. Und wo nicht gekämpft wird, da wird der Unmut größer und wartet
nur darauf, sich in einem Gewitter zu entladen, wenn die großen Bühnen der Welt endlich ihren Vorhang
zuziehen.
Was diese Welt braucht ist eine Pause. Doch sie wird sie wahrscheinlich
nicht bekommen.
Mittwoch, 28. August 2013
Syrien im August - Auch Beschwichtigung sollte ein Ende haben
[Dieser Beitrag entstand als Reaktion auf die vielen Stimmen, die ihr Fähnchen gerne nach dem Wind hängen. Als eine "Reaktion" sollte er deshalb auch gelesen werden, Thorschten vertritt darüber hinaus grundsätzlich nämlich pazifistische Positionen.]
Vor fast genau einem Jahr gab Kofi Annan sein Mandat als Syrien-Sondergesandter der Vereinten Nationen auf. Sein Nachfolger Brahimi hat bisher keine nennenswerten Fortschritte erreicht, eine politische Lösung des Konflikts bleibt weiterhin in unüberwindbarer Ferne. Irgendwann kamen dann zum ersten Mal chemische Waffen zum Einsatz und US-Präsident Obama in die erste moralische Zwickmühle: Er hatte zuvor die sagenumwobene „rote Linie“ gezogen und konnte sie nun nicht verteidigen. Das Gespött war ebenso groß wie die Hilferufe aus Syrien. Obama hatte angekündigt, einzugreifen – und tat es nicht. Der Westen würde seine Werte immer weiter verraten, hieß es. Dann gab es zum zweiten Mal die Meldung über Chemiewaffeneinsätze. Und dieses Mal mobilisierten die USA ihre Flugzeugträger. Der nächste Aufschrei erfolgte: Die USA dürfen sich auf keinen Fall einmischen! Bomben sind keine Lösung! Der imperialistische Westen greift wieder um sich und will ein Land ins Chaos stürzen. Ein brauner Wolf im roten Schafspelz, der Publizist Elsässer, will sogar eine Abschussprämie zahlen, für vom Himmel geholte NATO-Flugzeuge. Und er bekommt virtuellen Beifall. Elsässer schreibt über die „tapferen Soldaten an der Flak, die ihre Heimat verteidigen“. Plötzlich ist von den USA, Großbritannien und Frankreich als kriegstreibende Aggressoren die Rede. – Wir haben wieder einmal einen Sündenbock gefunden für das Syrien-Desaster, das seit über zwei Jahren in vollem Gange ist: Uns selbst. Es läuft immer auf dasselbe hinaus. Auch der angesehene Nahost-Spezialist Jürgen Todenhöfer sagte (schon im Mai): „Jetzt hat der Westen in Syrien wieder einmal ein politisches Chaos angerichtet.“
Vor fast genau einem Jahr gab Kofi Annan sein Mandat als Syrien-Sondergesandter der Vereinten Nationen auf. Sein Nachfolger Brahimi hat bisher keine nennenswerten Fortschritte erreicht, eine politische Lösung des Konflikts bleibt weiterhin in unüberwindbarer Ferne. Irgendwann kamen dann zum ersten Mal chemische Waffen zum Einsatz und US-Präsident Obama in die erste moralische Zwickmühle: Er hatte zuvor die sagenumwobene „rote Linie“ gezogen und konnte sie nun nicht verteidigen. Das Gespött war ebenso groß wie die Hilferufe aus Syrien. Obama hatte angekündigt, einzugreifen – und tat es nicht. Der Westen würde seine Werte immer weiter verraten, hieß es. Dann gab es zum zweiten Mal die Meldung über Chemiewaffeneinsätze. Und dieses Mal mobilisierten die USA ihre Flugzeugträger. Der nächste Aufschrei erfolgte: Die USA dürfen sich auf keinen Fall einmischen! Bomben sind keine Lösung! Der imperialistische Westen greift wieder um sich und will ein Land ins Chaos stürzen. Ein brauner Wolf im roten Schafspelz, der Publizist Elsässer, will sogar eine Abschussprämie zahlen, für vom Himmel geholte NATO-Flugzeuge. Und er bekommt virtuellen Beifall. Elsässer schreibt über die „tapferen Soldaten an der Flak, die ihre Heimat verteidigen“. Plötzlich ist von den USA, Großbritannien und Frankreich als kriegstreibende Aggressoren die Rede. – Wir haben wieder einmal einen Sündenbock gefunden für das Syrien-Desaster, das seit über zwei Jahren in vollem Gange ist: Uns selbst. Es läuft immer auf dasselbe hinaus. Auch der angesehene Nahost-Spezialist Jürgen Todenhöfer sagte (schon im Mai): „Jetzt hat der Westen in Syrien wieder einmal ein politisches Chaos angerichtet.“
Liebe
Leute, entscheidet euch! War euch die zynische Haltung von Sarah Palin („Let
Allah sort it out!“) etwa lieber? Wer mich kennt weiß, dass ich eine
Bevormundung arabischer Staaten durch den Westen nicht gutheiße, dass ich
militärische Einmischungen à la Kreuzzug („Wir bringen den Arabern Zivilisation
und Christentum“) entschieden ablehne und in die Zeit des Kolonialismus
verordne. Aber wie lange soll man dem Schlachten noch tatenlos zusehen? Man hat
Zurückhaltung geübt in Tunesien und vor allem im demografischen Zentrum des
Nahen Ostens, in Ägypten. Man hat Gaddafi in Libyen aus dem Amt gebombt und
Unordnung hinterlassen, na gut. Aber man hat die Rebellen höchstens aus der
Luft unterstützt und ansonsten den Dingen (zu Land) ihren Lauf gelassen. Soll
sich der Westen aus dem Syrien-Konflikt heraushalten? Das wäre scharf zu
verurteilen. Doch für eine politische Lösung ist es doch längst zu spät. Und
sagt nicht, dass „der Westen“ Verhandlungen blockiert hätte. Will sich denn
Assad an einen Tisch setzen mit „Terroristen“ und „ausländischen Agenten“, die
er von Anfang an für den Ausbruch der Demonstrationen und Aufstände
verantwortlich gemacht hat? Assad sitzt stattdessen in seinem Bunker, schart
Hisbollah-Milizen und iranische Religionswächter um sich und hat jeglichen Sinn
für die Realität verloren. Ist so jemand noch ein ernstzunehmender
Verhandlungspartner? Dennoch wird er von einigen Publizisten wie Herrn
Todenhöfer – den ich als erfahrenen Kenner der Region eigentlich sehr schätze –
immer noch gedeckt. Hat bald jeder lupenreine Demokrat dieser Welt einen
deutschen Fürsprecher?
Es
ist egal, ob Assad, sein Militärchef, ein Unteroffizier oder gar die Rebellen
selbst Giftgas gestreut haben – die Welt muss endlich etwas tun. Und auch wer
sich als Pazifist bezeichnet, sollte sich nicht aus Gegnerschaft zu
islamistischen Rebellen auf die Seite eines skrupellosen Diktators stellen.
„Greifen
Sie Syrien nicht an!“, fordert Jürgen Todenhöfer auf seiner Facebook-Seite den
US-Präsidenten Obama auf. Doch wer will denn „Syrien“ als solches attackieren?
Wird denn „Syrien“ im Weltsicherheitsrat von China und Russland gedeckt oder
vielmehr das Regime? Die westliche Öffentlichkeit sollte überdenken, ob die
Problematik Syriens wirklich mit der des Irak 2003 vergleichbar ist. Im Irak
gab es keine Demonstrationen gegen Saddam Hussein, es gab keinen Bürgerkrieg.
Und es gab nachweislich keine Massenvernichtungswaffen. In Bosnien hingegen gab
es – wie in Syrien – Kriege und Regierungstruppen, die ein zerfallendes
Jugoslawien zusammenhalten wollten. Weder NATO noch UN-Blauhelme konnten damals
Massenmorde (aller Beteiligten) verhindern, genauso wenig wie sie es heute in
Syrien können. Doch letztendlich hat man versucht, dem Gemetzel Einhalt zu
gebieten, auch mit militärischen Mitteln, und hat so eine Serie von bewaffneten
Konflikten eingedämmt. Das alles hat weniger Jahre in Anspruch genommen wie der
letztlich erfolglose Einsatz im Irak. Heute ist der Balkan befriedet. Wieso
sollte das – gut überlegt und planvoll – nicht auch in Syrien klappen? Eine
militärische Intervention wird nicht ohne zivile Opfer auskommen, doch wird
denn etwa jetzt gerade, in diesen Sekunden, das Sterben von Zivilisten
verhindert? Nein! Die Opferzahlen haben die Marke von 100.000 bereits weit
überschritten und steigen von Tag zu Tag. Auch ohne US-Marschflugkörper. Da ist
gar keine „rote Linie“ mehr nötig, denn allein der gesunde Menschenverstand
schreit nach dem Eingreifen.
Bin
ich jetzt ein kriegstreibendes Medium? Das muss jeder selbst beurteilen.
Natürlich wünsche ich mir für alle Aktionen ein UN-Mandat, keine Frage. Doch
ich bin auch dafür, dass etwas geschieht, so schnell wie möglich.
Egal
was „der Westen“ in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten tun wird – am Ende
hat er es entweder falsch oder viel zu spät getan.
Nur
irgendetwas sollte getan werden, denn danach werden wir uns nicht m e h r
hassen als wir es ohnehin jetzt schon tun.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
An
dieser Stelle möchte ich noch für eine Organisation werben, die schon jetzt
wichtige Arbeit leistet und auch in der Zeit danach (denn egal wie, es wird
eine Zeit danach geben) von enormer Wichtigkeit für die Menschen sein wird. Die
Organisation Relief & Reconciliation for Syria hat motivierte, weitsichtige
Aktivisten aus den verschiedensten Bereichen in ihren Reihen, von denen viele
schon Erfahrungen auf den Trümmern der Jugoslawien-Kriege gesammelt haben und
sich für sinnvolle Versöhnungsarbeit in Syrien einsetzen.
Mittwoch, 19. Juni 2013
19.06.2013: Zur aktuellen Lage in Syrien und zur NGO Relief & Reconciliation for Syria
In
der Türkei haben die Demonstranten auf stillen Widerstand umgeschwenkt.
Stundenlang stehen sie regungslos auf dem Taksim-Platz und an anderen Orten in
der Türkei, um ihren Protest gegen die Regierung zum Ausdruck zu bringen.
Währenddessen bezeichnet Ministerpräsident Erdoğan die Räumung des Gezi-Parks
vor einigen Tagen als „Sieg der Demokratie“. Er bleibt stur, sieht weiterhin
eine innere und äußere „Verschwörung“ gegen sein Land, lässt an nur einem Tag
100 Mitglieder einer linken Partei verhaften. Staatspräsident Abdullah Gül
hingegen scheint zu erkennen, dass die Gesellschaft tatsächlich mit Problemen
zu kämpfen hat: „Unsere Gesellschaft muss sofort wieder zusammenfinden. Wir
haben daran gearbeitet, europäische Rechtsstandards zu erreichen. Wir dürfen
nicht zurückfallen. Die Reformen müssen weitergehen“.[1]
Die
von Polizeiknüppeln, Tränengas und Chemikalien in den Wasserwerfern
angerichteten Schäden dürften tiefer sitzen als die finanziellen Schäden, die
durch die Proteste an Geschäften und Schaufenstern verursacht worden sind. Doch
diese Schäden ließen sich von einer zwar gespaltenen, aber fortschrittlichen türkischen
Gesellschaft wahrscheinlich überwinden.
Nur
ein Stückchen weiter im Süden liegt Syrien. Hier sind die Gräben mittlerweile
tiefer, das Misstrauen scheint unüberwindbar, der Bürgerkrieg tobt. Auch der
Libanon ist betroffen: Hier treffen die Flüchtlingsströme nach acht Tagen des
Marsches durch die Berge ein in einer Region, in der das Verhältnis Einwohner
zu Flüchtling vielerorts schon 1:1 steht. Ohne Verpflegung haben sich diese
Menschen aufgemacht, viele haben auf dem Marsch mehr Angehörige verloren als
durch das Bombardement Assads, vor dem sie geflohen sind. Schwerverletzte
kommen in libanesischen Krankenhäusern an und werden zurückgewiesen, weil
niemand die teuren Operationen und Krankenbetten bezahlen kann.
In
Syrien selbst wird der Konflikt immer mehr konfessionalisiert. Die Menschen
haben es sich nicht so ausgesucht. Von Anfang an einte sie die Ablehnung des
Regimes, Präsident Assad zwang den Bürgerkrieg dann in einen religiösen Kontext
– zum Beispiel indem er die Drusen und die alawitischen Gebiete vor
Bombardierung schützte. Die christliche Führung, in Europa hausieren geht und
die Regierungen davon zu überzeugen versucht, dass es ohne Assad zu einem
Völkermord an den Christen kommen würde, steht weiterhin hinter dem Diktator –
anders jedoch als große Teile der christlichen Bevölkerung.
Die
Situation der Minderheiten ist es, die eine volle Unterstützung der Revolution
vonseiten Europas bis jetzt verhinderte. Die Europäer sind verunsichert und abgeschreckt
vom Bild des „Dschihad“, des „Heiligen Krieges“, der neuerdings in Syrien
propagiert wird. Dabei wird übersehen, dass sich die Gewalt vonseiten der
Islamisten nicht gegen die Minderheiten des Landes, sondern fast ausschließlich
gegen das Regime wendet. Zudem sind die meisten Kämpfer der islamistischen und
salafistischen Gruppen einfache einheimische Stadt- und Landbewohner, die wenig
mit salafistischem Gedankengut gemein haben. Der Begriff des „Heiligen Krieges“
hat eine religiöse Dimension in Syrien, doch er richtet sich nicht gegen
Christen oder Drusen, sondern gegen das Regime. Er wird teilweise sogar durch
die Minderheiten mitgetragen. Noch heute hört man vereinzelt noch die Slogans
aus den Anfangstagen, quer durch alle Gruppierungen hindurch:
„Freiheit und Menschenwürde!“
Gestern,
am 18. Juni, war bei uns an der Uni Tübingen ein Vertreter der
Nichtregierungsorganisation Relief &
Reconciliation for Syria zu Gast. Friedrich Bokern kam direkt aus dem
Libanon und referierte zum Thema „Die Lage der Minderheiten in Syrien“, stellte
aber auch seine Organisation vor und die aktuellen Probleme, die sich der Hilfe
für die Menschen in den Weg stellen und was dennoch getan werden kann. R&R ist keine reine humanitäre
Hilfsorganisation, sondern will Friedensarbeit mit praktischer Hilfe verbinden.
Es geht – wie der Name schon sagt – um Versöhnung. Politiker werden außen vor
gelassen, doch einflussreiche Ansprechpartner vor Ort sollen zusammengeführt
werden – nicht nur zum abstrakten Gespräch, sondern zur Schaffung konkreter
Konzepte. Die Organisation ist neutral, doch sie prangert Verbrechen an. Und
die seien zu einem überwiegenden Teil vonseiten des Regimes verübt worden.
Bokern
und den anderen Syrien-Freunden ist es gelungen, im Nordlibanon das erste in einer
Reihe von „Friedenszentren“ zu eröffnen, wo Flüchtlingen praktische (bzw. materielle)
Hilfe geboten wird, wo aber auch psycho-soziale Arbeit oder Erziehungsarbeit
(wie etwa Fremdsprachenkurse) geleistet werden. Unterstützt werden die Projekte
von Autoritäten innerhalb der Bevölkerung: Ortsansässige Scheichs im Libanon,
Stammesführer innerhalb der Vertriebenen, Imame und christliche Priester.
Friedrich
Bokern wirbt für seine Organisation. Und er macht deutlich, dass die meisten
Syrer von Europa enttäuscht sind. Die Frage, die fast jeder der 5 Millionen
Flüchtlinge in Syrien oder im benachbarten Ausland stellt, lautet: „Warum habt
Ihr uns vergessen?“
Europa
hält sich aus dem Konflikt weitgehend heraus. Europa hadert mit sich selbst und
zögert, Stellung zu beziehen. Währenddessen fühlen sich die Syrer verraten. Hat
Europa in Syrien irgendeine Verantwortung? Vielleicht nicht. Aber als die Syrer
aufstanden, um die von Europa gepredigten Werte der Freiheit und der
Selbstbestimmung zu erkämpfen, bekamen sie keinerlei Rückhalt aus dem Westen.
Dabei wollen viele Syrer nicht einmal Waffen. Sie brauchen humanitäre Hilfe,
sie wollen im Winter nicht frieren und verhungern. Wären Feldhospitäler zu viel
verlangt? Der Westen überlässt die Menschen sich selbst.
Im
Westen hat man Angst vor einem neuen Irak. Zudem sieht man mehr und mehr ein,
dass der Irakkrieg auf vollkommen falscher Beweislage geführt worden war. Die
Politik im Westen wird vorsichtiger. Dabei wäre eine militärische Intervention dieses
Mal sogar moralisch gerechtfertigt. Sicher, aus völkerrechtlicher Perspektive
wäre ein militärisches Eingreifen in Syrien vonseiten der USA (oder auch
Europas) illegal. Im Irak gab es keine Massenproteste, keine Hilferufe an den
Westen. In Syrien jedoch gibt es einen Despoten, der am helllichten Tag Stadtteile
von Aleppo bombardieren lässt, wegen dem Millionen Menschen auf der Flucht
sind. Der Bürgerkrieg hat schon 100.000 Menschen das Leben gekostet. Es gibt
keinen anderen Weg als den Fall des Regimes. Die Lage unterscheidet sich
grundlegend von der des Irak.
Doch
vielleicht kommt endlich Bewegung in die Sache. Beim gestrigen G8-Gipfel[2]
hat man sich geeinigt, den Druck auf Assad zu erhöhen. Es sieht aus wie ein
Fortschritt, doch Moskau beharrt immer noch darauf, dass Assad in die
Verhandlungen einbezogen wird.
Für
Friedrich Bokern von R&R ist
klar, dass der Syrien-Konflikt nicht so einfach zu lösen ist. In einer Zeit
nach Assad hält er sogar eine zeitweise Trennung des Landes für möglich, mit
einer von Blauhelmsoldaten geschützten Pufferzone. Die Gefahr von Racheakten
besteht, weitere Massaker könnten auch nach Assad noch folgen. Doch das
syrische Volk besteht auf der Einheit des Landes. Bokern selbst hat im
Bosnienkrieg in den Neunzigern Erfahrungen sammeln können, wie die schrittweise
Versöhnung nach der Katastrophe aussehen kann. Die ersten Grundsteine dazu legt
Relief & Reconciliation for Syria
schon heute. Der Name ist Programm: Aktive Arbeit zur Hilfe der Flüchtlinge und
zur Aussöhnung in der Zeit danach.
Bokerns
Appell an die Zuhörer: „Tun Sie was!“
Abonnieren
Posts (Atom)


