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Donnerstag, 2. April 2015

Kulinarischer Ausflug - Letzter Teil der Südostasien-Reihe (Teil 13)

Als Abschluss meiner Südostasien-Reihe möchte ich hier ein paar fotografische Eindrücke der örtlichen Küche teilen, die ich auf unserem Weg durch Thailand, Laos und Kambodscha eingefangen habe.

Reis

Das Grundnahrungsmittel der thailändischen Küche ist Reis. Angebaut werden zahlreiche Sorten, darunter sowohl die im Wasser auf Terrassen angebaute Art als auch Arten, die man ohne viel Wasser auf Feldern kultivieren kann.

Die simpelste Form einer Mahlzeit: Gemüsereis in Chiang Mai.

Auch in Laos wird hauptsächlich Reis gegessen, weit verbreitet ist vor allem Klebereis, den man mit den Fingern formt. In Luang Prabang (Laos) gibt es eine staatliche Behörde, die den Preis für Reis reguliert.


Reis wird auch oft in Bananenblätter gepackt, wie hier in Phnom Penh (Kambodscha).


Ob zu Fleisch oder Fisch, Reis ist immer mit dabei. Es gibt auch süße Speisen mit Reis und in Bangkok gibt es sogar einen Eis-Becher, in dem man Klebereis mit Mango bekommen kann. 

Suppen

An jeder Ecke bekommt man Nudelsuppen. Suppe ist eines der seltenen Gerichte, das man in Thailand und Laos mit Stäbchen (und Löffel) ist. Normalerweise wird die Gabel benutzt, nur chinesische Speisen ist man mit Stäbchen.
In jedem Ort schmeckt die Suppe anders, allerdings sind die Grundbestandteile meistens gleich: Nudeln, Zitronengras, Koriander und Fleisch.



Dazu gibt es immer ein Set von vier zusätzlichen Würzungen: Zucker, Fischsauce und zwei scharfe Gewürze (z.B. Chili). Es gibt alle möglichen Varianten, z.B. mit Curry.


In Luang Prabang gibt es ein berühmtes Or Lam, eine Wasserbüffelsuppe. Ich bekam allerdings die Variante mit Meeresfrüchten, Erbsen und einer ganzen Menge Chili.


Nudeln

Nudeln sind sehr verbreitet, vor allem Pad Thai gibt es in Thailand überall. Man kann jedoch auch Varianten wählen, z.B. mit klebrigen, dicken Nudeln.


An vielen Orten begegnet einem auch die Variation mit Spinat, wie hier in Kambodscha.


Fisch

In Laos ist Fisch aus dem Mekong neben Klebereis das Grundnahrungsmittel, auch in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh und an den Küsten bekommt man frisch gefangenen Fisch auf den Teller.

Mekong-Fisch schmeckt sehr schlammig...
Eine Spezialität in Kambodscha ist Amok, ein Fischgericht mit Kokosnuss-Curry. Traditionell wird es in Blättern des Noni-Baums serviert, in meinem Fall auf einem Markt von Phnom Penh lediglich mit Salat und mit vielen Gräten…


Auf Koh Chang kann man Wels essen – mit Nudeln und Gemüse.


Meeresfrüchte

Überall gibt es Gerichte mit Meeresfrüchten, hauptsächlich Garnelen und Tintenfisch. Gebratene Tintenfische bekommt man oft direkt vom Grill, man kann sie jedoch auch getrocknet und in gewalzter Form knusprig und mit einem Dip serviert am Straßenrand kaufen.


Fleisch

Fleisch gibt es überall in allen Formen. Am häufigsten sieht man Geflügel, frisch vom Grill.


Begehrt sind die Fleischspieße, die man in einer süßen Marinade gebraten an der Straße bekommt. 


In Laos isst man Fleisch (in diesem Fall Ente) mit viel Grünzeug, einer Sauce und kalten Reisnudeln.


Ziemlich merkwürdig ist das getrocknete Schweinefleisch, das man im Supermarkt abgepackt bekommen kann. Es erinnert in der Konsistenz ein wenig an Zuckerwatte, zerfließt aber nicht im Mund.


Obst

Natürlich gibt es auch viel frisches und reifes Obst. Mangos und kleine Bananen, aber auch exotische Früchte wie z.B. die stachlige Durian-Frucht hinten links im Bild, die es v.a. in Thailand und Malaysia gibt.


Im Supermarkt von Siem Reap gibt es Tamarinden, die in vielen südostasiatischen Küchen Verwendung finden.


Bier

Natürlich bekommt man in allen drei Ländern auch Bier: In Thailand ist Singha die traditionelle Marke, die jedoch in den letzten Jahren von Chang und Leo herausgefordert wird. In Laos trinkt man das Getränk der staatlichen Marke Beerlao, das in Vientiane gebraut wird. In Kambodscha ist Angkor sehr beliebt, daneben gibt es von der gleichnamigen Brauerei auch das ähnlich klingende Anchor („Anker“).


Ich hoffe, Ihr habt meine Südostasien-Reihe genossen und ich konnte Euch ein paar bildliche Eindrücke liefern. Für Kritik und Anmerkungen bin ich immer offen, also meldet Euch. Ansonsten wünsche ich Euch – in diesem Beitrag – einen guten Appetit und vielleicht habt Ihr ja Hunger aufs Reisen bekommen… 

Montag, 30. März 2015

Koh Chang (Teil 12)

Die letzte Station vor unserem kurzen Aufenthalt in Bangkok war Koh Chang, eine Insel am östlichen Küstenabschnitt Thailands. Per Bus ist sie über mehrere Stationen sogar direkt von Phnom Penh aus erreichbar, wo wir uns am frühen Morgen vom Hostel aufgemacht hatten. Unsere rostige Fähre trug uns pünktlich zum Sonnenuntergang über den wellenlosen Golf von Thailand hinüber auf die bergige, grüne Insel und wir kamen kurz nach Einbruch der Nacht an.


Die letzten fünf Tage auf Koh Chang waren der puren Erholung gewidmet. Keine Bus- oder Bahnfahrten mehr, keine Tempel und Ruinen, kein Stress. Nur Strand und ein wenig Ruhe – zumindest war so der Plan. Wer sich jedoch in einem nichtklimatisierten, von Stechmücken regelmäßig frequentierten Zimmer gleich neben der lautesten Bar von Lonely Beach einquartiert, sollte auch das passende Durchhaltevermögen mitbringen. Denn an Schlafen denken hier die wenigsten. Der Name Lonely Beach könnte ironischer nicht sein, denn hier trifft man so gut wie jeden Typ von Thailand-Touristen: Vereinzelt ältere kanadische Ehepaare, häufiger schon britische Egotrinker oder in den Achtzigern hängengebliebene Deutsche mit Vokuhila, und natürlich Gruppen minderjährig anmutender Skandinavierinnen. Und alles drängt sich nachts in Lonely Beach zusammen. Nur zwei Querstraßen beherbergen das gesamte Nachleben des südlichen Inselabschnitts von Koh Chang, eine Fülle von Tattoo-Studios und zahlreiche Unterkünfte, die immer teurer werden je weiter man in die Nähe des Strandes rückt.


Strand ist aber zu viel gesagt, denn die meisten „Strände“, die auf meiner im Supermarkt (7-Eleven) erstandenen Inselkarte eingezeichnet waren, entpuppten sich als mehr oder weniger felsige Uferabschnitte, von denen man einen guten Blick aufs Wasser hat – mehr aber auch nicht. Auch manche Straßen, die noch auf der Karte verzeichnet waren, existieren schon lange nicht mehr, aber dazu später…
Auf Koh Chang mietet man wie auf den meisten thailändischen Inseln einen Scooter, um von A nach B zu kommen. Mit vollem Tank und einem Helm von Honda düsten wir am ersten Tag die Küstenstraße hoch und runter auf der Suche nach einer etwas spießigeren Herberge, obwohl Lonely Beach bei Tag betrachtet tatsächlich ruhiger ist. Unser Backpacker-Hostel, das sich bei Tageslicht als eigentlich sehr stilvoll entpuppt hatte, war dennoch zu stickig und zu laut. Egal wie sich das anhört, nach dreieinhalb Wochen und dreizehn unterschiedlichen Unterkünften war die Zeit für einen Bungalow gekommen. Nicht weit von Lonely Beach fanden wir eine kleine Anlage, die von einem Franzosen betrieben wurde. Er verbringt nur einen Monat im Jahr in Frankreich und lebt ansonsten auf Koh Chang. Wie es das Schicksal wollte, hatten wir zu einem anständigen Preis sogar einen Pool direkt vor der Bungalow-Tür. Merksatz für Budget-Reisende: Von der Straße aus zum Wasser hin wird es teurer, in Richtung Hang ist es auch für Studenten/-innen erschwinglich.


Fragt mich nicht wieso, aber irgendwie verging der erste volle Tag, ohne dass irgendwer seine Füße ins (vermeintlich kühle) Nass des Ozeans hätte halten wollen. Auch der Pool blieb ungenutzt, doch wir verlängerten unsere in Lonely Beach gemieteten Mopeds um einen Tag und genehmigten uns im gegenüber von der Rollervermietung liegenden Restaurant ein gehörig scharfes Tom Yam. Auf Anfrage erhielten wir die Suppe in voller Thai-Schärfe und waren dermaßen am Heulen und Schnäuzen, dass es fast schon komisch war. Aber wir haben überlebt.
                                     

Auf Koh Chang gibt es im Süden ein Pier mit einigen Shoppingmöglichkeiten, man kann im Schatten kleiner Pavillons auf dem Steg eine Mittagsrast einlegen und fast überall gibt es was zu essen. Den ganzen Tag fahren offene Taxis die Inselstraße ab und man kann jede Stunde zur gewünschten Destination aufbrechen. Am geschicktesten sind aber die Scooter, die man an kleinen Ständen am Straßenrand auftanken lassen kann. Die Flasche Sprit kostet 40 Baht (1,10 €).


Am zweiten Tag waren wir wieder zu viert vereint und wollten wir zu einem Strand fahren, der uns von zwei Mitreisenden auf der Fähre empfohlen worden war. Auf der Karte sah alles recht unkompliziert aus und allzu weit war es scheinbar auch nicht. Spannender wurde es erst, als wir vor einer Brücke standen, die nicht mehr vorhanden war. Die Straße war auf unserem Weg immer verwachsener geworden und schließlich lag uns direkt vor dem unterspülten Übergang ein Baumstamm im Weg. Da es im Grunde nur eine Straße gibt, die wie ein geschlossener Ring um die elefantenförmige Insel führt, gab es hier kein Durchkommen. Der als einzigartig beschriebe Strand musste warten und wir legten uns anderswo ans Meer. Doch am nächsten Tag wollten wir es obenrum probieren, einmal um die ganze Insel.


Wir verlängerten die Mopeds um einen dritten Tag und brachen früh auf nach Long Beach, wo es ruhig und malerisch sein soll. Erst nach Norden, dann an der Ostküste von Koh Chang so lange nach Süden bis es nicht mehr weitergeht. Die Straßen sind wenig befahren und es macht richtig Spaß, sich zwischen Palmen und Dschungel im Fahrtwind einen leichten Sonnenbrand zu holen. Wir verfuhren uns ein bisschen, dann wurde die Straße wieder exotischer und schließlich forderte eine Schotterpiste die Mopeds heraus, für die wir unsere Pässe hatten hinterlegen müssen. No risk, no fun. Alles blieb heil.


Koh Chang hat nicht dieselben ewig weiten Strände oder dasselbe türkisblaue Wasser zu bieten wie die Inseln im Süden Thailands, aber dieser Strand war die Mühe auf jeden Fall wert. Und am Ende hatten wir ganze eineinhalb Stunden, um Long Beach zu genießen und dennoch pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zu sein.


Die letzten Tage unserer Reise waren eigentlich recht unproblematisch. Wir planten aber noch für zwei Tage erneut in das Chaos von Bangkok einzutauchen. Das Wunderbare an Thailand ist aber, dass man alles so arrangieren kann, um am Morgen direkt vor der Tür des Bungalow-Resorts in einen Minivan zu steigen und dann direkt über die Fähre bis nach Bangkok gefahren zu werden. Auf diesem Wege ließen wir das Dschungelparadies hinter uns und traten den letzten Weg in Richtung Deutschland an.


Montag, 23. März 2015

Nachtzug & Co. - Über Thailand nach Kambodscha (Teil 7)

Am Nachmittag brachte uns ein Sammeltaxi zum Grenzbahnhof bei Vientiane. Von dort bringt eine kurze Zugstrecke die Reisenden über die Erste Thailändisch-Laotische Freundschaftsbrücke, welche seit 1994 die in der Geschichte oftmals verfeindeten Staaten verbindet. Da ein Grenzübertritt aber bekanntlich keine erholsame Angelegenheit sein soll, sondern ein bürokratischer Akt und ein langer Weg, der uns Reisenden vor Augen führt, dass wir noch am Leben sind, brachte uns das Sammeltaxi erstmal quer durch Vientiane, wo irgendwo die Hälfte der Passagiere in einen Bus nach Hanoi (Vietnam) umstieg. Unser Fahrer gönnte sich in aller Seelenruhe noch einen Maiskolben, während wir anderen in der Sonne zu warten hatten. Und auch die willkürlich eingeforderten 10 Dollar, die als Ausreisegebühr erhoben werden und von denen wir vor Ort zum ersten Mal etwas hörten, sind Teil des Erlebnisses. Plötzlich fühlt man sich heimisch auf der anderen Seite, wo pünktlich um achtzehn Uhr bei unserer Ankunft die thailändische Nationalhymne gespielt wird. Irgendwann sitzen alle im Zug.

Und nein, die Körbe sind nicht die Betten. Die sind tatsächlich fürs Gepäck... 

Die aufgeweckte Zugbegleiterin ist von uns großen Menschen sichtlich beeindruckt und macht ihre Späße, was sie jedoch nicht davor zurückschreckt, uns irgendwann von unseren Sitzen zu scheuchen und hastig die Betten auszuklappen. In der Nacht schläft sie am einen Ende des Wagens und wir sollten doch bitte die Toilette am anderen Ende benutzen, da wir sonst im Gang über ihre Beine stolpern würden. Die Betten über unseren Köpfen klappt sie auf unseren Sitzen umher kletternd ganz alleine auf, doch zum Kontrollieren der Tickets rücken gleich vier Mann der Zugbesatzung an. Einer diktiert die Nummer des Reisepasses, der zweite checkt die Liste und die anderen patrouillieren den Gang rauf und runter. Als die Nacht beginnt verkriecht sich jeder in seiner viel zu schmalen Koje. Das leichte monotone Geruckel ist dem Einschlafen durchaus förderlich, doch gegen drei Uhr nachts habe ich das Gefühl, dass mir der Zug nach dem Leben trachtet und mich mit aller Gewalt aus dem Bett schmeißen will. Es muss schlimm gewesen sein, denn ich benutzte zum ersten Mal in meinem Leben die Diktiergerät-Funktion meines Handys und hielt meine Gedanken fest: Eine Stimme, die wohl meine sein muss, sich aber ganz anders (und ziemlich verschlafen) anhört, verwendet Worte wie „Höllenritt“ und „Requiem für Eisenbahnliebhaber“. Ich hatte schon immer einen Sinn fürs Melodramatische, vor allem wenn das Schicksal mir meinen Schlaf stehlen will. – Gegen fünf werden wir dann formell geweckt, die Zugbegleiterin geht wieder durch den Gang und rüttelt an den Betten. „Get up, get up!“ – Wir sind zwar noch nicht in Bangkok, aber wir wollen ja schließlich mit gemachten Betten ankommen und müssen deshalb unverzüglich wieder in der Vertikale platznehmen, bevor wir im Hauptbahnhof einlaufen. Nach einer zweistündigen Pause, einer ordentlichen Nudelsuppe und dem Acht-Uhr-Appell zur Hymne brachen wir auf nach Kambodscha. Die Agentur, die uns am Bahnhof das Ticket verkauft hatte, erschien durchaus vertrauenserweckend, doch wir bezahlten dreimal so viel wie die meisten anderen an Bord des klimatisierten Reisebusses.
Das Erlebnis des Grenzübergehens ging weiter, schon 20 Kilometer vor der kambodschanischen Grenze. In einer privaten Raststätte der Agentur ließen wir die extrem falsch grinsenden Angestellten, die alle miteinander verwandt zu sein schienen, unsere Visa in den Pass klebten. Zwischen ein paar billigen Witzen verkaufte man uns auch noch ein Guesthouse-Zimmer in Siem Reap, was uns trotz aller vernünftigen Einwände recht unkompliziert vorkam. Zumindest sollten wir bei unserer Ankunft versorgt sein. Das Zimmer war schließlich auch ganz gemütlich, aber da man bekanntlich auch B sagen muss, sollte man schon A gemurmelt haben, kamen wir über das Guesthouse auch an einen viel zu teuren Tuk-Tuk-Fahrer für unsere Erkundungen in Angkor Wat. Es lässt sich zumindest festhalten, dass wir während des ganzen Urlaubs nie so viel Geld ausgegeben hatten wie in diesen 24 Stunden. Dazu trug natürlich auch der eigentliche Grenzübertritt bei: Es wurde uns empfohlen Geld zu wechseln, da Kambodscha sehr rückständig sei. Letzte Bank für die nächsten 7 Tage, quasi – was natürlich Unfug war. Der langen Rede kurzer Sinn: Knapp zwanzig Euro verloren beim mehrfachen Umtausch, Schuld waren der Wechselkurs und vor allem unsere Übermüdung. Ach ja, und wer die einstündige Schlange an der Grenzkontrolle umgehen wollte, konnte für nur 200 Baht (sechs Euro) ganz einfach an der Masse der Anstehenden vorbeigehen. Auf der anderen Seite wartete dann ein Bus, der uns zu einem Busbahnhof fuhr, wo wir in einen anderen Bus umsteigen mussten. Als dieser voll war und losfahren wollte, kam noch ein Amerikaner mit Gitarre dazu, der nicht eine Stunde auf den nächsten Bus warten wollte. Er setzte sich nach vorne zum Fahrer, hielt als das Gefährt anrollte eine kurze Rede und hieß uns und sich selbst in Kambodscha willkommen. Alle amüsierten sich prächtig und man merkte, dass die meisten Mitreisenden wirklich froh waren, endlich wieder in einem Bus zu sitzen, der tatsächlich in Richtung Ziel fuhr.


Samstag, 21. März 2015

Die Tempelanlage (Wat) in Südostasien (Teil 5)

Das Wat in Thailand, Laos und Kambodscha bildet den Mittelpunkt des buddhistischen Lebens jedes Dorfes. In größeren Städten findet man meist mehrere dieser Tempelanlagen, in Bangkok sind es über 400 und auch in Chiang Mai gibt es ganze zweihundert von ihnen. Neben seiner Rolle als Ort des Gebets und Quartier für die Mönche hat jedes Wat auch eine wichtige soziale Funktion: Hier kommen Menschen zusammen, um sowohl religiöse wie auch nicht unbedingt religiös behaftete Feste zu feiern. Innerhalb der Mauern der Anlage kann es sogar Kinovorstellungen und Musikkonzerte geben. In Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, konnte ich einen sehr gut besuchten Vortrag verfolgen – leider konnte ich nicht feststellen, um welche Art von Vortrag es sich gehandelt hat, weil ich kein Wort verstanden habe. Es war jedenfalls keine Predigt. In manchen Wat hat es schon Rockkonzerte gegeben, häufiger als das auch Feuerwerke. Besonders bekannt sind natürlich die Klosteranlagen der thailändischen Städte Ayutthaya und Sukhothai, wo die Verbindung zwischen Monarchie und Religion anhand der geografischen Nähe von Königspalast und Tempel immer wieder deutlich wird. Etwas untypischer ist die weltbekannte und weltgrößte Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha: Die Anlage war ursprünglich dem Gott Vishnu geweiht und sein Grundriss folgt auch in seiner Form einer symbolhaften Darstellung des hinduistischen Kosmos. Ich werde deshalb in diesem Beitrag vor allem auf Wat in Laos und Thailand eingehen.

Im Folgenden möchte ich die einzelnen Gebäude eines Wat kurz vorstellen. Zwar gibt es in Thailand, Laos und Kambodscha durchaus Unterschiede bei den Tempelanlagen, doch der Grundbauplan ist immer sehr ähnlich. Der Chedi, der einer Stupa in anderen buddhistischen Ländern entspricht, bildet eines der zentralen Elemente eines Wat. Unter dem glockenartigen, häufig mit Blattgold überzogenen Bau verbirgt sich oft eine Buddha-Reliquie. Es wird angenommen, dass viele Chedis selbst Nachbauten eines anderen Chedi sind, der wohl ehemals eine Reliquie enthalten haben mag, da es unmöglich so viele Reliquien des Buddha geben kann wie es Chedis gibt. Besonders große Chedis findet man zuhauf in den Ruinen von Ayutthaya. Die wenigsten Chedis sind jedoch so prachtvoll wie der des Wat Phra Kaeo im Königspalast von Bangkok.

Wat Phra Kaeo (Bangkok)

Das heiligste Gebäude in einem Wat ist der Usobot (kurz auch Bot), die Gebetshalle. Sie muss nach alten Überlieferungen mindestens 21 Mönchen Platz bieten und ist nicht zwangsläufig das größte Gebäude eines Wat. Hier befindet sich jedoch die zentrale Buddha-Statue, die (im Optimalfall) nach Osten schaut. Bei seiner Erleuchtung soll der Buddha nämlich ostwärts geblickt haben, die Bautradition knüpfte an diese Überlieferung an.

Gebetshalle im Wat Ounalom (Phnom Penh)

Religiöse Zeremonien können durch die Mönche nur innerhalb eines Areals abgehalten werden, das durch acht Markierungssteine begrenzt wird. Diese Steine sind rund um ein Bot deutlich zu sehen. Die Außenmauern sind mit Motiven aus dem Leben des Buddha bemalt. Manchmal stößt man auch auf blau bemalte Charaktere, die an indisch-hinduistische Ikonografie erinnern. Die Verzierung ist also recht vielfältig und auch unterschiedlich beeinflusst. In Laos hatte man sich bei der Restaurierung eines Wat in Luang Prabang wohl dafür entschieden, eher moderne Szenen bei der Bemalung zu verwenden.

Wat Tat Luang in Luang Prabang (Laos)

Ein weiteres großes Gebäude im Tempelkomplex ist der Wihan, ein sporadisch eingerichteter Versammlungsraum der Mönche. Hier werden die Meditationen abgehalten, der Wihan kann aber auch normalen Gläubigen als Ort des Gebets dienen. Es gibt einen Glockenturm, aus dem die Mönche zum Gebet gerufen oder morgens aus dem Schlaf geweckt werden. Jedes Wat hat – meist in der Nähe des Haupteingangs – auch ein Häuschen für die Trommel. Die riesige Trommel in diesem Pavillon erklingt an besonderen Feiertagen, so etwa an Tagen des Bootsrennens.

Trommel auf dem heiligen Berg Phousi in Luang Prabang (Laos)

Für die Drachenrennen, die zum laotischen Neujahrsfest abgehalten werden, gibt es meist ein eigenes Drachenrennboot in jedem Wat. Auch dieses Boot hat seinen Platz, in einem Bootshaus am Rande des Tempelareals.

Wat Xieng Thong in Luang Prabang (Laos)

Boote haben vor allem in den Städten entlang des Mekong einen wichtigen Platz in der Architektur der örtlichen Wat, wie man auf dem nächsten Bild sehen kann. Betende können ihre Kerzen in diesen bootsförmigen, mit Sand gefüllten Kasten zu Füßen des Chedi stecken. Räucherstäbchen und auch Kerzen aus Wachs sind wichtiger Bestandteil des Gebets. Sie verbinden das jahrtausendealtes Ritual des Gebets mit Meditation und ritueller Reinigung.

Tat Luang in Luang Prabang

Weitere unfehlbare Gebäude sind die Bibliothek (Hor Trai), in der die heiligen Schriftrollen (Tipitaka) aufbewahrt werden, und ein offener Pavillon (Sala), der den Mönchen zum schattigen Verweilen dient. Manchmal gibt es noch weitere Schreine und Pavillone mit Buddha-Statuen und heiligen Artefakten.

Goldene Statuen im Wat Sisavan Tevalok bei Luang Prabang

Einige Wat haben auch ein eigenes Krematorium, wohin Angehörigen eines Verstorbenen den Leichnam in einer fröhlichen Prozession überführen. Anders als in westlichen Auffassungen hat man im Buddhismus eine andere, sehr viel positivere Einstellung gegenüber dem Tod.
In Laos wie auch in Thailand finden sich so gut wie keine Friedhöfe. Nach buddhistischer Tradition werden die Toten verbrannt, die Asche wird danach beerdigt. Es bleibt normalerweise nicht viel übrig von einem verstorbenen Menschen, doch in vielen Wat befinden sich an der Mauer, von der die Tempelanlage umschlossen wird, kleine oder große Grabstelen und Obelisken, in denen Urnen bestattet werden. Im Wat Si Saket in Vientiane, der Hauptstadt von Laos, stehen sogar sehr viele dieser Gräber, von denen die meisten größer sind als im Rest des Landes.

Wat Si Saket in Vientiane (Laos)

Von den heiligen Bezirken getrennt, aber meist in nächster Nähe zu den religiösen Gebäuden eines Wat stehen die Wohnquartiere (Kuti) der Mönche. Hier sieht man nach der Wäsche aufgehängt Kutten, zum Trocknen ausgelegten Reis oder auch das Auto des Klostervorstehers.

Wat Sisavan Tevalok bei Luang Prabang

Die Mönche und jungen Novizen, die im Wat ordiniert wurden, leben auf dem Gebiet der Tempelanlage in Häusern, Hütten und Zellen, die je nach Größe des Wat mal mehr, mal weniger luxuriös oder ärmlich eingerichtet sind. Wikipedia klärt uns darüber auf, dass in Thailand etwa ein Drittel der männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 18/20 Jahren für ein bis sechs Jahre als Novizen im Tempel lebt und von dort aus auf besondere Mönchsschulen geht. Für die Familie ist es ehrenwert, wenn ein Angehöriger ins Mönchtum eintritt, denn Mönchen, Novizen und Nonnen wird in der Gesellschaft viel Respekt entgegengebracht. In ärmeren Ländern wie Laos gibt das Mönchtum außerdem eine gewisse Sicherheit für viele Familien, da am Tisch ein Magen weniger zu füllen ist und der junge Novize gleichzeitig eine gute Bildung bekommt. Religiöse Gelehrsamkeit oder eine Ausbildung in Meditation sind hoch angesehen. Buddhistische Mönche zeichnen sich durch ihre safranfarbene Kleidung aus und durch die Armut, in der sie leben. Zum Tagesablauf eines Buddhisten oder einer Buddhistin gehört auch die Gabe von Almosen, wenn die Mönche im Morgengrauen nur mit ihrem Gewand und einer Almosenschüssel ausgestattet das Kloster verlassen und Spenden in Form von Reis einsammeln. Das Geben von Almosen verbessert nach buddhistischer Vorstellung das Karma und erhält gleichzeitig das Mönchtum am Leben. Mittels finanzieller Spenden wird jedes Wat durch reiche Mäzenen wie arme Gläubige gleichermaßen getragen.


Wat in Ayutthaya
In den Tempeln können Gläubige Opfergaben kaufen – meist Räucherkerzen oder Lebensmittelpakete – und dann bei einem Gebet vor einer der Buddha-Statuen abstellen. Was genau in den Päckchen drin ist, die auf dem obigen Bild zu sehen sind, weiß ich nicht. Es könnte sich vielleicht um Textilien handeln. Anderswo kann man auch diesen lustigen Zeitgenossen begegnen:

Freitag, 20. März 2015

Chiang Mai - Trekking und Elefanten (Teil 3)

Chiang Mai gilt als einer der optimalen Ausgangspunkte für Trekkingtouren und Ausflüge ins Umland. Die wichtigste Stadt im Norden Thailands hat 135.000 Einwohner und beherbergt 200 buddhistische Tempel, von denen einige sehr sehenswert sind. Das besondere an Chiang Mia ist, dass die Stadt ein viereckiger Wassergraben umgibt, an dessen Ecken noch Teile der antiken Stadtmauer erhalten sind.


Es gibt natürlich einiges in der Stadt selbst zu sehen. Neben den vielen Wats lockt auch der Nachtbasar viele Besucher an und dank eines internationalen Postamts kann man endlich ein paar Postkarten loswerden. (Und es hat sich bestätigt, dass die Karten aus Chiang Mai noch vor jenen aus den ersten Tagen in Bangkok ihr Ziel erreicht haben.) Wir wollten allerdings zu einer der so hoch angepriesenen Touren in die Umgebung starten, weshalb wir bei einem der vielen Travel Agents ein Komplettpaket aus Wandern, Wildwasser-Rafting und Elefantenreiten gebucht haben. Zu den Elefanten, die touristisch ausgebeutet werden und oft ein ziemlich miserables Leben haben, gibt es verschiedene Meinungen, doch wir wollten uns die Sache ohnehin mal vor Ort anschauen. Am nächsten Tag ging es los, mit einem der roten Sammeltaxis und einem sehr kommunikativen taiwanesischen Pärchen an Bord. Ansonsten waren alle Mitreisenden deutsch oder österreichisch. Wie an so vielen Orten in Thailand, übrigens. Man wird sie nicht los, die Deutschen oder Österreicher. 

Erster Stopp: Eine Orchideen-Farm. Zugegeben, hier holte uns so gut wie keine Erkenntnis ein und es war lediglich erstaunlich, dass die Blumen mit den Wurzeln in der Luft hingen, was wohl bewässerungstechnische Gründe hatte.


Aber es gab auch Schmetterlinge. Die armen Dinger wurden quasi nonstop abgelichtet, nacheinander von dreißig Chinesen und schließlich auch von mir.


Weiter ging es über Stock und Stein und rötliche Staubpisten zum Elefantenreiten. Das Thema Elefanten und Tourismus ist ein sehr kontroverses. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Tiere in Thailand stark zurückgegangen: Um 1950 lebten hier noch rund 50.000 Elefanten, heute sind es kaum mehr 3.500 Tiere. Wild lebende Elefanten gibt es kaum noch, im Norden sollen es etwa 300 sein. Die kontinuierliche Rodung der Wälder führte zu diesem drastischen Rückgang, die Zerstörung des Urwalds beraubte die Tiere ihres Lebensraumes. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren noch 70 Prozent Thailands mit Wäldern bedeckt, heute sind es nur noch zwanzig. Erst 1989 wurde die Abholzung gestoppt, die Arbeitselefanten wurden dadurch aber arbeitslos. Seitdem sind Elefantentouren beliebt geworden, sodass die Mahuts (Führer und oft auch Eigentümer eines Elefanten) ihre Tiere fortan für touristische Zwecke einsetzten. Ohne Zweifel gibt es in diesem Zweig des Natur-Tourismus viel Tierquälerei. Die barfüßigen Guides sitzen mit ihren Bambusgerten (Stangen mit einem spitzen Haken dran) auf dem Kopf des Elefanten und treiben ihn mit der täglichen Routine fünfzehn Minuten einen Pfad entlang, dabei bohrt sich das Metall ab und zu in die Seite des armen Tieres. Trotzdem war der Ort, an dem wir abgeladen wurden, nicht so schockierend wie andere Orte, wenn man den Berichten aus dem Internet glaubt. Und einige meinen, dass die Elefanten im Tourismus immer noch besser dran wären als jene , die man vor dem Waldschutzgesetz von 1989 als Arbeitselefanten in der Holzindustrie benutzt hat. Neben einigen Orten des Schreckens, von denen oft berichtet wird,  gibt es durchaus auch Elefantenfarmen, wo die Tiere nicht gequält werden und wo sie in guten Händen sind. Das staatlich geführte Thai Elephant Conservation Centre (TECC) in Lampang bildet Elefantenführer aus, bietet Trekkingtouren an, beherbergt ein Elefanten-Krankenhaus und engagiert sich sehr beim Schutz der Dickhäuter.


Zwischen Gut und Böse dürfte sich unsere kleine Elefantenfarm irgendwo in einer Grauzone befunden haben. Neben einer Hütte gab es einen kleinen Schrein, in dem eine Ganesha-Figur saß, ein hinduistischer Gott, der meist mit Elefantenkopf abgebildet wird. Respekt hat man vor dem Tier also auf jeden Fall. Wir durften die Elefanten auch mit kleinen Bananen und Tamarindenschoten füttern. Es gab sogar ein Elefantenbaby, das jedoch mit seinem Gewicht einen Kleinwagen hätte zerquetschen können und das frei über die Anlage spazierte.


Nach unserem kurzen Besuch bei den Elefanten fuhr man uns zur nächsten Station: Wandern durch den Dschungel. Falls ich es vorher vergaß zu erwähnen: Es war wie immer heiß und schwül und eigentlich will sich bei dem Wetter niemand wirklich bewegen - außer man will etwas zu sehen bekommen, dann ist Bewegung meist unvermeidlich. Deshalb stiegen wir auf einem engen Pfad den bewaldeten Berg hinauf.


Oben erwartete uns ein Wasserfall mit eiskaltem Wasser, was ein Segen für alle Beteiligten war. Man hatte zwar für einige Sekunden das Gefühl, schockgefroren zu werden, aber diese Dschungeldusche war das einzige ultimative Refreshment seit langem.


Danach ging es wieder hinunter, zu einem im Preis inbegriffenen Mittagessen: Standardmäßig hatte man Reis mit Gemüse vorbereitet. Essbar, aber nichts besonderes. Man kann aber nicht klagen. Jetzt waren wir alle gestärkt und bereit zum Wildwasser-Rafting. Hört sich super an, aber alles in allem kann gesagt werden, dass wir mit den Schlauchbooten die meiste Zeit auf irgendwelchen Felsen festsaßen, und so richtig nass wurde auch niemand. Erst als wir zum „Bamboo Rafting“ auf Bambusflöße umsteigen sollten, die eigentlich für zwei Personen gebaut waren, stand uns das Wasser bis zum Hals. Wir saßen bis zur Brust im Wasser, während sich der Guide anstrengte, das Floß über den steinigen Grund des Flusses zu schieben. Man hätte genauso gut zu Fuß gehen können. Oder schwimmen. Ganz egal. 
Diese Details sind vielleicht auch nur wichtig für diejenigen, die auch mal in Chiang Mai eine Tour buchen möchten und nicht erst die tausend Bewertungen bei TripAdvisor vergleichen wollen.


Letzter Höhepunkt war der Besuch in einem Dorf der Akha, wo angeblich einheimische Frauen in traditionellen Kleidern kitschige Souvenirs verkauften. Die gleichen Frauen laufen auch ganz verloren in ihrer Tracht auf Bangkoks Khaosan Road auf und ab und verkaufen Tonfrösche, die das Geräusch von Fröschen von sich geben, wenn man den geriffelten Rücken mit einem Holzklöppel reibt. Diese Menschen in diesem Dorf aber, die in Wirklichkeit zum großen Teil aus China eingewandert waren und hier von Zeit zu Zeit als thailändische Bergstämme wie Tiere im Zoo präsentiert werden, konnten einem ziemlich leidtun. Aber andererseits sind sie wahrscheinlich auch auf den Tourismus angewiesen, weshalb ich dann doch eine kleine Tabakspfeife für meine Sammlung gekauft habe.


Chiang Mai ist eine recht interessante Stadt, wenn man nicht allzu lange vor hat zu bleiben, und die Umgebung bietet einiges an Möglichkeiten für einen Aktivurlaub. Naturliebhaber sollten diesen Ort auf jeden Fall in ihre Reiseplanung mit aufnehmen, vielleicht auch als Zwischenstation auf dem Weg nach Norden oder nach Laos. Wir haben uns jedenfalls von Chiang Mai aus in das östliche Nachbarland aufgemacht und als nächstes Ziel Luang Prabang angepeilt.