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Montag, 23. März 2015

Nachtzug & Co. - Über Thailand nach Kambodscha (Teil 7)

Am Nachmittag brachte uns ein Sammeltaxi zum Grenzbahnhof bei Vientiane. Von dort bringt eine kurze Zugstrecke die Reisenden über die Erste Thailändisch-Laotische Freundschaftsbrücke, welche seit 1994 die in der Geschichte oftmals verfeindeten Staaten verbindet. Da ein Grenzübertritt aber bekanntlich keine erholsame Angelegenheit sein soll, sondern ein bürokratischer Akt und ein langer Weg, der uns Reisenden vor Augen führt, dass wir noch am Leben sind, brachte uns das Sammeltaxi erstmal quer durch Vientiane, wo irgendwo die Hälfte der Passagiere in einen Bus nach Hanoi (Vietnam) umstieg. Unser Fahrer gönnte sich in aller Seelenruhe noch einen Maiskolben, während wir anderen in der Sonne zu warten hatten. Und auch die willkürlich eingeforderten 10 Dollar, die als Ausreisegebühr erhoben werden und von denen wir vor Ort zum ersten Mal etwas hörten, sind Teil des Erlebnisses. Plötzlich fühlt man sich heimisch auf der anderen Seite, wo pünktlich um achtzehn Uhr bei unserer Ankunft die thailändische Nationalhymne gespielt wird. Irgendwann sitzen alle im Zug.

Und nein, die Körbe sind nicht die Betten. Die sind tatsächlich fürs Gepäck... 

Die aufgeweckte Zugbegleiterin ist von uns großen Menschen sichtlich beeindruckt und macht ihre Späße, was sie jedoch nicht davor zurückschreckt, uns irgendwann von unseren Sitzen zu scheuchen und hastig die Betten auszuklappen. In der Nacht schläft sie am einen Ende des Wagens und wir sollten doch bitte die Toilette am anderen Ende benutzen, da wir sonst im Gang über ihre Beine stolpern würden. Die Betten über unseren Köpfen klappt sie auf unseren Sitzen umher kletternd ganz alleine auf, doch zum Kontrollieren der Tickets rücken gleich vier Mann der Zugbesatzung an. Einer diktiert die Nummer des Reisepasses, der zweite checkt die Liste und die anderen patrouillieren den Gang rauf und runter. Als die Nacht beginnt verkriecht sich jeder in seiner viel zu schmalen Koje. Das leichte monotone Geruckel ist dem Einschlafen durchaus förderlich, doch gegen drei Uhr nachts habe ich das Gefühl, dass mir der Zug nach dem Leben trachtet und mich mit aller Gewalt aus dem Bett schmeißen will. Es muss schlimm gewesen sein, denn ich benutzte zum ersten Mal in meinem Leben die Diktiergerät-Funktion meines Handys und hielt meine Gedanken fest: Eine Stimme, die wohl meine sein muss, sich aber ganz anders (und ziemlich verschlafen) anhört, verwendet Worte wie „Höllenritt“ und „Requiem für Eisenbahnliebhaber“. Ich hatte schon immer einen Sinn fürs Melodramatische, vor allem wenn das Schicksal mir meinen Schlaf stehlen will. – Gegen fünf werden wir dann formell geweckt, die Zugbegleiterin geht wieder durch den Gang und rüttelt an den Betten. „Get up, get up!“ – Wir sind zwar noch nicht in Bangkok, aber wir wollen ja schließlich mit gemachten Betten ankommen und müssen deshalb unverzüglich wieder in der Vertikale platznehmen, bevor wir im Hauptbahnhof einlaufen. Nach einer zweistündigen Pause, einer ordentlichen Nudelsuppe und dem Acht-Uhr-Appell zur Hymne brachen wir auf nach Kambodscha. Die Agentur, die uns am Bahnhof das Ticket verkauft hatte, erschien durchaus vertrauenserweckend, doch wir bezahlten dreimal so viel wie die meisten anderen an Bord des klimatisierten Reisebusses.
Das Erlebnis des Grenzübergehens ging weiter, schon 20 Kilometer vor der kambodschanischen Grenze. In einer privaten Raststätte der Agentur ließen wir die extrem falsch grinsenden Angestellten, die alle miteinander verwandt zu sein schienen, unsere Visa in den Pass klebten. Zwischen ein paar billigen Witzen verkaufte man uns auch noch ein Guesthouse-Zimmer in Siem Reap, was uns trotz aller vernünftigen Einwände recht unkompliziert vorkam. Zumindest sollten wir bei unserer Ankunft versorgt sein. Das Zimmer war schließlich auch ganz gemütlich, aber da man bekanntlich auch B sagen muss, sollte man schon A gemurmelt haben, kamen wir über das Guesthouse auch an einen viel zu teuren Tuk-Tuk-Fahrer für unsere Erkundungen in Angkor Wat. Es lässt sich zumindest festhalten, dass wir während des ganzen Urlaubs nie so viel Geld ausgegeben hatten wie in diesen 24 Stunden. Dazu trug natürlich auch der eigentliche Grenzübertritt bei: Es wurde uns empfohlen Geld zu wechseln, da Kambodscha sehr rückständig sei. Letzte Bank für die nächsten 7 Tage, quasi – was natürlich Unfug war. Der langen Rede kurzer Sinn: Knapp zwanzig Euro verloren beim mehrfachen Umtausch, Schuld waren der Wechselkurs und vor allem unsere Übermüdung. Ach ja, und wer die einstündige Schlange an der Grenzkontrolle umgehen wollte, konnte für nur 200 Baht (sechs Euro) ganz einfach an der Masse der Anstehenden vorbeigehen. Auf der anderen Seite wartete dann ein Bus, der uns zu einem Busbahnhof fuhr, wo wir in einen anderen Bus umsteigen mussten. Als dieser voll war und losfahren wollte, kam noch ein Amerikaner mit Gitarre dazu, der nicht eine Stunde auf den nächsten Bus warten wollte. Er setzte sich nach vorne zum Fahrer, hielt als das Gefährt anrollte eine kurze Rede und hieß uns und sich selbst in Kambodscha willkommen. Alle amüsierten sich prächtig und man merkte, dass die meisten Mitreisenden wirklich froh waren, endlich wieder in einem Bus zu sitzen, der tatsächlich in Richtung Ziel fuhr.


Samstag, 21. März 2015

Die Tempelanlage (Wat) in Südostasien (Teil 5)

Das Wat in Thailand, Laos und Kambodscha bildet den Mittelpunkt des buddhistischen Lebens jedes Dorfes. In größeren Städten findet man meist mehrere dieser Tempelanlagen, in Bangkok sind es über 400 und auch in Chiang Mai gibt es ganze zweihundert von ihnen. Neben seiner Rolle als Ort des Gebets und Quartier für die Mönche hat jedes Wat auch eine wichtige soziale Funktion: Hier kommen Menschen zusammen, um sowohl religiöse wie auch nicht unbedingt religiös behaftete Feste zu feiern. Innerhalb der Mauern der Anlage kann es sogar Kinovorstellungen und Musikkonzerte geben. In Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, konnte ich einen sehr gut besuchten Vortrag verfolgen – leider konnte ich nicht feststellen, um welche Art von Vortrag es sich gehandelt hat, weil ich kein Wort verstanden habe. Es war jedenfalls keine Predigt. In manchen Wat hat es schon Rockkonzerte gegeben, häufiger als das auch Feuerwerke. Besonders bekannt sind natürlich die Klosteranlagen der thailändischen Städte Ayutthaya und Sukhothai, wo die Verbindung zwischen Monarchie und Religion anhand der geografischen Nähe von Königspalast und Tempel immer wieder deutlich wird. Etwas untypischer ist die weltbekannte und weltgrößte Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha: Die Anlage war ursprünglich dem Gott Vishnu geweiht und sein Grundriss folgt auch in seiner Form einer symbolhaften Darstellung des hinduistischen Kosmos. Ich werde deshalb in diesem Beitrag vor allem auf Wat in Laos und Thailand eingehen.

Im Folgenden möchte ich die einzelnen Gebäude eines Wat kurz vorstellen. Zwar gibt es in Thailand, Laos und Kambodscha durchaus Unterschiede bei den Tempelanlagen, doch der Grundbauplan ist immer sehr ähnlich. Der Chedi, der einer Stupa in anderen buddhistischen Ländern entspricht, bildet eines der zentralen Elemente eines Wat. Unter dem glockenartigen, häufig mit Blattgold überzogenen Bau verbirgt sich oft eine Buddha-Reliquie. Es wird angenommen, dass viele Chedis selbst Nachbauten eines anderen Chedi sind, der wohl ehemals eine Reliquie enthalten haben mag, da es unmöglich so viele Reliquien des Buddha geben kann wie es Chedis gibt. Besonders große Chedis findet man zuhauf in den Ruinen von Ayutthaya. Die wenigsten Chedis sind jedoch so prachtvoll wie der des Wat Phra Kaeo im Königspalast von Bangkok.

Wat Phra Kaeo (Bangkok)

Das heiligste Gebäude in einem Wat ist der Usobot (kurz auch Bot), die Gebetshalle. Sie muss nach alten Überlieferungen mindestens 21 Mönchen Platz bieten und ist nicht zwangsläufig das größte Gebäude eines Wat. Hier befindet sich jedoch die zentrale Buddha-Statue, die (im Optimalfall) nach Osten schaut. Bei seiner Erleuchtung soll der Buddha nämlich ostwärts geblickt haben, die Bautradition knüpfte an diese Überlieferung an.

Gebetshalle im Wat Ounalom (Phnom Penh)

Religiöse Zeremonien können durch die Mönche nur innerhalb eines Areals abgehalten werden, das durch acht Markierungssteine begrenzt wird. Diese Steine sind rund um ein Bot deutlich zu sehen. Die Außenmauern sind mit Motiven aus dem Leben des Buddha bemalt. Manchmal stößt man auch auf blau bemalte Charaktere, die an indisch-hinduistische Ikonografie erinnern. Die Verzierung ist also recht vielfältig und auch unterschiedlich beeinflusst. In Laos hatte man sich bei der Restaurierung eines Wat in Luang Prabang wohl dafür entschieden, eher moderne Szenen bei der Bemalung zu verwenden.

Wat Tat Luang in Luang Prabang (Laos)

Ein weiteres großes Gebäude im Tempelkomplex ist der Wihan, ein sporadisch eingerichteter Versammlungsraum der Mönche. Hier werden die Meditationen abgehalten, der Wihan kann aber auch normalen Gläubigen als Ort des Gebets dienen. Es gibt einen Glockenturm, aus dem die Mönche zum Gebet gerufen oder morgens aus dem Schlaf geweckt werden. Jedes Wat hat – meist in der Nähe des Haupteingangs – auch ein Häuschen für die Trommel. Die riesige Trommel in diesem Pavillon erklingt an besonderen Feiertagen, so etwa an Tagen des Bootsrennens.

Trommel auf dem heiligen Berg Phousi in Luang Prabang (Laos)

Für die Drachenrennen, die zum laotischen Neujahrsfest abgehalten werden, gibt es meist ein eigenes Drachenrennboot in jedem Wat. Auch dieses Boot hat seinen Platz, in einem Bootshaus am Rande des Tempelareals.

Wat Xieng Thong in Luang Prabang (Laos)

Boote haben vor allem in den Städten entlang des Mekong einen wichtigen Platz in der Architektur der örtlichen Wat, wie man auf dem nächsten Bild sehen kann. Betende können ihre Kerzen in diesen bootsförmigen, mit Sand gefüllten Kasten zu Füßen des Chedi stecken. Räucherstäbchen und auch Kerzen aus Wachs sind wichtiger Bestandteil des Gebets. Sie verbinden das jahrtausendealtes Ritual des Gebets mit Meditation und ritueller Reinigung.

Tat Luang in Luang Prabang

Weitere unfehlbare Gebäude sind die Bibliothek (Hor Trai), in der die heiligen Schriftrollen (Tipitaka) aufbewahrt werden, und ein offener Pavillon (Sala), der den Mönchen zum schattigen Verweilen dient. Manchmal gibt es noch weitere Schreine und Pavillone mit Buddha-Statuen und heiligen Artefakten.

Goldene Statuen im Wat Sisavan Tevalok bei Luang Prabang

Einige Wat haben auch ein eigenes Krematorium, wohin Angehörigen eines Verstorbenen den Leichnam in einer fröhlichen Prozession überführen. Anders als in westlichen Auffassungen hat man im Buddhismus eine andere, sehr viel positivere Einstellung gegenüber dem Tod.
In Laos wie auch in Thailand finden sich so gut wie keine Friedhöfe. Nach buddhistischer Tradition werden die Toten verbrannt, die Asche wird danach beerdigt. Es bleibt normalerweise nicht viel übrig von einem verstorbenen Menschen, doch in vielen Wat befinden sich an der Mauer, von der die Tempelanlage umschlossen wird, kleine oder große Grabstelen und Obelisken, in denen Urnen bestattet werden. Im Wat Si Saket in Vientiane, der Hauptstadt von Laos, stehen sogar sehr viele dieser Gräber, von denen die meisten größer sind als im Rest des Landes.

Wat Si Saket in Vientiane (Laos)

Von den heiligen Bezirken getrennt, aber meist in nächster Nähe zu den religiösen Gebäuden eines Wat stehen die Wohnquartiere (Kuti) der Mönche. Hier sieht man nach der Wäsche aufgehängt Kutten, zum Trocknen ausgelegten Reis oder auch das Auto des Klostervorstehers.

Wat Sisavan Tevalok bei Luang Prabang

Die Mönche und jungen Novizen, die im Wat ordiniert wurden, leben auf dem Gebiet der Tempelanlage in Häusern, Hütten und Zellen, die je nach Größe des Wat mal mehr, mal weniger luxuriös oder ärmlich eingerichtet sind. Wikipedia klärt uns darüber auf, dass in Thailand etwa ein Drittel der männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 18/20 Jahren für ein bis sechs Jahre als Novizen im Tempel lebt und von dort aus auf besondere Mönchsschulen geht. Für die Familie ist es ehrenwert, wenn ein Angehöriger ins Mönchtum eintritt, denn Mönchen, Novizen und Nonnen wird in der Gesellschaft viel Respekt entgegengebracht. In ärmeren Ländern wie Laos gibt das Mönchtum außerdem eine gewisse Sicherheit für viele Familien, da am Tisch ein Magen weniger zu füllen ist und der junge Novize gleichzeitig eine gute Bildung bekommt. Religiöse Gelehrsamkeit oder eine Ausbildung in Meditation sind hoch angesehen. Buddhistische Mönche zeichnen sich durch ihre safranfarbene Kleidung aus und durch die Armut, in der sie leben. Zum Tagesablauf eines Buddhisten oder einer Buddhistin gehört auch die Gabe von Almosen, wenn die Mönche im Morgengrauen nur mit ihrem Gewand und einer Almosenschüssel ausgestattet das Kloster verlassen und Spenden in Form von Reis einsammeln. Das Geben von Almosen verbessert nach buddhistischer Vorstellung das Karma und erhält gleichzeitig das Mönchtum am Leben. Mittels finanzieller Spenden wird jedes Wat durch reiche Mäzenen wie arme Gläubige gleichermaßen getragen.


Wat in Ayutthaya
In den Tempeln können Gläubige Opfergaben kaufen – meist Räucherkerzen oder Lebensmittelpakete – und dann bei einem Gebet vor einer der Buddha-Statuen abstellen. Was genau in den Päckchen drin ist, die auf dem obigen Bild zu sehen sind, weiß ich nicht. Es könnte sich vielleicht um Textilien handeln. Anderswo kann man auch diesen lustigen Zeitgenossen begegnen:

Donnerstag, 19. März 2015

Welcome to Bangkok! (Teil 1)

Das Essen von Oman Air ist fast so gut wie das von Turkish Airlines. Dennoch kann keine in Alu-Behälter verpackte und lauwarm servierte Speise über die 8.967 Kilometer hinwegtäuschen, die zwischen Frankfurt und Bangkok liegen. Vor allem dann nicht, wenn man zuerst in Mailand zwischenlandet und erneut in Muscat. Als wir im Oman das Flugzeug verlassen, kommen mir die zwanzig Grad schon recht warm vor, zumindest für einen Tag im Februar. Man könnte es also als Temperaturschock bezeichnen, was den/die kältegezeichnete/-n Mitteleuropäer/-in in Thailands Hauptstadt heimsucht: Nächtliche 30°C und eine tropische Luftfeuchtigkeit, dass einem der Atem stockt. Hinzu kommen die Abgase einer Millionenstadt, denn Bangkok ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt Südostasiens und beherbergt über acht Millionen Einwohner sowie mehr als 400 Tempelanlagen (Wat). Der Verkehr ist heftig, doch anderswo auf der Welt (insbesondere in Kairo) ist er noch schlimmer. Gefährlich sind lediglich die kleinen Motorradrikschas, die in Thailand, Laos und Kambodscha lautmalerisch Tuk Tuk heißen. Sie bilden eine Gefahr für den Geldbeutel, wenn man nicht ordentlich handelt, und eine für das eigene Leben, wenn man sich nicht festhält. Ihre Fahrer passen jeden westlich aussehenden Menschen schon vor dem Hotel-Eingang ab und fragen „Sir, you want Tuk Tuk?“ – Oft kommen sie schon von weitem auf einen zu, wild gestikulierend und als würden sie keinem Touristen auch nur einen selbstständigen Schritt auf den von losen Gullideckeln durchlöcherten Trottoirs der Stadt zutrauen. Man lehnt meist dankend, nach einigen Wochen auch ein wenig genervt ab. Doch wenn man Bangkok erkunden will, dann ist ein (der/die/das?) Tuk Tuk tatsächlich die schnellste Lösung, um von A nach B zu kommen.


Bangkok bietet alles, was das Herz begehrt – zumindest für die ersten drei Tage, bevor man das dringende Gefühl verspürt, weiterziehen zu müssen. Doch bis es soweit ist laden die zahlreichen Märkte, die goldenen Wats und die Straßen mit ihren endlosen Möglichkeiten, einen Snack zu sich zu nehmen, zum Verweilen ein.
Wir haben uns natürlich auch den Königspalast angeschaut. Er kostet ganze 500 Baht (ca. 15 Euro) Eintritt und ist überlaufen von Touristen, doch er bietet eine Fülle von Fotomotiven, die ich nun mit zehntausenden von Chinesen, Europäern und Amerikanern teile.


Das Areal wurde Ende des 18. Jahrhunderts angelegt, nachdem die Burmesen die bisherige Hauptstadt Ayutthaya zerstört hatten. Die neue Hauptstadt des Reiches wurde Bangkok, das auf Thai seither eigentlich verkürzt Krung Thep (meist übersetzt mit „Stadt der Engel“) heißt. Der richtige Name ist um einiges länger. Der Palast ist sehr eindrucksvoll, er muss es auch sein. König Bhumibol Adulyadej (oder Rama IX.) ist das derzeit am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt und im Alltag überall präsent. Der König verkörpert die Identität der Thais und ist bei der Bevölkerung äußerst beliebt, weshalb ihm 1987 per Volksabstimmung der Titel „der Große“ verliehen wurde. Überall in Thailand finden sich seine Porträts, mal mit Ehefrau, mal mit Fotokamera, mal in Denkerpose oder im Sportdress. Das Land erhebt sich täglich zweimal zur Hymne und neben der Flagge des Landes weht auch immer die gelbe Flagge des Monarchen.


Im Grunde ist jeder Tempel in Bangkok ähnlich beeindruckend wie der Königspalast. Für das ungeübte Auge unterscheiden sich die verschiedenen prunkvollen Bauwerke nur in der Größe. Überzogen von Gold und ausgezeichnet durch riesige Buddhas porträtieren die Wats den Glanz des Buddhismus. Religion prägt hier den Alltag: Fast jedes Haus hat ein „Geisterhäuschen“, in dem die Hausgeister wohnen und den Haushalt beschützen. Sogar die großen Hotels scheuen weder Geld noch Mühe, um besonders große dieser Häuschen vor ihrem Eingang aufzustellen. Geopfert wird regelmäßig Klebereis und Coca Cola.


An den Türen von vielen Geschäften hängen Räucherstäbchen, jeder Laden hat einen kleinen Hausaltar. Die religiöse Facette macht die ohnehin schon bunten Märkte noch bunter. In touristisch geprägten Gebieten Bangkoks wie etwa der Khaosan Road oder dem Kleidermarkt in Silom weicht diese Harmonie den Bedürfnissen der Touristen. Hier sind die Händler unfreundlicher und die Preise höher, die Prostituierten zahlreicher und Thailand weniger thailändisch. Wer Bangkok abseits der Touri-Route erleben will, sollte einen Abstecher in die Seitengassen wagen oder in den äußeren Bezirken in einer der zahlreichen Suppen- oder Bratküchen zu Mittag essen. Hier gibt es das, was man bei keinem Asia-Wok in Deutschland findet, weil die wenigsten Deutschen vier oder fünf Euro für eine Suppe zahlen würden. Eine gute Nudelsuppe zum Frühstück gibt es in Bangkok und überall sonst an jeder Ecke, mit Rind oder Hühnchen, Koriander, Soja-Sprossen und einem Schuss Fischsauce. Sie kostet hier gerade mal einen Euro und schmeckt hervorragend. Gegessen wird mit Löffel und Stäbchen.


Die Thai-Küche ist sehr scharf, wenn man es darauf anlegt. Man kann zwar überall Reis mit Gemüse bekommen oder Padthai, gebratene Nudeln. Doch bestimmte Spezialitäten wie z.B. Tom Yam, eine sauer-scharfe Suppe mit Garnelen oder Fleisch, können die Geschmacksnerven zeitweise betäuben und bisweilen auch verdauungstechnische Malheurs hervorrufen.
Die thailändische Cuisine unterliegt natürlich den unterschiedlichsten Einflüssen. Chinesische und indische Nuancen bereichern die kulinarische Vielfalt des Landes. Doch auch in Bangkok selbst stolpert man unversehens über Chinatown, ein Viertel mit endlos langen Marktstraßen und chinesischen Reklametafeln. Bis zu fünfzehn Prozent der Bevölkerung Thailands soll chinesischer Abstammung sein. Die Yaowarat Road bildet den Mittelpunkt des chinesischen Bangkok, mit ihren Seafood-Restaurants und Geschäften für Gold und Schmuck aller Art.


Gleich daneben schließt das Marktviertel Phahurat an, wo sich vor allem Textilhändler angesiedelt haben. Viele von ihnen sind indischer Abstammung und es gibt eine große Gruppe von Sikhs, die sich vor etwa hundert Jahren hier sesshaft gemacht haben.


Man kann sich in den verschiedenen Vierteln, auf den Märkten und auch in den touristisch geprägten Teilen Bangkoks die Füße wund laufen. Es geht immer weiter. Und wenn die Beine schwach werden, fährt auf wundersame Weise immer irgendein Bus in die richtige Richtung. Eine auf etwas andere Weise Erholung spendende Institution ist der Seven Eleven: Die japanische Supermarktkette ist in Thailand überall. Allein in Bangkok gibt es 3.177 Filialen, quasi an jeder Straßenecke eine. Klimatisiert und erfrischend bietet dieser Ort alles, was das Herz begehrt in dieser tropischen Schwüle, von der Cola bis hin zu erstaunlich fluffigem Royal Bread, das in ganz Thailand außer uns wahrscheinlich niemand wirklich gegessen hat.


Bangkok bietet Neues und Sehenswürdigkeiten für einige Tage, doch dann ist die Luft raus beziehungsweise der Smog, die Abgase und die Großstadtluft zu dick. Auch für uns wurde es nach wenigen Tagen Zeit weiterzuziehen. Unsere nächsten Ziele lagen nördlich von Bangkok: Ayutthaya und Sukhothai, zwei ehemalige Hauptstädte des siamesischen Königreichs.

Südostasien 2015

Man muss nur in die richtige Richtung fliegen, wenn man morgens um sechs in Bangkok eine Heimreise antreten und nach 22 Stunden per Taxi, Flugzeug und Zug wieder in Bonn ankommen will, lange bevor der Tag zu Ende ist. Zu Ende gehen dann jedenfalls vier Wochen Südostasien, von denen ich Euch in den nächsten Tagen einige Bilder zeigen und Hintergrundinfos liefern möchte. Marian, Patrick und Michael, drei Freunde vom Studium in Tübingen, haben mich als letzten Passagier mit ins Boot geholt und zusammen sind wir durch Thailand, Laos und Kambodscha gereist.


Thailand ist jedes Jahr das Reiseziel von ca. einer halben Million Deutschen, im Grunde also alles andere als eine unbekannte Welt.  Exotisch ist das Königreich, wo sich morgens um acht und abends um sechs alle Menschen zur Nationalhymne erheben, aber allemal. Vor allem für mich, der bis dahin alle Regionen verschmäht hat, die östlich des Euphrat liegen. Ein bisschen Südostasien für Einsteiger kam mir da ganz gelegen und dementsprechend haben wir dann auch versucht, uns das volle Programm aus Kultur, Geschichte und Natur zu gönnen, verfeinert von einer Brise Chili und einigen Tagen Strand. Und mein Blog erlaubt es mir, mich aus Schreiblust schon mitten im Urlaub auf die Rückkehr zu freuen. In meinen Beiträgen der nächsten Tage möchte ich Euch mitnehmen in die smogverhangene Metropole Bangkok und zu den Ruinen der siamesischen Königsstädten Ayutthaya und Sukhothai. Von dort ging es über Chiang Mai im Norden Thailands, einem wichtigen Ausgangspunkt für Trekking-Touren jeder Art und Muss für alle Naturliebhaber, hinübergeht nach Laos. Von Luang Prabang am Mekong führt die Route über Vang Vieng hinunter nach Vientiane, in die kleinste Hauptstadt Asiens. Nach einem kurzen thailändischen Intermezzo, in das ein ratternder Nachtzug und eine zu teure Busfahrt verwickelt waren, geht es nach Kambodscha zur größten religiösen Tempelanlage der Welt in Angkor Wat und natürlich auch in die Millionenstadt Phnom Penh, vorletzte Station unserer Reise. Dort setzten wir uns mit der leidvollen neueren Geschichte Kambodschas auseinander und mit den Roten Khmer, die in den Siebzigerjahren ein grausames Regime führten. Unsere letzten Tage verbrachten wir dann auf der grünen Insel Koh Chang in Thailand, pünktlich zum Beginn der Regenzeit, bevor es zurück ging nach Bangkok. Dort nahm unsere durch kulinarische Vielfalt geprägte und von vielen alten Ruinen gezeichnete Reise ihr Ende.


Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, ein wenig das Reisefieber wecken zu können, das in jedem von uns schlummert. Natürlich bin ich wie immer offen für Anmerkungen und Kritik, also meldet Euch.

Viele Grüße aus Bonn,


Thorschten