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Freitag, 20. März 2015

Luang Prabang (Teil 4)

Die Fahrt mit dem Schiff von Thailand nach Laos hätte drei Tage gedauert. Diese Zeit hatten wir nicht, deswegen entschieden wir uns ganz unspektakulär für das Flugzeug. Ein Viertel unserer Gruppe spaltete sich in Chiang Mai ab und zog in Richtung Süden, sodass wir nur noch zu dritt waren, als wir den Flughafen aus- und bei Lao Airlines eincheckten. Eine solide Propellermaschine brachte uns von Chiang Mai nach Luang Prabang.


Dort fallen ziemlich schnell die Unterschiede zu Thailand auf: Es scheint weniger Menschen zu geben, auch weniger Garküchen unter freiem Himmel, und alles in allem macht Laos einen ärmeren Eindruck als sein westlicher Nachbar. Die Beamten an der Grenzkontrolle des Flughafens sind an Distanziertheit nicht zu überbieten. Das Visum kostet 31 $, dann ist man offiziell in der Demokratischen Volksrepublik Laos eingereist. Mir fällt auf, dass ich noch nie zuvor in einem sozialistischen Staat zu Gast war. Es gibt nur eine Partei. Autos sind seltener, Scharen von Mopeds verpesten die Luft. Die Industrie ist enorm unterentwickelt und die Handelsbilanz ist negativ. In den kleinen Läden an der Straße fallen die unerwartet hohen Preise auf. Fast alles wird hier aus Thailand, Vietnam oder China importiert. Auf der anderen Seite hätte ich jedoch auch mehr Militär erwartet. Laos gibt nur 0,5% seines BIP für Rüstung aus, wie schon in Thailand sieht man so gut wie nie Soldaten oder andere Uniformierte auf der Straße.


Luang Prabang ist ein nettes kleines Städtchen mit geraden Straßen und einigen Häuserzeilen im französischen Kolonialstil, gelegen in einer wunderschönen grünen Umgebung. An der Mekong-Promenade kann man abends einen unglaublichen Sonnenuntergang genießen und zahlreiche Restaurants versorgen die größtenteils französischen Touristen mit einheimischem Essen und Rotwein. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt sind der Königspalast und der kleine Tempel auf dem Berg Phousi, der genau gegenüber der ehemaligen royalen Residenz liegt und über 328 Stufen neben einer Grotte und einem Fußabdruck des Buddha auch zahlreiche goldene Statuen und einen weitläufigen Blick über die Umgebung bietet.


Der Königspalast gleicht mehr einer größeren Villa. Luang Prabang war lange Jahre die Hauptstadt des historischen Königreichs Lan Xang und später des französischen Protektorats Laos. Bis zur Abschaffung der Monarchie im Jahre 1975 war es die Königsstadt und Residenz des letzten Königs Sisavang Vatthana, der mit seiner Familie in ein Umerziehungslager deportiert wurde und 1983 unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Den Königspalast hat die kommunistische Pathet Lao nach dem Umsturz erhalten und zum Nationalmuseum umfunktioniert. Heute beherbergt das Gebäude neben den königlichen Gemächern und der französisch angehauchten Einrichtung auch eine Reihe archäologischer Ausstellungsstücke, darunter antike Steintafeln mit Lao-Inschriften und eine Garage voller Autos, die zur Zeit des Königs modern waren. Von Ford bis Citroen ist alles dabei, was auf laotischen Straßen anno dazumal eigentlich keine Überlebenschance hatte. Auch das königliche Drachenboot ist in der Nähe geparkt.


Auf dem Areal der Residenz befindet sich auch eine Halle, die den bedeutenden Phabang-Buddha beherbergt. Die kleine Statue ist zwar nur 83 Zentimeter hoch, stellt jedoch das wichtigste und identitätsstiftende Buddha-Bildnis in Laos dar. Seit dem 14. Jahrhundert befindet sich diese Figur in Luang Prabang, wurde jedoch zwischenzeitlich zweimal von den Siamesen geraubt. Die Feindschaft mit Thailand konnte jedoch irgendwann überwunden werden, sodass heute sogar eine Freundschaftsbrücke die heutige Hauptstadt Vientiane mit Thailand am gegenüberliegenden Ufer verbindet. Zur Zeit wird in Luang Prabang ein neuer Tempel gebaut, in dem die Statue ihren endgültigen Standort finden soll.


Auch in Laos lohnt sich ein Fahrrad als innerstädtisches Fortbewegungsmittel und da Luang Prabang trotz seiner glanzvollen Geschichte doch nur eine Provinzstadt ist, verschaffen einem zwei Räder die nötige Mobilität um die Gegend zu erkunden. Meine Mitreisenden sind nach Phonsavan weitergezogen, um dort die Ebene der Steinkrüge zu erkunden, die ich leider verpasst habe. Ich wollte mir aber einfach mal einen Tag mehr an einem Ort gönnen, da wir unser straffes Programm bisher in aller Konsequenz durchgezogen hatten. Und im Umland der Stadt gab es schließlich Wasserfälle, grüne Felder und ein paar Dörfer mit Mönchen, die ihrer täglichen Arbeit nachgehen.


Fahrrad ahoi. Ich fahre in alle Richtungen und finde mal hier, mal dort ein interessantes Wat oder eine Schotterpiste, die im Nichts zu enden scheint. An einer Stelle fährt mir ein Konvoi entgegen, der vorausfahrende Polizist gebietet allen anderen Verkehrsteilnehmern stehenzubleiben und die schwarze Limousine mit irgendeinem Minister – vermutlich der für Landwirtschaft, denn da gab es ein Ministerium in Luang Prabang – braust vorbei. Dann kann ich weiter die Pedale treten und mit dem Ein-Gang-Rad die nächste Steigung erklimmen.


Auf dem Rückweg komme ich an einem Denkmal vorbei. Hier ist das erste Staatsoberhaupt des sozialistischen Laos, Prinz Souphanouvong (1909-1995), in Bronze verewigt und von einem kleinen Park am Mekong eingerahmt. Weniger sehenswert als vielmehr Rast spendend.


Ich fahre zurück in die Stadt. Auch im sozialistischen Laos hat Religion also eine wichtige Bedeutung. Luang Prabang ist bis heute auch ein religiöses Zentrum. Morgens sammeln die Mönche ihre Almosen von der Bevölkerung, leider hatte ich keine Gelegenheit, dieser Zeremonie beizuwohnen und Fotos zu schießen. Die Stadt ist nicht groß, aber es gibt unzählige Tempelanlagen. Die meisten der Wat im Zentrum sind restauriert, doch etwas außerhalb kommt man auch an weniger gut erhaltenen Tempeln vorbei. Die Armut des Landes und der Kontrast zu Thailand werden durchaus auch an der Intensität der Restaurationsarbeiten deutlich, doch in der Abendsonne sind die Tempel von Luang Prabang sehr inspirierend.


Am späten Nachmittag komme ich von meiner Radtour zurück und um kurz vor achtzehn Uhr beginnen die Mönche in ihren Meditationsräumen vor sich hin zu singen, vor jedem Wat kann man ihren Singsang hören, und die Straße wird ergriffen von einer eigenartigen, abendlichen Stimmung. Wie im Nahen Osten der Gebetsruf des Muezzin den Übergang zwischen Tag und Nacht markiert, versammeln sich hier die buddhistischen Mönche vor Sonnenuntergang, um ihre tägliche Meditation zu begehen. Währenddessen trocknet der Reis in der Sonne, die Mücken steigen aus ihren Verstecken im Schilf auf und zielstrebig geht die über dem Mekong unter.


Chiang Mai - Trekking und Elefanten (Teil 3)

Chiang Mai gilt als einer der optimalen Ausgangspunkte für Trekkingtouren und Ausflüge ins Umland. Die wichtigste Stadt im Norden Thailands hat 135.000 Einwohner und beherbergt 200 buddhistische Tempel, von denen einige sehr sehenswert sind. Das besondere an Chiang Mia ist, dass die Stadt ein viereckiger Wassergraben umgibt, an dessen Ecken noch Teile der antiken Stadtmauer erhalten sind.


Es gibt natürlich einiges in der Stadt selbst zu sehen. Neben den vielen Wats lockt auch der Nachtbasar viele Besucher an und dank eines internationalen Postamts kann man endlich ein paar Postkarten loswerden. (Und es hat sich bestätigt, dass die Karten aus Chiang Mai noch vor jenen aus den ersten Tagen in Bangkok ihr Ziel erreicht haben.) Wir wollten allerdings zu einer der so hoch angepriesenen Touren in die Umgebung starten, weshalb wir bei einem der vielen Travel Agents ein Komplettpaket aus Wandern, Wildwasser-Rafting und Elefantenreiten gebucht haben. Zu den Elefanten, die touristisch ausgebeutet werden und oft ein ziemlich miserables Leben haben, gibt es verschiedene Meinungen, doch wir wollten uns die Sache ohnehin mal vor Ort anschauen. Am nächsten Tag ging es los, mit einem der roten Sammeltaxis und einem sehr kommunikativen taiwanesischen Pärchen an Bord. Ansonsten waren alle Mitreisenden deutsch oder österreichisch. Wie an so vielen Orten in Thailand, übrigens. Man wird sie nicht los, die Deutschen oder Österreicher. 

Erster Stopp: Eine Orchideen-Farm. Zugegeben, hier holte uns so gut wie keine Erkenntnis ein und es war lediglich erstaunlich, dass die Blumen mit den Wurzeln in der Luft hingen, was wohl bewässerungstechnische Gründe hatte.


Aber es gab auch Schmetterlinge. Die armen Dinger wurden quasi nonstop abgelichtet, nacheinander von dreißig Chinesen und schließlich auch von mir.


Weiter ging es über Stock und Stein und rötliche Staubpisten zum Elefantenreiten. Das Thema Elefanten und Tourismus ist ein sehr kontroverses. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Tiere in Thailand stark zurückgegangen: Um 1950 lebten hier noch rund 50.000 Elefanten, heute sind es kaum mehr 3.500 Tiere. Wild lebende Elefanten gibt es kaum noch, im Norden sollen es etwa 300 sein. Die kontinuierliche Rodung der Wälder führte zu diesem drastischen Rückgang, die Zerstörung des Urwalds beraubte die Tiere ihres Lebensraumes. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren noch 70 Prozent Thailands mit Wäldern bedeckt, heute sind es nur noch zwanzig. Erst 1989 wurde die Abholzung gestoppt, die Arbeitselefanten wurden dadurch aber arbeitslos. Seitdem sind Elefantentouren beliebt geworden, sodass die Mahuts (Führer und oft auch Eigentümer eines Elefanten) ihre Tiere fortan für touristische Zwecke einsetzten. Ohne Zweifel gibt es in diesem Zweig des Natur-Tourismus viel Tierquälerei. Die barfüßigen Guides sitzen mit ihren Bambusgerten (Stangen mit einem spitzen Haken dran) auf dem Kopf des Elefanten und treiben ihn mit der täglichen Routine fünfzehn Minuten einen Pfad entlang, dabei bohrt sich das Metall ab und zu in die Seite des armen Tieres. Trotzdem war der Ort, an dem wir abgeladen wurden, nicht so schockierend wie andere Orte, wenn man den Berichten aus dem Internet glaubt. Und einige meinen, dass die Elefanten im Tourismus immer noch besser dran wären als jene , die man vor dem Waldschutzgesetz von 1989 als Arbeitselefanten in der Holzindustrie benutzt hat. Neben einigen Orten des Schreckens, von denen oft berichtet wird,  gibt es durchaus auch Elefantenfarmen, wo die Tiere nicht gequält werden und wo sie in guten Händen sind. Das staatlich geführte Thai Elephant Conservation Centre (TECC) in Lampang bildet Elefantenführer aus, bietet Trekkingtouren an, beherbergt ein Elefanten-Krankenhaus und engagiert sich sehr beim Schutz der Dickhäuter.


Zwischen Gut und Böse dürfte sich unsere kleine Elefantenfarm irgendwo in einer Grauzone befunden haben. Neben einer Hütte gab es einen kleinen Schrein, in dem eine Ganesha-Figur saß, ein hinduistischer Gott, der meist mit Elefantenkopf abgebildet wird. Respekt hat man vor dem Tier also auf jeden Fall. Wir durften die Elefanten auch mit kleinen Bananen und Tamarindenschoten füttern. Es gab sogar ein Elefantenbaby, das jedoch mit seinem Gewicht einen Kleinwagen hätte zerquetschen können und das frei über die Anlage spazierte.


Nach unserem kurzen Besuch bei den Elefanten fuhr man uns zur nächsten Station: Wandern durch den Dschungel. Falls ich es vorher vergaß zu erwähnen: Es war wie immer heiß und schwül und eigentlich will sich bei dem Wetter niemand wirklich bewegen - außer man will etwas zu sehen bekommen, dann ist Bewegung meist unvermeidlich. Deshalb stiegen wir auf einem engen Pfad den bewaldeten Berg hinauf.


Oben erwartete uns ein Wasserfall mit eiskaltem Wasser, was ein Segen für alle Beteiligten war. Man hatte zwar für einige Sekunden das Gefühl, schockgefroren zu werden, aber diese Dschungeldusche war das einzige ultimative Refreshment seit langem.


Danach ging es wieder hinunter, zu einem im Preis inbegriffenen Mittagessen: Standardmäßig hatte man Reis mit Gemüse vorbereitet. Essbar, aber nichts besonderes. Man kann aber nicht klagen. Jetzt waren wir alle gestärkt und bereit zum Wildwasser-Rafting. Hört sich super an, aber alles in allem kann gesagt werden, dass wir mit den Schlauchbooten die meiste Zeit auf irgendwelchen Felsen festsaßen, und so richtig nass wurde auch niemand. Erst als wir zum „Bamboo Rafting“ auf Bambusflöße umsteigen sollten, die eigentlich für zwei Personen gebaut waren, stand uns das Wasser bis zum Hals. Wir saßen bis zur Brust im Wasser, während sich der Guide anstrengte, das Floß über den steinigen Grund des Flusses zu schieben. Man hätte genauso gut zu Fuß gehen können. Oder schwimmen. Ganz egal. 
Diese Details sind vielleicht auch nur wichtig für diejenigen, die auch mal in Chiang Mai eine Tour buchen möchten und nicht erst die tausend Bewertungen bei TripAdvisor vergleichen wollen.


Letzter Höhepunkt war der Besuch in einem Dorf der Akha, wo angeblich einheimische Frauen in traditionellen Kleidern kitschige Souvenirs verkauften. Die gleichen Frauen laufen auch ganz verloren in ihrer Tracht auf Bangkoks Khaosan Road auf und ab und verkaufen Tonfrösche, die das Geräusch von Fröschen von sich geben, wenn man den geriffelten Rücken mit einem Holzklöppel reibt. Diese Menschen in diesem Dorf aber, die in Wirklichkeit zum großen Teil aus China eingewandert waren und hier von Zeit zu Zeit als thailändische Bergstämme wie Tiere im Zoo präsentiert werden, konnten einem ziemlich leidtun. Aber andererseits sind sie wahrscheinlich auch auf den Tourismus angewiesen, weshalb ich dann doch eine kleine Tabakspfeife für meine Sammlung gekauft habe.


Chiang Mai ist eine recht interessante Stadt, wenn man nicht allzu lange vor hat zu bleiben, und die Umgebung bietet einiges an Möglichkeiten für einen Aktivurlaub. Naturliebhaber sollten diesen Ort auf jeden Fall in ihre Reiseplanung mit aufnehmen, vielleicht auch als Zwischenstation auf dem Weg nach Norden oder nach Laos. Wir haben uns jedenfalls von Chiang Mai aus in das östliche Nachbarland aufgemacht und als nächstes Ziel Luang Prabang angepeilt.

Donnerstag, 19. März 2015

Die Königsstädte Ayutthaya und Sukhothai (Teil 2)

Die nächsten Stationen unserer Reise waren Ayutthaya und Sukhothai, die alten Hauptstädte des siamesischen Königreichs. Nach einigen Tagen in Bangkok kann man es normalerweise kaum erwarten, einmal andere Luft zu atmen. Da kam uns der Fahrtwind des Zuges gerade recht. Die Fahrt von Bangkok nach Ayutthaya dauert nur einige Stunden.


Wir waren wie immer spontan und wollten uns ohne Reservierung im Grand Palace Hostel einchecken. Bis heute weiß ich nicht, ob ein solches Hostel in Ayutthaya tatsächlich existiert, denn der Fahrer des gepäckbeladenen Tuk Tuk brachte uns aufgrund einiger Verständigungsschwierigkeiten zum Grandparent‘s Home. Dort fühlten wir uns ganz wohl, denn der Fahrradverleih war gleich nebenan. Ayutthaya erkundet man am besten auf zwei Rädern.


Ayutthaya war von 1351 bis 1767 nicht nur Hauptstadt des gleichnamigen siamesischen Königreichs, sondern auch die wichtigste Metropole des südostasiatischen Festlands im 18. Jahrhundert. Erst der Siamesisch-Birmanische Krieg brachte sie zu Fall. Eine ruhmreiche vierhundertjährige Geschichte nahm so ein jähes Ende und der damalige König Ekathat verschwand im Nichts, einige Quellen sprechen von einer spektakulären Flucht, andere berichten von seinem Tod in der entscheidenden Schlacht um seine Hauptstadt. Der Regierungssitz wurde fünf Jahre später von General Taksin nach Bangkok verlegt, wo unter König Rama I. eine neue Dynastie siamesischer Könige den Thron bestieg. Von Ayutthaya blieben nur Ruinen.
Der Geschichtspark Ayutthaya ist heute ein Anziehungspunkt für Touristen. Seit 1991 ist er Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Die verschiedenen Wats liegen über die ganze Stadt verteilt. Das Wat Phra Si Sanphet gehört mit seinen drei Chedis zu den sehenswertesten der Tempel. Seine Geschichte geht bis ins 15. Jahrhundert zurück.


Ein weiteres bedeutendes Wat ist der Tempel Chai Watthanaram, der 1630 von König Prasat Thong erbaut wurde. Die inneren Mauern sind gesäumt von Buddha-Statuen, einige der größeren wurde sogar in orangene Umhänge gekleidet. Es ist interessant, dass viele der buddhistischen Besucher manchmal Blumen, Kerzen und kleine Figuren mitbringen, um sie zu Füßen der Statuen abzustellen. Die Tempelanlagen sind nicht nur Ruinen, sondern haben für Buddhisten noch heute eine wichtige Bedeutung.


Am Abend merkten wir, dass wir pünktlich zu den Feierlichkeiten des chinesischen Neujahrsfestes angekommen waren. Die ganze Innenstadt von Ayutthaya war ein einziger Markt voller Bühnen und Essensstände. Auf einer Kreuzung tanzten zwei riesige Drachen, ein Stück weiter gab es Schattentheater und vor dem Rathaus gab es Thai-Pop. Verhungern konnte an diesem Abend niemand, denn es gab von gebratenen Tintenfischen über Fleischspieße und Nudeln bis hin zu enorm pappigen Süßigkeiten und Halal-Grills einfach alles. Leider hatte ich meine Kamera nicht mit dabei und muss mich auf einige wenige Bilder beschränken.


Am nächsten Tag ging es über Pitsanulok, eine recht unspektakuläre Provinzstadt, weiter nach Sukhothai. Wir bewegten uns nach Norden, doch in der Geschichte gingen wir ein Stück weiter zurück: Sukhothai war im 13. Jahrhundert Hauptstadt des unabhängigen gleichnamigen Königreichs und bietet heute neben einer lebendigen Neustadt auch den Geschichtspark mit seinen Ruinen.


Auch hier bewegt man sich bevorzugt per Fahrrad fort, auch diese Stadt ist ein Weltkulturerbe. Doch anders als Ayutthaya bekommt diese Ruinenstadt durch ihre zahlreichen Wasserreservoirs ein besonderes Flair, vor allem wenn man frühmorgens auf einen Besuch vorbeikommt. Da wir am Abend gleich weiterreisen wollten nach Chiang Mai waren wir schon früh auf und genossen die Abwesenheit der Hitze, die uns schon in Ayutthaya den Kopf verbrannt hatte.


Versteckt in einem Tempel außerhalb der ehemaligen Stadtmauern saß ein überdimensionaler Buddha und wartete auf Pilger, die gutgelaunt ihre Selfies schossen und die vergoldeten Hand der Statue begutachteten.


Nach zwei intensiven und geschichtsbeladenen Tagen hatten wir (zumindest die meisten von uns) genug Ruinen gesehen und traten die Weiterreise in Richtung Trekking und Elefanten an: Auf nach Norden…

Welcome to Bangkok! (Teil 1)

Das Essen von Oman Air ist fast so gut wie das von Turkish Airlines. Dennoch kann keine in Alu-Behälter verpackte und lauwarm servierte Speise über die 8.967 Kilometer hinwegtäuschen, die zwischen Frankfurt und Bangkok liegen. Vor allem dann nicht, wenn man zuerst in Mailand zwischenlandet und erneut in Muscat. Als wir im Oman das Flugzeug verlassen, kommen mir die zwanzig Grad schon recht warm vor, zumindest für einen Tag im Februar. Man könnte es also als Temperaturschock bezeichnen, was den/die kältegezeichnete/-n Mitteleuropäer/-in in Thailands Hauptstadt heimsucht: Nächtliche 30°C und eine tropische Luftfeuchtigkeit, dass einem der Atem stockt. Hinzu kommen die Abgase einer Millionenstadt, denn Bangkok ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt Südostasiens und beherbergt über acht Millionen Einwohner sowie mehr als 400 Tempelanlagen (Wat). Der Verkehr ist heftig, doch anderswo auf der Welt (insbesondere in Kairo) ist er noch schlimmer. Gefährlich sind lediglich die kleinen Motorradrikschas, die in Thailand, Laos und Kambodscha lautmalerisch Tuk Tuk heißen. Sie bilden eine Gefahr für den Geldbeutel, wenn man nicht ordentlich handelt, und eine für das eigene Leben, wenn man sich nicht festhält. Ihre Fahrer passen jeden westlich aussehenden Menschen schon vor dem Hotel-Eingang ab und fragen „Sir, you want Tuk Tuk?“ – Oft kommen sie schon von weitem auf einen zu, wild gestikulierend und als würden sie keinem Touristen auch nur einen selbstständigen Schritt auf den von losen Gullideckeln durchlöcherten Trottoirs der Stadt zutrauen. Man lehnt meist dankend, nach einigen Wochen auch ein wenig genervt ab. Doch wenn man Bangkok erkunden will, dann ist ein (der/die/das?) Tuk Tuk tatsächlich die schnellste Lösung, um von A nach B zu kommen.


Bangkok bietet alles, was das Herz begehrt – zumindest für die ersten drei Tage, bevor man das dringende Gefühl verspürt, weiterziehen zu müssen. Doch bis es soweit ist laden die zahlreichen Märkte, die goldenen Wats und die Straßen mit ihren endlosen Möglichkeiten, einen Snack zu sich zu nehmen, zum Verweilen ein.
Wir haben uns natürlich auch den Königspalast angeschaut. Er kostet ganze 500 Baht (ca. 15 Euro) Eintritt und ist überlaufen von Touristen, doch er bietet eine Fülle von Fotomotiven, die ich nun mit zehntausenden von Chinesen, Europäern und Amerikanern teile.


Das Areal wurde Ende des 18. Jahrhunderts angelegt, nachdem die Burmesen die bisherige Hauptstadt Ayutthaya zerstört hatten. Die neue Hauptstadt des Reiches wurde Bangkok, das auf Thai seither eigentlich verkürzt Krung Thep (meist übersetzt mit „Stadt der Engel“) heißt. Der richtige Name ist um einiges länger. Der Palast ist sehr eindrucksvoll, er muss es auch sein. König Bhumibol Adulyadej (oder Rama IX.) ist das derzeit am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt und im Alltag überall präsent. Der König verkörpert die Identität der Thais und ist bei der Bevölkerung äußerst beliebt, weshalb ihm 1987 per Volksabstimmung der Titel „der Große“ verliehen wurde. Überall in Thailand finden sich seine Porträts, mal mit Ehefrau, mal mit Fotokamera, mal in Denkerpose oder im Sportdress. Das Land erhebt sich täglich zweimal zur Hymne und neben der Flagge des Landes weht auch immer die gelbe Flagge des Monarchen.


Im Grunde ist jeder Tempel in Bangkok ähnlich beeindruckend wie der Königspalast. Für das ungeübte Auge unterscheiden sich die verschiedenen prunkvollen Bauwerke nur in der Größe. Überzogen von Gold und ausgezeichnet durch riesige Buddhas porträtieren die Wats den Glanz des Buddhismus. Religion prägt hier den Alltag: Fast jedes Haus hat ein „Geisterhäuschen“, in dem die Hausgeister wohnen und den Haushalt beschützen. Sogar die großen Hotels scheuen weder Geld noch Mühe, um besonders große dieser Häuschen vor ihrem Eingang aufzustellen. Geopfert wird regelmäßig Klebereis und Coca Cola.


An den Türen von vielen Geschäften hängen Räucherstäbchen, jeder Laden hat einen kleinen Hausaltar. Die religiöse Facette macht die ohnehin schon bunten Märkte noch bunter. In touristisch geprägten Gebieten Bangkoks wie etwa der Khaosan Road oder dem Kleidermarkt in Silom weicht diese Harmonie den Bedürfnissen der Touristen. Hier sind die Händler unfreundlicher und die Preise höher, die Prostituierten zahlreicher und Thailand weniger thailändisch. Wer Bangkok abseits der Touri-Route erleben will, sollte einen Abstecher in die Seitengassen wagen oder in den äußeren Bezirken in einer der zahlreichen Suppen- oder Bratküchen zu Mittag essen. Hier gibt es das, was man bei keinem Asia-Wok in Deutschland findet, weil die wenigsten Deutschen vier oder fünf Euro für eine Suppe zahlen würden. Eine gute Nudelsuppe zum Frühstück gibt es in Bangkok und überall sonst an jeder Ecke, mit Rind oder Hühnchen, Koriander, Soja-Sprossen und einem Schuss Fischsauce. Sie kostet hier gerade mal einen Euro und schmeckt hervorragend. Gegessen wird mit Löffel und Stäbchen.


Die Thai-Küche ist sehr scharf, wenn man es darauf anlegt. Man kann zwar überall Reis mit Gemüse bekommen oder Padthai, gebratene Nudeln. Doch bestimmte Spezialitäten wie z.B. Tom Yam, eine sauer-scharfe Suppe mit Garnelen oder Fleisch, können die Geschmacksnerven zeitweise betäuben und bisweilen auch verdauungstechnische Malheurs hervorrufen.
Die thailändische Cuisine unterliegt natürlich den unterschiedlichsten Einflüssen. Chinesische und indische Nuancen bereichern die kulinarische Vielfalt des Landes. Doch auch in Bangkok selbst stolpert man unversehens über Chinatown, ein Viertel mit endlos langen Marktstraßen und chinesischen Reklametafeln. Bis zu fünfzehn Prozent der Bevölkerung Thailands soll chinesischer Abstammung sein. Die Yaowarat Road bildet den Mittelpunkt des chinesischen Bangkok, mit ihren Seafood-Restaurants und Geschäften für Gold und Schmuck aller Art.


Gleich daneben schließt das Marktviertel Phahurat an, wo sich vor allem Textilhändler angesiedelt haben. Viele von ihnen sind indischer Abstammung und es gibt eine große Gruppe von Sikhs, die sich vor etwa hundert Jahren hier sesshaft gemacht haben.


Man kann sich in den verschiedenen Vierteln, auf den Märkten und auch in den touristisch geprägten Teilen Bangkoks die Füße wund laufen. Es geht immer weiter. Und wenn die Beine schwach werden, fährt auf wundersame Weise immer irgendein Bus in die richtige Richtung. Eine auf etwas andere Weise Erholung spendende Institution ist der Seven Eleven: Die japanische Supermarktkette ist in Thailand überall. Allein in Bangkok gibt es 3.177 Filialen, quasi an jeder Straßenecke eine. Klimatisiert und erfrischend bietet dieser Ort alles, was das Herz begehrt in dieser tropischen Schwüle, von der Cola bis hin zu erstaunlich fluffigem Royal Bread, das in ganz Thailand außer uns wahrscheinlich niemand wirklich gegessen hat.


Bangkok bietet Neues und Sehenswürdigkeiten für einige Tage, doch dann ist die Luft raus beziehungsweise der Smog, die Abgase und die Großstadtluft zu dick. Auch für uns wurde es nach wenigen Tagen Zeit weiterzuziehen. Unsere nächsten Ziele lagen nördlich von Bangkok: Ayutthaya und Sukhothai, zwei ehemalige Hauptstädte des siamesischen Königreichs.