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Donnerstag, 2. April 2015

Kulinarischer Ausflug - Letzter Teil der Südostasien-Reihe (Teil 13)

Als Abschluss meiner Südostasien-Reihe möchte ich hier ein paar fotografische Eindrücke der örtlichen Küche teilen, die ich auf unserem Weg durch Thailand, Laos und Kambodscha eingefangen habe.

Reis

Das Grundnahrungsmittel der thailändischen Küche ist Reis. Angebaut werden zahlreiche Sorten, darunter sowohl die im Wasser auf Terrassen angebaute Art als auch Arten, die man ohne viel Wasser auf Feldern kultivieren kann.

Die simpelste Form einer Mahlzeit: Gemüsereis in Chiang Mai.

Auch in Laos wird hauptsächlich Reis gegessen, weit verbreitet ist vor allem Klebereis, den man mit den Fingern formt. In Luang Prabang (Laos) gibt es eine staatliche Behörde, die den Preis für Reis reguliert.


Reis wird auch oft in Bananenblätter gepackt, wie hier in Phnom Penh (Kambodscha).


Ob zu Fleisch oder Fisch, Reis ist immer mit dabei. Es gibt auch süße Speisen mit Reis und in Bangkok gibt es sogar einen Eis-Becher, in dem man Klebereis mit Mango bekommen kann. 

Suppen

An jeder Ecke bekommt man Nudelsuppen. Suppe ist eines der seltenen Gerichte, das man in Thailand und Laos mit Stäbchen (und Löffel) ist. Normalerweise wird die Gabel benutzt, nur chinesische Speisen ist man mit Stäbchen.
In jedem Ort schmeckt die Suppe anders, allerdings sind die Grundbestandteile meistens gleich: Nudeln, Zitronengras, Koriander und Fleisch.



Dazu gibt es immer ein Set von vier zusätzlichen Würzungen: Zucker, Fischsauce und zwei scharfe Gewürze (z.B. Chili). Es gibt alle möglichen Varianten, z.B. mit Curry.


In Luang Prabang gibt es ein berühmtes Or Lam, eine Wasserbüffelsuppe. Ich bekam allerdings die Variante mit Meeresfrüchten, Erbsen und einer ganzen Menge Chili.


Nudeln

Nudeln sind sehr verbreitet, vor allem Pad Thai gibt es in Thailand überall. Man kann jedoch auch Varianten wählen, z.B. mit klebrigen, dicken Nudeln.


An vielen Orten begegnet einem auch die Variation mit Spinat, wie hier in Kambodscha.


Fisch

In Laos ist Fisch aus dem Mekong neben Klebereis das Grundnahrungsmittel, auch in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh und an den Küsten bekommt man frisch gefangenen Fisch auf den Teller.

Mekong-Fisch schmeckt sehr schlammig...
Eine Spezialität in Kambodscha ist Amok, ein Fischgericht mit Kokosnuss-Curry. Traditionell wird es in Blättern des Noni-Baums serviert, in meinem Fall auf einem Markt von Phnom Penh lediglich mit Salat und mit vielen Gräten…


Auf Koh Chang kann man Wels essen – mit Nudeln und Gemüse.


Meeresfrüchte

Überall gibt es Gerichte mit Meeresfrüchten, hauptsächlich Garnelen und Tintenfisch. Gebratene Tintenfische bekommt man oft direkt vom Grill, man kann sie jedoch auch getrocknet und in gewalzter Form knusprig und mit einem Dip serviert am Straßenrand kaufen.


Fleisch

Fleisch gibt es überall in allen Formen. Am häufigsten sieht man Geflügel, frisch vom Grill.


Begehrt sind die Fleischspieße, die man in einer süßen Marinade gebraten an der Straße bekommt. 


In Laos isst man Fleisch (in diesem Fall Ente) mit viel Grünzeug, einer Sauce und kalten Reisnudeln.


Ziemlich merkwürdig ist das getrocknete Schweinefleisch, das man im Supermarkt abgepackt bekommen kann. Es erinnert in der Konsistenz ein wenig an Zuckerwatte, zerfließt aber nicht im Mund.


Obst

Natürlich gibt es auch viel frisches und reifes Obst. Mangos und kleine Bananen, aber auch exotische Früchte wie z.B. die stachlige Durian-Frucht hinten links im Bild, die es v.a. in Thailand und Malaysia gibt.


Im Supermarkt von Siem Reap gibt es Tamarinden, die in vielen südostasiatischen Küchen Verwendung finden.


Bier

Natürlich bekommt man in allen drei Ländern auch Bier: In Thailand ist Singha die traditionelle Marke, die jedoch in den letzten Jahren von Chang und Leo herausgefordert wird. In Laos trinkt man das Getränk der staatlichen Marke Beerlao, das in Vientiane gebraut wird. In Kambodscha ist Angkor sehr beliebt, daneben gibt es von der gleichnamigen Brauerei auch das ähnlich klingende Anchor („Anker“).


Ich hoffe, Ihr habt meine Südostasien-Reihe genossen und ich konnte Euch ein paar bildliche Eindrücke liefern. Für Kritik und Anmerkungen bin ich immer offen, also meldet Euch. Ansonsten wünsche ich Euch – in diesem Beitrag – einen guten Appetit und vielleicht habt Ihr ja Hunger aufs Reisen bekommen… 

Montag, 30. März 2015

Koh Chang (Teil 12)

Die letzte Station vor unserem kurzen Aufenthalt in Bangkok war Koh Chang, eine Insel am östlichen Küstenabschnitt Thailands. Per Bus ist sie über mehrere Stationen sogar direkt von Phnom Penh aus erreichbar, wo wir uns am frühen Morgen vom Hostel aufgemacht hatten. Unsere rostige Fähre trug uns pünktlich zum Sonnenuntergang über den wellenlosen Golf von Thailand hinüber auf die bergige, grüne Insel und wir kamen kurz nach Einbruch der Nacht an.


Die letzten fünf Tage auf Koh Chang waren der puren Erholung gewidmet. Keine Bus- oder Bahnfahrten mehr, keine Tempel und Ruinen, kein Stress. Nur Strand und ein wenig Ruhe – zumindest war so der Plan. Wer sich jedoch in einem nichtklimatisierten, von Stechmücken regelmäßig frequentierten Zimmer gleich neben der lautesten Bar von Lonely Beach einquartiert, sollte auch das passende Durchhaltevermögen mitbringen. Denn an Schlafen denken hier die wenigsten. Der Name Lonely Beach könnte ironischer nicht sein, denn hier trifft man so gut wie jeden Typ von Thailand-Touristen: Vereinzelt ältere kanadische Ehepaare, häufiger schon britische Egotrinker oder in den Achtzigern hängengebliebene Deutsche mit Vokuhila, und natürlich Gruppen minderjährig anmutender Skandinavierinnen. Und alles drängt sich nachts in Lonely Beach zusammen. Nur zwei Querstraßen beherbergen das gesamte Nachleben des südlichen Inselabschnitts von Koh Chang, eine Fülle von Tattoo-Studios und zahlreiche Unterkünfte, die immer teurer werden je weiter man in die Nähe des Strandes rückt.


Strand ist aber zu viel gesagt, denn die meisten „Strände“, die auf meiner im Supermarkt (7-Eleven) erstandenen Inselkarte eingezeichnet waren, entpuppten sich als mehr oder weniger felsige Uferabschnitte, von denen man einen guten Blick aufs Wasser hat – mehr aber auch nicht. Auch manche Straßen, die noch auf der Karte verzeichnet waren, existieren schon lange nicht mehr, aber dazu später…
Auf Koh Chang mietet man wie auf den meisten thailändischen Inseln einen Scooter, um von A nach B zu kommen. Mit vollem Tank und einem Helm von Honda düsten wir am ersten Tag die Küstenstraße hoch und runter auf der Suche nach einer etwas spießigeren Herberge, obwohl Lonely Beach bei Tag betrachtet tatsächlich ruhiger ist. Unser Backpacker-Hostel, das sich bei Tageslicht als eigentlich sehr stilvoll entpuppt hatte, war dennoch zu stickig und zu laut. Egal wie sich das anhört, nach dreieinhalb Wochen und dreizehn unterschiedlichen Unterkünften war die Zeit für einen Bungalow gekommen. Nicht weit von Lonely Beach fanden wir eine kleine Anlage, die von einem Franzosen betrieben wurde. Er verbringt nur einen Monat im Jahr in Frankreich und lebt ansonsten auf Koh Chang. Wie es das Schicksal wollte, hatten wir zu einem anständigen Preis sogar einen Pool direkt vor der Bungalow-Tür. Merksatz für Budget-Reisende: Von der Straße aus zum Wasser hin wird es teurer, in Richtung Hang ist es auch für Studenten/-innen erschwinglich.


Fragt mich nicht wieso, aber irgendwie verging der erste volle Tag, ohne dass irgendwer seine Füße ins (vermeintlich kühle) Nass des Ozeans hätte halten wollen. Auch der Pool blieb ungenutzt, doch wir verlängerten unsere in Lonely Beach gemieteten Mopeds um einen Tag und genehmigten uns im gegenüber von der Rollervermietung liegenden Restaurant ein gehörig scharfes Tom Yam. Auf Anfrage erhielten wir die Suppe in voller Thai-Schärfe und waren dermaßen am Heulen und Schnäuzen, dass es fast schon komisch war. Aber wir haben überlebt.
                                     

Auf Koh Chang gibt es im Süden ein Pier mit einigen Shoppingmöglichkeiten, man kann im Schatten kleiner Pavillons auf dem Steg eine Mittagsrast einlegen und fast überall gibt es was zu essen. Den ganzen Tag fahren offene Taxis die Inselstraße ab und man kann jede Stunde zur gewünschten Destination aufbrechen. Am geschicktesten sind aber die Scooter, die man an kleinen Ständen am Straßenrand auftanken lassen kann. Die Flasche Sprit kostet 40 Baht (1,10 €).


Am zweiten Tag waren wir wieder zu viert vereint und wollten wir zu einem Strand fahren, der uns von zwei Mitreisenden auf der Fähre empfohlen worden war. Auf der Karte sah alles recht unkompliziert aus und allzu weit war es scheinbar auch nicht. Spannender wurde es erst, als wir vor einer Brücke standen, die nicht mehr vorhanden war. Die Straße war auf unserem Weg immer verwachsener geworden und schließlich lag uns direkt vor dem unterspülten Übergang ein Baumstamm im Weg. Da es im Grunde nur eine Straße gibt, die wie ein geschlossener Ring um die elefantenförmige Insel führt, gab es hier kein Durchkommen. Der als einzigartig beschriebe Strand musste warten und wir legten uns anderswo ans Meer. Doch am nächsten Tag wollten wir es obenrum probieren, einmal um die ganze Insel.


Wir verlängerten die Mopeds um einen dritten Tag und brachen früh auf nach Long Beach, wo es ruhig und malerisch sein soll. Erst nach Norden, dann an der Ostküste von Koh Chang so lange nach Süden bis es nicht mehr weitergeht. Die Straßen sind wenig befahren und es macht richtig Spaß, sich zwischen Palmen und Dschungel im Fahrtwind einen leichten Sonnenbrand zu holen. Wir verfuhren uns ein bisschen, dann wurde die Straße wieder exotischer und schließlich forderte eine Schotterpiste die Mopeds heraus, für die wir unsere Pässe hatten hinterlegen müssen. No risk, no fun. Alles blieb heil.


Koh Chang hat nicht dieselben ewig weiten Strände oder dasselbe türkisblaue Wasser zu bieten wie die Inseln im Süden Thailands, aber dieser Strand war die Mühe auf jeden Fall wert. Und am Ende hatten wir ganze eineinhalb Stunden, um Long Beach zu genießen und dennoch pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zu sein.


Die letzten Tage unserer Reise waren eigentlich recht unproblematisch. Wir planten aber noch für zwei Tage erneut in das Chaos von Bangkok einzutauchen. Das Wunderbare an Thailand ist aber, dass man alles so arrangieren kann, um am Morgen direkt vor der Tür des Bungalow-Resorts in einen Minivan zu steigen und dann direkt über die Fähre bis nach Bangkok gefahren zu werden. Auf diesem Wege ließen wir das Dschungelparadies hinter uns und traten den letzten Weg in Richtung Deutschland an.


Donnerstag, 26. März 2015

Zu Besuch bei den Cham-Muslimen (Teil 11)

Unseren letzten Tag in Phnom Penh verbrachten wir mit einem Marktbesuch und einem kleinen Ausflug in den muslimischen Teil der Stadt. Im Grunde besteht das islamische Phnom Penh nur aus einer einzigen Straße, die parallel zum Fluss verläuft und von der links und rechts kurze Seitenwege abzweigen. Etwa zwanzig Minuten nördlich des Stadtzentrums reihen sich hier ein Dutzend Moscheen auf einer Strecke von circa zwei Kilometern aneinander. Michael hatte uns am Morgen verlassen und war an die Küste nach Sihanoukville weitergezogen, also waren wir für heute nur noch zu zweit. Marian gehört zu meinen fellow orientalists aus Tübinger Zeiten und war deswegen genauso interessiert an einem Abstecher zu den Cham-Muslimen.


Das muslimische Volk der Cham bildet nach den Vietnamesen die größte Minderheit in Kambodscha. Zu den genauen Zahlen gibt es sehr widersprüchliche Angaben, verlässliche Quellen gehen von 237.000 Muslimen in Kambodscha aus, was ungefähr 1,6% der Bevölkerung gleichkommt. Die hiesigen Cham werden seit den 1960er Jahren auch als Khmer Islam bezeichnet, um sie als Kambodschaner von den chinesischen und vietnamesischen Muslimen abzuheben. Sie besitzen eine eigene Sprache und Schrift und gehören größtenteils dem sunnitischen Islam an. Unter den Roten Khmer litten sie Seite an Seite mit allen anderen religiösen Kambodschanern. Nach eigenen Angaben wurden 132 Moscheen zerstört, nur 20 Geistliche überlebten das Terrorregime. Viele der modernen Moscheen wurden beim Wiederaufbau durch ausländische Gelder gefördert, so gibt es (wie vergleichbar z.B. auch in Bosnien nach dem Bosnienkrieg) einige von Saudi-Arabien finanzierte Moscheen.


Ein Tuk Tuk bringt uns durch die Vororte, wo sich wieder Textilfabriken und Tochterunternehmen vietnamesischer Lebensmittelhersteller zwischen Straße und Fluss drängen. Vor einer Moschee lässt er uns absteigen. Wir haben uns bei der größten Hitze trotzdem Jeans angezogen, um nicht in Shorts durch die Gotteshäuser tingeln zu müssen. Pünktlich zum Nachmittagsgebet kommen wir an und setzen uns in den hinteren Teil der Moschee, während sich die vorderen Reihen mit Gläubigen füllen. Einige kleine Jungen, vermutlich Koranschüler, scheinen noch nie Ausländer aus dem Westen gesehen zu haben und halten es nicht so genau mit Disziplin und Ernsthaftigkeit beim Gebet. Als wir wieder gehen spricht uns jemand von den erwachsenen Männern an und fragt freundlich, woher wir kommen. Natürlich interessiert es ihn auch, ob wir Muslime sind, er verabschiedet uns nach einem sehr kurzen Gespräch mit „Welcome to Cambodia“ und erstattet seinen Freunden Bericht.


Wir spazieren die Straße entlang. Nirgendwo sonst in Phnom Penh sieht man Frauen mit Kopftuch oder Männer mit langen Gewändern und Käppchen. Das muslimische Leben scheint sich ausschließlich in dieser Gegend abzuspielen. Vor den Eingängen fehlen die kleinen Geisterhäuschen, die man überall sonst findet, und es gibt eine Vielzahl von Koranschulen und religiösen Einrichtungen. Viele Cham-Muslime leben vom Fischfang. In einer unscheinbaren Einfahrt auf der flussabgewandten Seite befindet sich das Amt des Muftis von Kambodscha, der höchsten religiösen Autorität. Die Männer an der Rezeption beäugen uns misstrauisch, während wir uns draußen den Schaukasten mit den angepinnten Fotos des letzten großen Projektes mit Malaysia anschauen. Wieder fragt jemand, was uns hierher verschlagen hat, und wieder geben wir Auskunft. Im Erdgeschoss soll gleich der Englischunterricht stattfinden.


Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir zu oft eher die Rolle des passiven Beobachters zufällt, der die Szene überfliegt und dann zum nächsten Ort weiterzieht. Zum Glück ist Marian da anders und fragt, ob wir uns den Unterricht mal anschauen können. Wir müssen kurz auf die Lehrerin warten, die zwei Minuten später auf ihrem Moped angeflogen kommt. Die kleine Frau mit den stets vor Erstaunen geweitetem Augen und dem schwarzen Khimar, einem langen Kopftuch, ist von der Idee begeistert. Da wir Ausländer seien, hätten wir eine bessere Aussprache („prrrrronunciation“) als die Kambodschaner, meint sie und beschließt, dass heute wir den Unterricht durchführen. Die Lehrerin schaut uns perplex und abermals mit großen Augen an, als wir ihre Frage ob wir Muslime seien verneinen, aber das scheint nicht allzu schlimm zu sein. Wir stellen uns zunächst vor, Marian glänzt mit seinem Arabisch und dann lassen wir die Jungen und Mädchen, die wohl zwischen 15 und 18 Jahren alt sind und getrennt nach Geschlechtern vor uns sitzen, Fragen stellen. Die meisten trauen sich nicht richtig und die Lehrerin verkündet fast schon drohend, dass dies eine einmalige Chance sei – schließlich seien wir die ersten Ausländer in ihrem Unterricht, nach dem Mann aus Pakistan, der vor zwei Monaten zu Gast war. Nach und nach kommen dann doch in äußerster Höflichkeit gestellte Fragen, hauptsächlich von den jungen Männern: Wo kommt Ihr her? Warum seid Ihr hier? Wie gefällt Euch Kambodscha? Ein Mädchen fragt wie groß wir eigentlich seien, was für ein paar Lacher sorgt. Die meisten Fragen drehen sich aber um die Religion: Wenn Ihr Euch doch mit dem Islam beschäftigt, wieso seid Ihr dann noch nicht konvertiert? Was denkt Ihr über den Islam? Welchen Eindruck habt Ihr von Muslimen? Wir finden diplomatische Antworten und erzählen ein wenig von Deutschland. Leider vergesse ich Fotos zu machen, denn der Unterricht nimmt ein abruptes Ende, als die Lehrerin nach einer Dreiviertelstunde gehen muss. Vorher lädt sie uns aber noch für irgendwann zu sich nach Hause ein. Da wir dankend ablehnen, weil für den Folgetag schon die Weiterfahrt nach Thailand geplant ist, ruft sie einen „Bruder“ an, der mit uns reden soll. Über Islam natürlich. Wir wissen nicht, ob er ihr wirklicher Bruder ist oder nur in religiösen Dingen, doch er heißt Said und kommt mit dem Moped, auf das wir uns zu dritt setzen. Nur eine kurze Strecke ist es bis zu der großen Wiese hinter dem Viertel, in dem das Amt des Muftis liegt, und wir steigen ab.


Der Bruder kann nur Arabisch und weiß erst nicht so recht, was er mit uns anfangen soll. Auf der Fläche wird Fußball gespielt, in einem verschmutzten Wasserloch am Rande plantschen ein paar Kinder. Der Mann holt einen Freund zur Hilfe, der Englisch spricht und interessanterweise in nächster Nähe zu unserem Hostel in einem anderen Hotel arbeitet. Wir fragen typische Recherchefragen: Wie viele Muslime gibt es in Kambodscha? Das entpuppt sich allerdings als sehr interessante Frage, denn die meisten Menschen in dieser Gegend scheinen die Zahl der Muslime deutlich zu überschätzen. Als ich in der Schule erzählte, in Deutschland seien fünf Prozent der Bevölkerung muslimisch, ging ein erstauntes Raunen durch die Reihen und erst als die Lehrerin übersetzte, dass Deutschland aber auch 80 Millionen Einwohner hätte, sah man Köpfe nicken. Auch der Mann auf der Fußballwiese behauptet, dass knapp die Hälfte der Kambodschaner muslimischen Glaubens sei. Ich erkläre mir diese Überschätzung am ehesten mit der Tatsache, dass das muslimische Viertel von Phnom Penh tatsächlich sehr isoliert ist. Die Menschen bleiben unter sich und kommen vermutlich eher selten aus ihrer Welt heraus.
Vor einer anderen Moschee machen wir Abschlussfotos mit Said und lassen uns von einem Tuk Tuk wieder in die Stadt bringen. Irgendwie war das ganze ziemlich surreal und obwohl der Fernbus aus und nach Siem Reap genau durch diese Gegend fährt kommt es uns vor, als seien wir die ersten Touristen auf diesem Fleckchen Erde gewesen. Der kurze Besuch war aber eines der Highlights unseres ganzen Urlaubs und schon am Abend hat Said die zwei Fotos mit uns auf Facebook hochgeladen.


Mittwoch, 25. März 2015

Die Killing Fields von Choeung Ek (Teil 10)

In der Geschichte des 20. Jahrhunderts stößt man in nahezu jedem Jahrzehnt auf von Menschen an Menschen verübte Verbrechen, im Krieg und zu Friedenszeiten. Es ist schlimm genug, wenn der Wert eines Menschenlebens nur auf dem Papier Relevanz besitzt. Schlimmer ist es aber, wenn sie offiziell von einer Ideologie als lebensunwert oder gar als Feinde der Gesellschaft in die Händen der Henker überliefert werden. Massenhaftes Morden und systematisches Totarbeiten gab es in britischen und belgischen Kolonien, zu Millionen in nationalsozialistischen Vernichtungslagern und auch in stalinistischen Gulags. Jahrzehnte nach dem Töten beginnt die Aufarbeitung jener Gleichgültigkeit, die diese Verbrechen oftmals hat geschehen lassen. Ein Ort des Gedenkens bei Phnom Penh sind die Killing Fields von Choeung Ek, denn auch Kambodscha war einst trauriger Schauplatz von zahllosen Massakern. Die Zäsur im nationalen Gedächtnis liegt noch keine siebzig Jahre zurück, viele Kambodschaner erinnern sich noch schmerzlich an die Tage des Vietnamkriegs und die Vorkommnisse dieser unübersichtlichen Zeit. Abseits der Schlagzeilen und unzugänglich für die meisten Journalisten errichteten die Roten Khmer ihr Terrorregime und gaben ihm den Titel Demokratisches Kampuchea. Unter der Führung von Pol Pot, einem gelernten Zimmermann und Privatschullehrer, ergriff die maoistisch-nationalistische Gruppe Mitte der Siebzigerjahre die Macht. Zahllose politische Gegner und jene, die das Regime als Feinde ausgemacht hatte, wurden in Lager deportiert und nicht selten umgebracht. Kambodscha hatte 1975 etwa acht Millionen Einwohner, von denen bis zu drei Millionen an den Strapazen und am Hunger während groß angelegter Umsiedlungsaktionen starben, oder in den kommunistischen Hinrichtungslagern.

Wir nehmen uns ein Tuk Tuk vom Hostel aus und brausen durch die belebten Straßen von PhnomPenh, zu den etwas außerhalb der Stadt gelegenen Killing Fields. Es geht vorbei an Autowerkstätten und durch ärmlichere Siedlungen, die sich jeweils dicht an die Hauptstraße drängen. Ab und zu führen dicke Abwasserrohre unter der Asphaltdecke hinunter zum Tonle Sap, um ihre giftige und bestialisch stinkende Mischung zuerst über die saftig grünen Reisfelder und schließlich in den Fluss zu entladen. Um unsere Motorradrikscha schwirren Mopeds und Lastwagen, irgendwann geht es aus der Stadt heraus auf eine staubige Straße in Richtung Süden und nach kurzer Fahrt kommen wir in Choeung Ek an.


Am Eingang werden wir mit einem Audio-Guide ausgestattet. Das Areal erkundet man schweigend zu Fuß, die deutsche Stimme im Ohr erzählt die Geschichte der Hinrichtungsstätte und der vielen Menschen, die in ihr umkamen. Alles ist sorgfältig aufgearbeitet. Man erfährt auch von den Anfängen der Roten Khmer und ihrem Führer, der unter der durch den Vietnamkrieg geschundenen Bevölkerung im östlichen Grenzgebiet großen Zuspruch fand. Pol Pot versprach den Menschen, die zum größten Teil in Armut lebten, vor allem Nahrung und Arbeit. In seiner Ideologie wurden die Städte als Wurzeln des Hungers ausgemacht, ihre Bewohner bezeichnete er als Parasiten. Privatbesitz wurde unter den Roten Khmer verboten und Geld abgeschafft, Religion wurde mit allen Mitteln bekämpft und Schulen wurden geschlossen. Pol Pot setzte seine Armee aus ungebildeten Bauern zusammen, unter denen er den Hass auf die Städter schüren konnte. Grausame Parolen versuchten schon am Anfang zu rechtfertigen, was später bittere Wahrheit werden sollte. Am 17. April 1975 eroberten die Roten Khmer die Hauptstadt und verschleppten daraufhin fast die gesamte Stadtbevölkerung aufs Land. Millionen Menschen in ganz Kambodscha wurden von den Machthabern entwurzelt und neuen Arbeitsbereichen im ganzen Land zugeteilt, wo sie auf den Reisfeldern arbeiten sollten. Durch die Vertreibung, das Chaos und den Hunger auf dem Land kamen Hunderttausende um. Die Getreideproduktion sollte verdreifacht werden, doch ein Großteil der Ernte wurde exportiert. Im Gegenzug erhielt die Führung Waffen und Vorräte von den Chinesen, während selbst die Arbeiter auf den Reisfeldern verhungerten. In den Internierungslagern, die übers ganze Land verteilt waren, wurden Millionen ermordet. Pol Pot war paranoid, Lehrer und Intellektuelle wurden kollektiv zum Tode verurteilt. Wer Fremdsprachenkenntnisse besaß war als Angehöriger der Bourgeoisie von vornherein verdächtig. Auch Menschen mit Brille und mit weichen Händen wurden zusammen mit politischen Gegnern zuerst in Gefängnissen interniert und dann in Lager wie Choeung Ek gebracht.


Choeung Ek war früher ein Obstgarten, auf dem Gebiet der Killing Fields befand sich ein Friedhof der örtlichen chinesischen Bevölkerung. Nach der Einrichtung des Hinrichtungslagers wurden die Ermordeten in Erdlöchern rund um die chinesischen Gräber verscharrt. An einer Stelle des Rundgangs wird an das Massengrab von 166 desertierten Soldaten der Roten Khmer erinnert. „Kambodschanischer Körper, vietnamesischer Kopf“, hieß es in der Staatspropaganda. In den Vietnamesen sahen die gleichfalls kommunistischen Roten Khmer den Feind der Stunde.


Über die Killing Fields verteilt gibt es auf 2,4 Hektar Land ganze 129 Massengräber, von denen nicht alle geöffnet wurden. Doch selbst dort, wo nur noch leere grasbewachsene Gruben den Grund durchlöchern, kommen auf den Wegen nach jedem Regenfall neue Knochen und Kleiderfetzen der Opfer ans Tageslicht. Die Stimme im Guide erklärt, man solle auf die Fragmente nicht treten und sie auch nicht aufheben. Alle paar Monate geht ein Team der Gedenkstätte über das Areal und sammelt die Überreste ein, um sie in zwei große Glaskästen zu legen.


Der Audio-Guide gibt Zeitzeugenberichte wieder von Menschen, die in Choeung Ek oder im Tuol-Sleng-Gefängnis (auch als S-21 bekannt) in Phnom Penh inhaftiert waren. Man erfährt, wie Häftlinge eigene Geschichten von nie verübten Taten erfinden und danach um Vergebung bitten mussten. „Wenn einem die Geschichten ausgingen, war die Zeit der Hinrichtung gekommen“, erzählt die Stimme eines Mannes namens Yuk. Nachts übertönten Lautsprecher mit Revolutionsliedern und das Rattern des Dieselgenerators die Schreie der Sterbenden. Zuletzt wurden auf den Killing Fields bis zu 300 Gefangene pro Tag hingerichtet.
Am Rande der Besichtigungstour steht ein alter Baum. Es ist der sogenannte Killing Tree, an den Aufseher die kleinen Kinder der weiblichen Häftlinge geschlagen hatten, bis sie tot waren. Taten, die an Grausamkeit kaum zu überbieten sind. Das Massengrab der Opfer liegt direkt daneben. An diesem Ort war der ehemalige Gefängnisleiter, bekannt unter dem Namen Duch, zusammengebrochen und hatte unter Tränen seine Taten gestanden, als er Jahrzehnte nach den Verbrechen selbst als Gefangener im Rahmen einer Tatortsichtung des Gerichts hierher gebracht wurde.


Noch im Jahre 1979 kam wenige Monate nach der Vertreibung der Roten Khmer durch die vietnamesischen Truppen die schreckliche Wahrheit ans Licht. Die Befreier fanden Grabhügel, die sich durch die Verwesungsgase gewölbt hatten. Bis heute wurden etwa 20.000 Massengräber in Kambodscha freigelegt, die meisten davon über das ganze Land verteilt in etwa 300 Hinrichtungsstätten. Es gibt auf den Killing Fields noch 40 ungeöffnete Gräber, doch der Gedenkstupa ist voll. Die Hüter von Choeung Ek, wie die Mitarbeiter der Gedenkstätte im Audio-Guide heißen, wollen die restlichen Opfer in Frieden ruhen lassen. Doch fast 9.000 Tote wurden noch 1980 der Erde entnommen und obduziert. Die Todesursachen wurden festgestellt. Was auf den Informationstafeln abstrakt dargestellt wird, kann und will man sich nicht vorstellen. Einschusslöcher im Kopf, mit Spitzhacken zertrümmerte Schädel. In der Gedenkpagode sind die Überreste der exhumierten Opfer gestapelt, auf 17 Stockwerken und sorgfältig nach Alter der Opfer angeordnet.


Aus europäischer Sicht eine etwas bizarre Art und Weise, den Ermordeten zu gedenken. Doch die Symbolik, die in der traditionellen Architektur der Pagode steckt und auch die Tatsache, dass man beim Betreten wie bei jeder heiligen Stätte in Südostasien die Schuhe auszieht, verleihen dem Ort den zu erwartenden Respekt.


Choeung Ek ist vielleicht einer der Orte wie Dachau und Auschwitz, die tatsächlich zum Nachdenken anregen. Doch wie die Stimme im Audio-Guide schon sagt: Die Verbrechen der Roten Khmer waren nicht die ersten Massenmorde der Welt und – wie uns die Geschichte zum Beispiel 1994 in Ruanda lehrte – auch nicht die letzten. In der Gedenkstätte von der Killing Fields drängt sich weniger die Frage nach dem Warum auf als vielmehr die Erkenntnis, dass es auch hier passiert ist. Während man nachdenklich zurück in die Stadt gefahren wird realisiert man, dass in Phnom Penh fast jeder Mensch über 40 in irgendeiner Weise von den Vertreibungen oder Morden durch die Roten Khmer betroffen gewesen sein musste. Die Täter von damals und ihre Taten sind bis heute in den Zeitungen des Landes präsent. Die Führungsriege der Roten Khmer wurde mit der Zeit von internationalen Gerichten unter kambodschanischem Vorsitz zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, die Nachfolgeprozesse laufen bis heute. Die Anführer der Roten Khmer lebten teilweise bis in die 1990er Jahre im Grenzgebiet zu Thailand, erst 1997 wurde Pol Pot von ehemaligen Mitstreitern aus seiner Führungsposition als „Bruder Nr. 1“ verdrängt. Kurz darauf beging er vermutlich Selbstmord, ohne dass er jemals für seine Taten zur Verantwortung gezogen worden wäre.


Dienstag, 24. März 2015

Phnom Penh, seine Straßen und Märkte (Teil 9)

Mein erster Eindruck von Phnom Penh, einer Stadt, der ich allein wegen des Namens schon immer einen Besuch abstatten wollte, war ein recht ernüchternder: Staubige Vororte, auffallend viel Müll und Dreck auf den Wegen, und je nach Stadtteil eine eigene penetrante Duftmarke, erbarmungsloses Manifest der Luft- und Umweltverschmutzung. Doch bei genauerem Hinsehen verspürt man ein gewisses Flair zwischen den nummerierten und rasterförmig angelegten Straßen, wo sich alle paar Meter entweder ein Restaurant mit westlichen Preisen findet oder aber ein Imbiss unter freiem Himmel. In einer gewöhnlichen Seitenstraße finden sich Reiseagenturen und Gästehäuser, kleine Ecksupermärkte und Gardinenläden, gleich neben zwielichtigen Bars und farbig ausgeleuchteten Bordellen. Auch gibt es in Phnom Penh mehr Obdachlose und Bettler als auf den bisherigen Stationen unserer Reise, doch man geht in der Regel respektvoll miteinander um: Der Wachmann, der auf seinem Plastikstuhl vor einer Bank den Nachtdienst antritt, hat Zeit für einen Plausch mit der obdachlosen Mutter, die an der Straßenecke gerade ihre drei Kinder in einem Verschlag aus Pappkartons und Moskitonetzen zur Ruhe gebettet hat. Da erscheint es noch surrealer, in einer amerikanischen Bar den Abend mit einem kühlen Bier ausklingen zu lassen, obwohl man sich auf eine sonderbare Art und Weise dennoch nicht fehl am Platze fühlt.

Wie überall ist man auch in Phnom Penh auf gnädige Tuk-Tuk-Fahrer oder zumindest gutes Schuhwerk angewiesen. Mopeds brausen umher und auch die eine oder andere Luxuskarosse, die sich wohl nur ein Staatsbediensteter leisten kann, parkt auf dem Bordstein.


In den 1970er Jahren litt Phnom Penh von alle Städten am meisten unter dem verheerenden Regiment der Roten Khmer (oder Khmer Rouge), der kommunistischen Bewegung unter ihrem Führer Pol Pot. Fast die gesamte Stadtbevölkerung wurde aufs Land verschleppt, tausende Menschen wurden in Internierungslagern ermordet. In Phnom Penh selbst litt neben den Menschen auch die Architektur unter den Kommunisten. Einer blutigen Kulturrevolution fielen vor allem Gebäude im französischen Kolonialstil und Tempel, aber auch Moscheen und Kirchen zum Opfer. Doch viele Relikte des Bauhaus und des Art déco sind erhalten geblieben, und manchmal lässt sich noch eine Ruine als verfallendes Erbe der Kolonialzeit identifizieren.


Die kambodschanische Hauptstadt liegt am Tonle Sap, einem aus dem gleichnamigen See gespeisten Fluss, in den heute aber viele Abwässer aus den Fabriken, die in Phnom Penh angesiedelt sind, geleitet werden. Die großen Textilproduktionen liegen nördlich und südlich des Stadtzentrums, am Flussufer im eigentlichen Stadtkern ermöglicht eine Promenade abendliche Spaziergänge, tagsüber bietet sie jedoch wenig Schatten.


Zur Tageszeit kann man den Königspalast gegenüber der Promenade besuchen, denn auch Kambodscha ist wie Thailand eine Monarchie. Auf der Suche nach den spärlichen (offen sichtbaren) Sehenswürdigkeiten der Stadt kommen sogar ganze Reisebusse hierher.


Nebenan steht das Wat Ounalom, ein durchschnittliches buddhistisches Kloster mit sorgfältig renovierten Gebäuden. Die Architektur ist nicht unbedingt außergewöhnlich, aber interessanterweise scheint die Tempelmauer ein ganzes Viertel einzuschließen. Dieses städtische Kloster muss einer Vielzahl von Mönchen und Novizen als Zuhause dienen.


Märkte gehören auf der ganzen Welt zu den wahren Attraktionen einer Stadt oder eines Dorfes, denn hier spielt sich das örtliche Leben für die Beobachtenden offensichtlich ab. Auf einem Markt wird normalerweise auch jede/-r Reisende fündig, sei er oder sie nun auf der Suche nach Souvenirs, reifen Mangos oder einfach nur einem Hauch exotischen Flairs. Und es gibt überall etwas zu essen…


An verschiedenen Orten der Stadt kann man auf Marktstraßen stoßen. Angrenzend an ein ostasiatisch geprägtes Viertel und umrahmt von chinesischen Goldhändlern liegt jedoch der große Zentralmarkt von Phnom Penh. Das riesige gelbe Art-déco-Gebäude wurde 1937 von den Franzosen auf einem trockengelegten Sumpf errichtet und beherbergt bis heute die unterschiedlichsten Geschäfte.


Direkt unter der großen Kuppel, die ein wenig an das Pantheon in Rom erinnert, werden Uhren, Schmuck und Silberwaren gehandelt. In den äußeren Bezirken des Gebäudes gibt es Textilien und billige Shirts, Räucherstäbchen und Porzellan, Gemüse und frischen Fisch. Sogar Hai kann man unter den Auslagen entdecken.


Kambodscha hat ein beachtliches Stück Küste und wird auch durch die Flüsse mit Fisch versorgt. Es ist also nicht verwunderlich, dass alle Arten von Seafood die Speisekarte um ein ordentliches Fischsortiment ergänzen. Auf dem Markt bekommt man das Abendessen noch lebend zu Gesicht.


Die Hygienestandards mögen andere sein als bei uns – was jedes Mal deutlich wird, wenn Fleisch ungekühlt an Haken unter der Decke hängt oder der einzige Widerstand gegen Keime und Insekten aus einem schwachen Ventilator mit Fliegenstreifen besteht. Doch auf dem Hauptmarkt bleibt nichts dem Zufall überlassen: Das kühlende Eis wird frisch angeliefert und rutscht als großer Block über eine Schiene zum Eisverkäufer, der es dann in handliche Stücke zerhackt und in Plastiktüten verpackt.


Man sollte Phnom Penh nicht unrechttun, indem man nur einen einzigen Tag bleibt und sich dann unbeeindruckt oder gar naserümpfend abwendet. Die Stadt bietet einen sicheren Hafen für Gourmets (so lange sie ausreichend Dollars in der Tasche haben) und stimmt nachdenklich, vor allem wenn man sich näher mit der Geschichte des Landes und seiner Leute beschäftigt. Eine Station auf unserer Rundreise waren auch die sogenannten Killing Fields außerhalb der Stadt, wo sich eines der Todeslager der Roten Khmer befand. Dorthin wollten wir einen Ausflug unternehmen, von dem ich in meinem nächstenBeitrag berichten werde.