Am 11. Mai 2014 fand in Halle und Leipzig die
Museumsnacht statt. In der Nacht zum Muttertag hatten insgesamt 78 Museen,
Gedenkstätten und Galerien ihre Tore geöffnet und lockten unter dem Motto „Lockstoffe“
tausende Besucher an. Da die Eintrittspreise zu einigen Museen in Leipzig
normalerweise nicht ganz günstig sind, bietet diese Nacht einmal im Jahr die
Möglichkeit, für wenig Geld alle interessanten Standorte abzuklappern. Es gibt
einen Shuttlebus zwischen Halle und Leipzig, die Straßenbahnen fahren bis tief
in die Nacht. Die meisten Orte hatten bis 1.00 Uhr geöffnet. Die „Runde Ecke“,
ehemalige Stasi-Zentrale, bot auf vier Etagen informationsreiche Ausstellungen
an, im Schulmuseum konnte man neben Artefakten aus dem Bildungswesen in
Kaiserreich, Nazizeit und DDR auch einen Extra-Saal zum Thema Friedliche
Revolution 1989 besichtigen. Eine Führung im Stadtgeschichtlichen Museum beschäftigt sich mit dem Thema Ehe und der absurd hohen Literzahl an Bier und Wein, die im 16. Jahrhundert auf einer Hochzeit in Leipzig versoffen wurde – Sachsen und andere ostdeutsche Regionen galten als "die großen Trinklande". Seife herstellen und Pillen pressen im
Apothekenmuseum, in die Geschichte des Verlagswesens und des Buchdrucks
eintauchen in der Deutschen Nationalbibliothek und die Räume des verwinkelten Cafés
„Zum Coffe Baum“ erkunden, wo das Kaffeemuseum interessante Fakten über die
Kaffeehäuser des 18. Jahrhunderts und ihr Klientel bereithielt. Woher kommt der Begriff Kaffeekränzchen? Und was haben die Hunde und Papageien zu bedeuten, die sich auf den Stichen aus jener Zeit zwischen der Kaffeehausgesellschaft verstecken? Ein bisschen
störend war der Regen, der wohl auch einige Besucher von einer ausgedehnteren
Tour durch die Städte abgehalten hat an dieser äußerst lehrreichen und bildungsaktiven Nacht
teilzuhaben.
Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Reiseberichte und Kommentare zu Politik und Gesellschaft.
Sonntag, 11. Mai 2014
Mittwoch, 7. Mai 2014
Nachrichten - nur mit Wodka und Krimsekt zu ertragen
Ab und zu
beobachte ich die Medien. Dabei mache ich das volle Programm durch: Ich glaube
alles, was man mir sagt. Ich bezweifle auch alles, was ich nicht hören will.
Ich schimpfe lautstark oder protestiere gegen das, was ich an Dummheit in den
Ansichten Anderer identifizieren zu können glaube. Und wenn extreme Meinungen
aufeinander prallen und sich benachteiligt fühlen, werde ich irgendwie sauer.
Irgendwie wissen immer zwei gegensätzliche Gruppen genau, wie der Hase läuft
und niemand bemerkt, wo er im Pfeffer liegt.
Jedenfalls,
das Thema „Russland und die Ukraine“ steckt voller Irrtümer. Der erste Irrtum
beherrscht die Meinung aufseiten vieler eher links eingestellter Menschen: „Europa
und die NATO betreiben Kriegshetze und wollen den Krieg!“, heißt es da. Ein
Irrtum? Ja, denn einmarschiert auf die Krim sind die Russen. Putin hat sogar
zugegeben, dass russische Soldaten hinter ihren Landsleuten auf der Krim
standen, als diese die Kontrolle an sich nahmen. Und was sich jetzt in der Ostukraine
abspielt, ist zu einem großen Teil dem Einfluss des übermächtigen Nachbarlandes
zu verdanken. Niemand zweifelt mehr ernsthaft daran, dass Russland seine Schäfchen
auf der grünen ostukrainischen Weide in jeder Hinsicht unterstützt. Doch in den
Augen vieler vor allem linker Friedensaktivisten ist es die EU, die einen Krieg
auf jeden Fall provozieren will. Vielleicht wurzelt diese Überzeugung noch aus
dem Glauben an den sozialistischen Grundsatz der Friedenspolitik: Der „Osten“
wollte immer den Frieden und trug zum Frieden in der Welt bei, während der
amerikanisch-kapitalistische Imperialismus um sich griff. Bis heute, sagen sie.
Und da sind
wir schon beim zweiten Irrtum, der sich sowohl auf Seiten der linken Aktivisten
als auch in der westlichen Politik wiederfindet: Es wird angenommen, dass
Russland in irgendeiner Weise noch immer die Sowjetunion und den Sozialismus
verkörpert, sozusagen als Gegenpart zur westlichen Hemisphäre, als Gegenpol des
hiesigen Lebensstils. Dabei wird grob übersehen, dass Russland zwar noch immer
den Kontrahenten der USA zu stellen versucht, das System als solches jedoch
näher am rechten als am linken Rand steht. Putins Präsentation als starker
Bärenjäger und freier Oberkörper der Nation erinnert zwar an die einstigen
Führungspersönlichkeiten der Sowjetunion, doch Führer hat es schon immer in
jeder politischen Extremen gegeben. Und Putins Partei „Einiges Russland“ hat mitnichten
den Sozialismus auf dem Programm…
Wie man es
dreht und wendet, es wird viel übereinander geredet, gegeneinander und
aneinander vorbei. Die einen sehen mit offensichtlicher Bestürzung – und mit
innerlicher Genugtuung –, dass die klaren Grenzen von damals nun endlich wieder
Gestalt annehmen. Gut und Böse, klar definiert in West und Ost. Die anderen
sehen das System, in dem sie leben und von dem sie profitieren, und seine
Verbündeten als eigentliches Übel an und stellen sich (wie so oft) provokant
auf die Gegenseite. Und beide Seiten fühlen sich in den Medien
unterrepräsentiert – ein klares Zeichen dafür, dass sich beide als Advokaten
derjenigen sehen, die hier gern die Opferrolle einnehmen. Für die Linken wird
Putin zum Heiligen, für die Konservativen ist er der Gestalt des Teufels
ähnlich. Und Obama? Kriegstreiber oder guter Samariter? Ansichtssache. Die
Revolutionsregierung in Kiew – Demokraten oder Nationalisten? Man könnte endlos
darüber streiten, was Frau Timoschenko in Wirklichkeit damit gemeint hat als
sie sagte, sie wäre bereit, Herrn Putin mit einer Kalaschnikow in den Kopf
schießen. Ein Gleichnis – oder eine Kriegserklärung?
Das Fazit
der letzten Tage, Wochen und Monate fällt einigermaßen deprimierend aus:
Politische Lösungen in Form von Sanktionen sind nutzlos. Illegitime
Volksbefragungen führen zu Annexionen von ganzen Landesteilen. Sturköpfe auf
allen Seiten noch dazu. Man findet sie in Washington, Paris und Berlin, in
Moskau und in Peking, am Persischen Golf und auch in Brüssel. Und die Opfer?
Die sterben in Syrien, massakrieren sich gegenseitig in Slawjansk oder
ertrinken auf dem Weg in ein besseres, aber dennoch beschissenes Leben im
Mittelmeer.
Und das
alles genau hundert Jahre nach 1914.
In aller
Welt rennen Außenminister wie z.B. Dr. Frank-Walter Steinmeier von einem
Kongress zum nächsten, um sich mit Historikern über das Pulverfass Europa zu unterhalten,
das zu Beginn des 20. Jahrhunderts explodiert ist. Doch Menschen scheinen nichts
aus der Geschichte zu lernen – oder zu wenig.
Oder das
Falsche.
Es nimmt
kein Ende, bis alle Passagiere in den oberen Decks des gleichen Bootes, in dem
wir ja bekanntlich alle sitzen, gelangweilt und jene auf den unteren Decks
entweder ausgeschifft haben oder ertrunken sind.
Je mehr man
darüber nachdenkt, desto weniger Lust hat man, sich die Nachrichten anzuschauen.
Wer sich dieser Tage als hoffnungsvoller Pazifist outet, muss sehr naiv sein. Dann
lasst uns doch mal alle zusammen naiv sein. Ich bin dabei.
Montag, 5. Mai 2014
Ausflug nach Torgau
Den ersten Teil meiner quasi mehrmonatigen Expedition
durch Sachsen bildete vor ein paar Wochen ein Ausflug in das Städtchen Torgau, etwa
50 Kilometer nordöstlich von Leipzig. Der Bahnhof empfängt mich wie jeder
andere mehr oder weniger ländliche Bahnhof auch: trostlos und in bahnhöflicher
Nostalgie. Und genau das gefällt mir immer wieder.
Ein kurzer Regenschauer treibt die Leute
unter das Vordach der winzigen Wartehalle, wo man sich ein Schnitzel im
Brötchen bestellen kann, frisch aus der Tiefkühltruhe und ab in die Pfanne.
Über eine Allee geht es in Richtung Stadt. An
diesem Ostermontag ist nicht viel los. Gleich am Ortseingang liegt der
sowjetische Soldatenfriedhof aus dem Zweiten Weltkrieg.
Kaum jemand ist unterwegs. Die Kopfsteinpflasterstraßen
sind mehr oder weniger leer. Ein älterer Herr mit Sakko schlendert durch die
Gegend und fühlt sich von mir beobachtet.
Ich gehe in die Touristeninformation und hole
mir ein bisschen Literatur. Torgau und Luther. Torgau und die sächsischen
Burgen. Torgau und das DDR-Jugendumerziehungslager. Hier kann man auf den
Spuren der Geschichte wandeln. Es gibt immer irgendwo ein Haus, in dem Luther mit
Melanchthon über seine Thesen diskutiert hat.
Meine Kamera macht sich daran, noch ein wenig
Architektur einzufangen. Schloss Hartenfels, in dessen Burggraben sich zur
richtigen Zeit Braunbären zeigen.
Die spätgotische Marienkirche, in der Luthers
Ehefrau und Witwe Katharina von Bora begraben liegt.
Das slawische Wort torgov, von dem sich der
Name der Stadt ableitet, bedeutet so viel wie „Marktort“. Torgau hat eine
bewegte Geschichte, geprägt von neuzeitlichen Kriegen, Reformation und Hexenverbrennungen.
Die meisten, denen die Stadt ein Begriff ist, kennen sie jedoch aus den
hinteren Kapiteln der Geschichtsbücher: An der Elbe bei Torgau trafen 1945 die
Sowjets und die Amerikaner zusammen, auf ihrem Weg durch Deutschland.
Der Elbe Day erinnert an den 25. April 1945,
an dem sich Soldaten zweier gegensätzlicher und doch verbündeter Staaten gegenüberstanden.
Der genaue Ort des Zusammentreffens befindet sich eigentlich 30 Kilometer
flussaufwärts, bei Strehla. Das Denkmal hat man jedoch hier gesetzt.
Der Text zeugt davon, dass sich Torgau nach
dem Zweiten Weltkrieg auf der anderen Seite der innerdeutschen und innereuropäischen
Grenze wiederfand:
„Ruhm und Ehre der siegreichen Roten Armee und
den heldenmütigen Truppen unserer Verbündeten die den Sieg über das
faschistische Deutschland erkämpft haben.“ Und darunter auch auf Englisch: „Glory
to the victorious Red Army…“
Der Fluss selbst, die Elbe, bietet allerdings
kein sonderlich majestätisches Bild. Das etwas verschlafene Städtchen Torgau war
seinen Besuch jedoch wert.
ORIENTier Dich! - Das 6. Studentische Symposium der Islamwissenschaft
Normalerweise macht man keine Werbung für
etwas, das schon gelaufen ist. Und trotzdem muss ich jetzt speziell jede/-n
Studierende/-n eines in irgendeiner Form orientalischen Faches darauf
hinweisen, dass man ein studentisches Symposium auf keinen Fall verpassen
sollte. Dieses Jahr haben sich engagierte Student*innen aus Tübingen bemüht,
das „6. Studentische Symposium der Islamwissenschaft und verwandter Fächer“ zu
einem wahren Fest aller Orientalisierenden werden zu lassen. Getreu dem Motto „ORIENTier
Dich!“ konnte man und frau sich für die anstehenden großen Arbeiten der
akademischen Karriere inspirieren lassen. Für Input war gesorgt: Die
Themengebiete reichten von der aktuellen Lage der Medienlandschaft in Ägypten
über interkulturelle Rhetorik bis hin zur arabischen Ausgabe von Hitlers „Mein
Kampf“ und dem Phänomen der deutschen Taliban am Hindukusch. Und neben den spannenden
oder zumindest unterhaltsamen Vorträgen aus allen Bereichen der Orientalistik gab
es natürlich auch was zu Essen. Nur das Wetter hätte auf jeden Fall besser sein
können, denn wenn man nach Tübingen kommt, will man natürlich auch Stocherkahn
fahren.
Eine Tagung ohne Professoren und Dozenten hat was
für sich. Es gibt nur wenig Entspannteres als sich in lockerer Atmosphäre bei
Tee, Bier und/oder einer Schischa zu vernetzen? Das nächste Symposium wird
nächstes Jahr in Marburg stattfinden. Orientalist_innen aller Länder, vereinigt
euch!
Sonntag, 27. April 2014
Halle (Saale)
An Ostern habe ich Verwandte in Halle (Saale)
besucht, einer Nachbarstadt von Leipzig. In meiner Kindheit war ich zwar einige
Male dort, an die Stadt selbst habe ich aber nur wenige Erinnerungen. Ohne
viele Worte möchte ich heute ein paar Bilder zeigen, um für den Tourismus in
Sachsen-Anhalt zu werben. ;)
Das typische Stadtbild zum Einstieg: Hausfassade
im Paulusviertel.
Ein Stück weiter in Richtung Innenstadt: Der
Wasserturm Nord wurde 1899 gebaut und ist 54 Meter hoch.
Schon 1886 eröffnet wurde die Oper. Heute ist
das Opernhaus Halle der einzige ausschließlich für Oper bestimmte Theaterbau in
Sachsen-Anhalt.
Der Marktplatz ist geprägt durch die
Marktkirche (rechts) aus dem 16. Jahrhundert und den 1506 vollendeten Roten
Turm (links). Zusammen bilden sie die fünf Türme, die die Stadtsilhouette von
Halle prägen.
Vor dem Roten Turm steht eine Rolandsstatue,
deren erste Version schon im 13. Jahrhundert als Zeichen der bürgerlichen
Freiheit, als Sinnbild für die Eigenständigkeit der Stadt und als Symbol für
die hohe Gerichtsbarkeit aufgestellt wurde.
Der „Stadtgottesacker“ ist auch relativ
sehenswert. Er wurde im 16. Jahrhundert nach dem Vorbild der italienischen
Camposanto-Anlagen angelegt.
In unmittelbarer Nähe: Kunst.
Und noch ein anderer Turm.
Montag, 21. April 2014
Leipzig
Messestadt, historisches Zentrum des Buchdrucks
und Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen 1989 – es gibt eine ganze Reihe
von Alleinstellungsmerkmalen, die diese Stadt auszeichnen. Und wer denkt,
Leipzig hätte nicht das Potenzial zur Weltstadt, der hat noch nicht den
imposanten Hauptbahnhof gesehen: Unter dem größten Kopfbahnhof Europas
erstreckt sich auf zwei Etagen ein Shopping-Areal, in dem man auch an
Feiertagen fündig werden kann und wo außerdem jeder hungrige Magen gefüllt
wird.
Freitag, 21. März 2014
Kalinka, kalinka
(„Muss man sich als Blogger eigentlich auch mal
zum Thema Ukraine äußern?“ – „Eigentlich schon…“ – „Och Menno…“ – „In drei,
zwei eins…“)
Oh… (räusper) – Liebe Mitbeobachterinnen und Mitbeobachter,
unser Außenminister hat in
den letzten Monaten zahlreiche Grußworte gehalten, nicht selten zu
Veranstaltungen mit Titeln wie „1914 – Versagen der Demokratie?“ Der Beginn des
Ersten Weltkriegs ist hundert Jahre her. Man diskutiert, man gedenkt – und man
rasselt wieder mit den Säbeln. Wie selbstverständlich wägt man in den Medien ab, ob es zum
Krieg zwischen der Ukraine und Russland kommen könnte. Ob die Ukraine genug
Soldaten hätte und wo diese stationiert sind. Muss sich angesichts dieses
Szenarios nicht jede/r gedenkende und geschichtsbewusste Europäer/in vor
den Kopf gestoßen fühlen?
Doch was soll Europa anderes
tun, als die Russen – oder sollte ich vielleicht eher sagen „den Russen“ – aus den
G8 rauszuwerfen? Wie erwehrt man sich eines drachenreitenden und mit den Händen
fischenden Schutzpatron, der verliehene Halbinseln mit herrlichen, von
Kriegsschiffen besiedelte Häfen zurück haben will? Um die russische Mehrheit
auf der Krim vor Kiewer Nationalisten zu schützen, glieder man das Gebiet kurzerhand.
Natürlich, wo sich eine
Revolution auf offenen Plätzen abspielt, besteht immer die Gefahr, dass
faschistische Visionäre ihre Fäuste schwingen und mit denselben zum Beispiel Rundfunkchefs
aus dem Amt winken. Kann man auf sowas überhaupt angemessen reagieren?
Die Angliederung der Krim an
Russland geschah ganz schnell. Schön demokratisch sogar, per Volksabstimmung.
Zumindest wenn Demokratie bedeutet, dass ich ein Rathaus besetzen und dann das
Volk über den weiteren Verbleib einer Region befragen kann. Und Schwuppdiwupp –
gehört man zur Russischen Föderation. Wieso lang verhandeln. Und als Bonus gibt’s
einen Haufen ukrainischen Altmetalls, die in Sewastopol neben den russischen
Schiffen vor Anker liegende Marine. War früher sowieso alles russisch.
Ich will gar nicht erst
anfangen, irgendwie rational zu argumentieren. Im Grunde reden sowieso wieder
fast alle aneinander vorbei. In Europa kann man nur schwer
nachvollziehen, dass die meisten Russen Putin lieben, weil er so ist wie er
ist. Und dass Revoluzzerinnen wie Pussy
Riot die meisten Einwohner Russlands eher kalt lassen. Hierzulande wurden die ersten
Diskussionen schon gestartet, Botschafter wurden geladen,
Expertinnen und Experten durften Stellung beziehen.
„Stellung beziehen“ – das werden letztendlich sowieso nur die Amerikaner, und zwar mit ihren Raketenabwehrschirmen in der Ukraine, die ab dann europäischer denn je sein wird. Und da Putin das nicht leiden kann, hält er wacker dagegen. So erklären sich die beiden mutmaßlich mächtigsten Männer der Welt, Barack und Wladimir, gegenseitig das Völkerrecht und ihre jeweilige Auslegung.
Und im Westen glauben immer noch einige wenige, dass es um mehr ginge als nur um Öl und Gas.
„Stellung beziehen“ – das werden letztendlich sowieso nur die Amerikaner, und zwar mit ihren Raketenabwehrschirmen in der Ukraine, die ab dann europäischer denn je sein wird. Und da Putin das nicht leiden kann, hält er wacker dagegen. So erklären sich die beiden mutmaßlich mächtigsten Männer der Welt, Barack und Wladimir, gegenseitig das Völkerrecht und ihre jeweilige Auslegung.
Und im Westen glauben immer noch einige wenige, dass es um mehr ginge als nur um Öl und Gas.
Vielleicht wird es nur noch
wenige Wochen dauern, bis die gute alte Weltordnung wieder hergestellt ist: „Der
Russe“ ist wieder da. Und plötzlich nehmen wir all die kleinen Maßnahmen hin, die doch nur für unsere eigene Sicherheit da sind. Denn gerne schließen
wir uns Franz Josef Wagner an, der irgendwann letztes Jahr in der BILD
erklärte: „Ich mag die Überwachung, sie ist ein Schutz. Ich bin lieber
überwacht als tot.“ Recht hat der Mann. Oder?
Wir sollten froh sein über
die aktuellen Vorkommnisse und den Weg, den sie nehmen könnten. Immerhin wird jedes
Schießgewehr, jede Patrone und jedes Panzerfahrzeug, das Putin auf der Krim
stiehlt, von unserer bundesdeutschen Waffenindustrie wieder angeschafft. Es
geht bergauf mit der Wirtschaft Europas. Zumindest was die Rüstung angeht. Und
zumindest für Deutschland.
Samstag, 15. März 2014
Teil 7: Maskat zwischen Alt und Neu
In meinem letzten Beitrag möchte ich noch ein bisschen was von Alt-Maskat zeigen. Südlich von Matrah liegt die ursprüngliche Wiege der Stadt, weitab der wirtschaftlichen und administrativen Zentren im Nordosten. Dafür findet sich hier neben weißen Häusern auf braunem Grund einer der sieben Paläste des Sultans sowie das Finanzministerium des Oman, zwischen mehreren portugiesischen Festungstürmen und den üblichen spitzen Felsen.
Der Palast stellt einen ziemlichen Kontrast zur Altstadtkulisse dar.
In Alt-Maskat sollte man auf
jeden Fall mal einen kleinen Snack gegessen und einen Spaziergang entlang der
Hauptstraße gemacht haben. Wer sich einen wirklich umfassenden Überblick über
die omanische Kultur mitsamt ihrer Trachten, Krummdolche und Jubiläumsbriefmarken
machen will, darf das Bait az-Zubayr auf keinen Fall verpassen. Ein modernes
Museum, gut sortiert und ausreichend auf Arabisch und Englisch beschriftet. Anders
als im ebenfalls sehr modernen Bait al-Baranda in Matrah, das von den meisten
Besuchern als besonders sehenswert angepriesen wird, findet man hier weniger Beamer
und Halbdunkel, sondern authentische Darstellungen eines reichen kulturellen
Erbes in lichtdurchfluteten Räumen. Leider ist das Fotografieren nicht
gestattet, deshalb müsst Ihr wohl selbst mal hingehen und es euch anschauen…
Und draußen heißt einen
Sultan Qaboos willkommen – wie fast überall im Land.
In Alt-Maskat findet sich
auch das Omani French Museum, das wir nicht besucht haben, in dem Gebäude des
ehemaligen französischen Konsulats.
Matrah ist sehr geschäftig,
Alt-Maskat hingegen hat die Ruhe weg. Hier versammeln sich abends die Kinder
und Jugendlichen der Nachbarschaft zum Fußballspielen, die älteren Herren
sitzen auf Parkbänken und beobachten das Treiben.
Auf dem Rückweg ins Hotel
kamen wir an der Küstenstraße noch an einem Ort vorbei, an dem man wunderbare
Fotos machen kann vom Hafen in Matrah. Der Sonnenuntergang tat dann das
Seinige, um die Berge im Hintergrund in ihrem Dunst irgendwie geheimnisvoll
erscheinen zu lassen.
Und so ging der Oman-Urlaub
mit meiner Familie langsam auch zu Ende. Da ich schon vor den anderen angekommen war,
flog ich auch fast einen Tag später in Richtung Frankfurt. Somit hatte ich einen freien Tag. Meine letzten Stunden verbrachte ich in Matrah beim Teetrinken, überlebte die ereignislose Mittagspause
und brach dann nach ein bisschen Souvenir-Shopping auf zum Flughafen. Bilal,
mein Taxifahrer, liebte omanische Marschmusik. Der erste seiner Sorte, den ich
getroffen habe. Er hat die Melodie mitgesungen, als wir uns durch den
abendlichen Feierabendverkehr gedrängelt haben, vorbei an den
Diplomatenvierteln und den Malls. In einigen großen, aber nicht abgehobenen
Einkaufszentren kann man abends gut und günstig essen. Im Roadside Diner trifft sich die junge Generation, zu moderner Musik,
im Halbdunkel. Alkohol braucht hier niemand. Auf den vollen Parkplätzen am Rand
der Schnellstraße sitzen junge Männer in offenen Kofferräumen, der eine oder
andere demonstriert die Leistungsfähigkeit seines Motorrads. Mein Taxi rauscht
vorbei. Ein letzter Blick auf die Lichter der Ministerien und der Oper, die an
der Autobahn zum Flughafen stehen, dazu die Geräuschkulisse von teuren Autos
und Militärmärschen. Irgendwie surreal. Erst am Flughafen, als ich mir zwischen
den hunderten Indern, die nach Delhi, Hyderabad und Chennai flogen, einen Platz
suchte, kam ich wieder in der Realität an – und nach Station in Abu Dhabi und
Frankfurt am Main dann schließlich auch wieder in meiner schwäbischen Heimat…
:)
Ich hoffe, ich konnte bei
einigen von euch das Reisefieber wecken und ein paar Eindrücke eines Landes
vermitteln, das faszinierend, ziemlich sauber und irgendwie… anders ist.
Freitag, 14. März 2014
Teil 6: Urlaubsparadiese
So, und nun möchte ich meine
Leser mal mit ein wenig traditionellem Urlaubsfeeling anstecken. Im Oman kann
man sich nämlich auch aller von mir favorisierten alten Hausfassaden und
Lehmfestungen wunderbar in der Sonne brutzeln lassen. Einigen ist wahrscheinlich
das Al Bustan Palace ein Begriff,
das mit fünf Sternen gekrönte Ritz-Carlton Hotel etwas südlich von Maskat. Eine
Übernachtung in diesem Palast, in dem die Empfangshalle schon 38 Meter hoch ist,
kostet bis zu 450 €.
„Normale“ Menschen wie Du und
ich können in der Lobby gemütlich einen Kaffee trinken – was wir auch gleich
gemacht haben. Arabischer Tee, Kaffee mit Gebäck und kreative Lachs- oder
Gurken-Sandwiches sind nicht gerade billig, aber doch nicht unerschwinglich.
Und in diesem Umfeld schmeckt es noch gleich viel besser.
Das Al Bustan Palace Hotel wurde
1985 anlässlich eines Treffens des Golfkooperationsrates gebaut und 2008
aufwändig renoviert. Die Inneneinrichtung der Lobby verweist wieder auf die
Verbindung zwischen Tradition und Moderne, die Verbundenheit zum islamischen
Erbe wird durch die Dekoration an vielen Stellen deutlich.
Im August kann man hier auch
schon für 200 € die Nacht einziehen – allerdings ist dieser Monat für
Oman-Reisen nicht wirklich zu empfehlen. Die Temperaturen erreichen hier mitunter
Spitzenwerte von bis zu 47 Grad…!
Natürlich kann man in und um
Maskat auch anders nobel wohnen. Mein Vater musste als Reiseveranstalter
natürlich gleich mal alle relevanten Hotelanlagen auschecken. Und auch ich
schaue mir gerne an, wo ich wohnen könnte – wenn ich könnte.
Da gibt es noch die
Shangri-La-Hotelkette mit dem Al-Husn
oder dem Al-Bandar. Die Anlage
besteht aus drei Hotels mit jeweils eigenem Strand, guten Restaurants und sogar
einem sogenannten Oman Heritage Village
– ein Nachbau typisch omanischer Architektur. Für alle jene, die keine Fuß vor
ihren Tempel der Erholung setzen wollen…
Zentraler in Maskat liegt
das Crowne Plaza, von dem es sogar
einen Shuttle-Service in die historischen Stadtzentren gibt.
Gemütlicher und heimeliger ist da die Villa Shams, in der wir „residiert“
haben. Hier nur ein kleiner Eindruck.
Doch wie wäre es mal mit ein
paar Bildern vom Meer? Voilà, der Indische Ozean.
Und baden kann man natürlich
auch ohne den Privat-Strand irgendeines Hotels.
Teil 5: Ausflüge ins Hinterland
Wo Benzin so billig ist, kann
man sich auch eine Fahrt durch die Berge leisten. Das Hinterland der Region
Maskat bietet neben frisch geteerten Straßen auch ein unglaubliches Panorama. Hier
kann ich endlich noch ein paar Bilder loswerden…
Wir machen uns auf den Weg
nach Nizwa, einer uralten Oasenstadt. Dort wird jeden Freitag der Viehmarkt abgehalten,
wo Kühe, Ziegen und Schafe begutachtet werden und dann manchmal den Besitzer
wechseln.
Pickups und Transporter mit größeren Ladeflächen kommen aus den
umliegenden Ortschaften und bevor die Mittagshitze ins Unerträgliche steigt,
werden die Geschäfte abgewickelt. Um 11.30 Uhr ist wieder Schluss.
Nizwa ist Anziehungspunkt für
Oman-Besucher. Der Viehmarkt, der große Souk und die Festung aus dem 17.
Jahrhundert bieten gute Fotomotive und vor allem Originalität. Trotz vieler
Besucher geht das Leben in der Stadt seinen Gang. Abseits der touristischen Marschroute
zwischen Souk, Fort und einigen Souvenirläden kann man einen authentischen
Kaffee auf einem orientalischen Plastikstuhl in einer schmucklosen Bude
genießen.
In diesen bergigen Regionen
am Rand zur Wüste kann man vor allem die größeren und kleineren Oasenstädte
abklappern, die mit einer Vielzahl von Lehmfestungen oft ähnliche, aber immer
wieder faszinierende Motive bilden.
Interessant ist, dass im Oman
in den letzten Jahrzehnten ein Bauboom eingesetzt haben muss, denn an den
größeren Überlandstraßen hat man stets eine gute Sicht auf die Vielzahl von Einfamilienhäusern,
die überall entstehen. Jedes dieser Häuser ist anders und ein gewisser guter
Geschmack macht sich bemerkbar. Verschiedenfarbige, meist ein oder
allerhöchstens zweistöckige Anwesen, umschlossen von einer Mauer. Fast alle
haben einen turmähnlichen Aufbau in ihrer Mitte. Dabei handelt es sich um einen
Windturm – ein Bauelement, das ursprünglich aus Persien stammt und ursprünglich
der Belüftung des Hauses diente. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das
heute noch so funktioniert oder ob diese Türme einfach als traditionsreiches architektonisches
Charakteristikum dienen. In Abu Dhabi gibt es z.B. auch „Windtürme“, in denen
heute allerdings die Heizungsanlage untergebracht ist…
Auf dem Weg durch das
westliche Hadschar-Gebirge stößt man auf viele der schon erwähnten Festungen. Zuerst
haben wir das Fort von Nakhl besucht, das am Rande einer Oase mit warmen
Quellen liegt. Einzelne Räume sind beschrieben und größtenteils sogar möbliert,
sodass man nachvollziehen kann, wo sich einst das Zimmer des Walī, des Gouverneurs,
befand und wo der Lagerraum für die Datteln. Diese Festung ist auch Ziel zahlloser
Busse, die europäische Touristen auf Landgang aus Maskat hierher bringen. Uns
sind ca. 150 Spanier und Franzosen von der MSC über den Weg gelaufen.
Am eindrucksvollsten ist die
gewaltige Burg von Rustaq.
Sie ist frisch restauriert und war zu unserem Erstaunen völlig frei von ausländischen Besuchern. Anders als in Nakhl sind die Räume und Gänge so angelegt, dass man sich in einem Labyrinth verlaufen kann.
Die Burg ist außerdem viel größer. Sie liegt an einer
Wasserquelle, über der sich ein innenhofartiger Schacht befindet und zu der man
über eine Treppe hinuntersteigen kann. Wir sind allerdings weiter nach oben
gestiegen und haben die Krone des Turms erklommen.
Alles in allem sehr
beeindruckend. Eine Fahrt quer über Land lässt spüren, dass der Oman in seinem
Inneren mit seinen Oasen einen irgendwie anderen Charakter hat als in den
Küstenstädten. Zudem ist man hier noch weniger den Anblick von Touristen
gewohnt. Es ist aber sehr angenehm, dass Fremde im Oman eigentlich nie angestarrt
und/oder belästigt werden. Das Leben geht auch mit den wenigen Touristen, die sich
mittlerweile ins Landesinnere verirren, normal weiter. Freitags strömen die
Menschen zum Gebet in die Moschee – zu Fuß oder mit dem Auto. Die Parkplätze
und freien Stellen vor den größeren Moscheen sind belegt. Als das Freitagsgebet
zu Ende ist, kann man an den Ortsausgängen schon fast von Stau oder zumindest
stockendem Verkehr sprechen.
Die Berge, die verschiedenen
Farben bei unterschiedlicher Sonneneinstrahlung, die Palmenhaine – eine beeindruckende
Mischung aus grün, grau und braun. Und immer wieder lehmige Festungen, Zeugen
aus islamischer und vorislamischer Zeit.
Und: Ab und zu sogar mal ein
Kamel!
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