Sonntag, 11. Mai 2014

Museumsnacht in Halle und Leipzig 2014

Am 11. Mai 2014 fand in Halle und Leipzig die Museumsnacht statt. In der Nacht zum Muttertag hatten insgesamt 78 Museen, Gedenkstätten und Galerien ihre Tore geöffnet und lockten unter dem Motto „Lockstoffe“ tausende Besucher an. Da die Eintrittspreise zu einigen Museen in Leipzig normalerweise nicht ganz günstig sind, bietet diese Nacht einmal im Jahr die Möglichkeit, für wenig Geld alle interessanten Standorte abzuklappern. Es gibt einen Shuttlebus zwischen Halle und Leipzig, die Straßenbahnen fahren bis tief in die Nacht. Die meisten Orte hatten bis 1.00 Uhr geöffnet. Die „Runde Ecke“, ehemalige Stasi-Zentrale, bot auf vier Etagen informationsreiche Ausstellungen an, im Schulmuseum konnte man neben Artefakten aus dem Bildungswesen in Kaiserreich, Nazizeit und DDR auch einen Extra-Saal zum Thema Friedliche Revolution 1989 besichtigen. Eine Führung im Stadtgeschichtlichen Museum beschäftigt sich mit dem Thema Ehe und der absurd hohen Literzahl an Bier und Wein, die im 16. Jahrhundert auf einer Hochzeit in Leipzig versoffen wurde – Sachsen und andere ostdeutsche Regionen galten als "die großen Trinklande". Seife herstellen und Pillen pressen im Apothekenmuseum, in die Geschichte des Verlagswesens und des Buchdrucks eintauchen in der Deutschen Nationalbibliothek und die Räume des verwinkelten Cafés „Zum Coffe Baum“ erkunden, wo das Kaffeemuseum interessante Fakten über die Kaffeehäuser des 18. Jahrhunderts und ihr Klientel bereithielt. Woher kommt der Begriff Kaffeekränzchen? Und was haben die Hunde und Papageien zu bedeuten, die sich auf den Stichen aus jener Zeit zwischen der Kaffeehausgesellschaft verstecken? Ein bisschen störend war der Regen, der wohl auch einige Besucher von einer ausgedehnteren Tour durch die Städte abgehalten hat an dieser äußerst lehrreichen und bildungsaktiven Nacht teilzuhaben.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Nachrichten - nur mit Wodka und Krimsekt zu ertragen

Ab und zu beobachte ich die Medien. Dabei mache ich das volle Programm durch: Ich glaube alles, was man mir sagt. Ich bezweifle auch alles, was ich nicht hören will. Ich schimpfe lautstark oder protestiere gegen das, was ich an Dummheit in den Ansichten Anderer identifizieren zu können glaube. Und wenn extreme Meinungen aufeinander prallen und sich benachteiligt fühlen, werde ich irgendwie sauer. Irgendwie wissen immer zwei gegensätzliche Gruppen genau, wie der Hase läuft und niemand bemerkt, wo er im Pfeffer liegt.
Jedenfalls, das Thema „Russland und die Ukraine“ steckt voller Irrtümer. Der erste Irrtum beherrscht die Meinung aufseiten vieler eher links eingestellter Menschen: „Europa und die NATO betreiben Kriegshetze und wollen den Krieg!“, heißt es da. Ein Irrtum? Ja, denn einmarschiert auf die Krim sind die Russen. Putin hat sogar zugegeben, dass russische Soldaten hinter ihren Landsleuten auf der Krim standen, als diese die Kontrolle an sich nahmen. Und was sich jetzt in der Ostukraine abspielt, ist zu einem großen Teil dem Einfluss des übermächtigen Nachbarlandes zu verdanken. Niemand zweifelt mehr ernsthaft daran, dass Russland seine Schäfchen auf der grünen ostukrainischen Weide in jeder Hinsicht unterstützt. Doch in den Augen vieler vor allem linker Friedensaktivisten ist es die EU, die einen Krieg auf jeden Fall provozieren will. Vielleicht wurzelt diese Überzeugung noch aus dem Glauben an den sozialistischen Grundsatz der Friedenspolitik: Der „Osten“ wollte immer den Frieden und trug zum Frieden in der Welt bei, während der amerikanisch-kapitalistische Imperialismus um sich griff. Bis heute, sagen sie.
Und da sind wir schon beim zweiten Irrtum, der sich sowohl auf Seiten der linken Aktivisten als auch in der westlichen Politik wiederfindet: Es wird angenommen, dass Russland in irgendeiner Weise noch immer die Sowjetunion und den Sozialismus verkörpert, sozusagen als Gegenpart zur westlichen Hemisphäre, als Gegenpol des hiesigen Lebensstils. Dabei wird grob übersehen, dass Russland zwar noch immer den Kontrahenten der USA zu stellen versucht, das System als solches jedoch näher am rechten als am linken Rand steht. Putins Präsentation als starker Bärenjäger und freier Oberkörper der Nation erinnert zwar an die einstigen Führungspersönlichkeiten der Sowjetunion, doch Führer hat es schon immer in jeder politischen Extremen gegeben. Und Putins Partei „Einiges Russland“ hat mitnichten den Sozialismus auf dem Programm…
Wie man es dreht und wendet, es wird viel übereinander geredet, gegeneinander und aneinander vorbei. Die einen sehen mit offensichtlicher Bestürzung – und mit innerlicher Genugtuung –, dass die klaren Grenzen von damals nun endlich wieder Gestalt annehmen. Gut und Böse, klar definiert in West und Ost. Die anderen sehen das System, in dem sie leben und von dem sie profitieren, und seine Verbündeten als eigentliches Übel an und stellen sich (wie so oft) provokant auf die Gegenseite. Und beide Seiten fühlen sich in den Medien unterrepräsentiert – ein klares Zeichen dafür, dass sich beide als Advokaten derjenigen sehen, die hier gern die Opferrolle einnehmen. Für die Linken wird Putin zum Heiligen, für die Konservativen ist er der Gestalt des Teufels ähnlich. Und Obama? Kriegstreiber oder guter Samariter? Ansichtssache. Die Revolutionsregierung in Kiew – Demokraten oder Nationalisten? Man könnte endlos darüber streiten, was Frau Timoschenko in Wirklichkeit damit gemeint hat als sie sagte, sie wäre bereit, Herrn Putin mit einer Kalaschnikow in den Kopf schießen. Ein Gleichnis – oder eine Kriegserklärung?

Das Fazit der letzten Tage, Wochen und Monate fällt einigermaßen deprimierend aus: Politische Lösungen in Form von Sanktionen sind nutzlos. Illegitime Volksbefragungen führen zu Annexionen von ganzen Landesteilen. Sturköpfe auf allen Seiten noch dazu. Man findet sie in Washington, Paris und Berlin, in Moskau und in Peking, am Persischen Golf und auch in Brüssel. Und die Opfer? Die sterben in Syrien, massakrieren sich gegenseitig in Slawjansk oder ertrinken auf dem Weg in ein besseres, aber dennoch beschissenes Leben im Mittelmeer.

Und das alles genau hundert Jahre nach 1914.

In aller Welt rennen Außenminister wie z.B. Dr. Frank-Walter Steinmeier von einem Kongress zum nächsten, um sich mit Historikern über das Pulverfass Europa zu unterhalten, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts explodiert ist. Doch Menschen scheinen nichts aus der Geschichte zu lernen – oder zu wenig.
Oder das Falsche.
Es nimmt kein Ende, bis alle Passagiere in den oberen Decks des gleichen Bootes, in dem wir ja bekanntlich alle sitzen, gelangweilt und jene auf den unteren Decks entweder ausgeschifft haben oder ertrunken sind.
Je mehr man darüber nachdenkt, desto weniger Lust hat man, sich die Nachrichten anzuschauen. Wer sich dieser Tage als hoffnungsvoller Pazifist outet, muss sehr naiv sein. Dann lasst uns doch mal alle zusammen naiv sein. Ich bin dabei.


Montag, 5. Mai 2014

Ausflug nach Torgau

Den ersten Teil meiner quasi mehrmonatigen Expedition durch Sachsen bildete vor ein paar Wochen ein Ausflug in das Städtchen Torgau, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Leipzig. Der Bahnhof empfängt mich wie jeder andere mehr oder weniger ländliche Bahnhof auch: trostlos und in bahnhöflicher Nostalgie. Und genau das gefällt mir immer wieder.


Ein kurzer Regenschauer treibt die Leute unter das Vordach der winzigen Wartehalle, wo man sich ein Schnitzel im Brötchen bestellen kann, frisch aus der Tiefkühltruhe und ab in die Pfanne.


Über eine Allee geht es in Richtung Stadt. An diesem Ostermontag ist nicht viel los. Gleich am Ortseingang liegt der sowjetische Soldatenfriedhof aus dem Zweiten Weltkrieg.


Kaum jemand ist unterwegs. Die Kopfsteinpflasterstraßen sind mehr oder weniger leer. Ein älterer Herr mit Sakko schlendert durch die Gegend und fühlt sich von mir beobachtet.


Ich gehe in die Touristeninformation und hole mir ein bisschen Literatur. Torgau und Luther. Torgau und die sächsischen Burgen. Torgau und das DDR-Jugendumerziehungslager. Hier kann man auf den Spuren der Geschichte wandeln. Es gibt immer irgendwo ein Haus, in dem Luther mit Melanchthon über seine Thesen diskutiert hat.


Meine Kamera macht sich daran, noch ein wenig Architektur einzufangen. Schloss Hartenfels, in dessen Burggraben sich zur richtigen Zeit Braunbären zeigen.


Die spätgotische Marienkirche, in der Luthers Ehefrau und Witwe Katharina von Bora begraben liegt.


Das slawische Wort torgov, von dem sich der Name der Stadt ableitet, bedeutet so viel wie „Marktort“. Torgau hat eine bewegte Geschichte, geprägt von neuzeitlichen Kriegen, Reformation und Hexenverbrennungen. Die meisten, denen die Stadt ein Begriff ist, kennen sie jedoch aus den hinteren Kapiteln der Geschichtsbücher: An der Elbe bei Torgau trafen 1945 die Sowjets und die Amerikaner zusammen, auf ihrem Weg durch Deutschland.


Der Elbe Day erinnert an den 25. April 1945, an dem sich Soldaten zweier gegensätzlicher und doch verbündeter Staaten gegenüberstanden. Der genaue Ort des Zusammentreffens befindet sich eigentlich 30 Kilometer flussaufwärts, bei Strehla. Das Denkmal hat man jedoch hier gesetzt.


Der Text zeugt davon, dass sich Torgau nach dem Zweiten Weltkrieg auf der anderen Seite der innerdeutschen und innereuropäischen Grenze wiederfand:
Ruhm und Ehre der siegreichen Roten Armee und den heldenmütigen Truppen unserer Verbündeten die den Sieg über das faschistische Deutschland erkämpft haben.“ Und darunter auch auf Englisch: „Glory to the victorious Red Army…

Der Fluss selbst, die Elbe, bietet allerdings kein sonderlich majestätisches Bild. Das etwas verschlafene Städtchen Torgau war seinen Besuch jedoch wert.

ORIENTier Dich! - Das 6. Studentische Symposium der Islamwissenschaft

Normalerweise macht man keine Werbung für etwas, das schon gelaufen ist. Und trotzdem muss ich jetzt speziell jede/-n Studierende/-n eines in irgendeiner Form orientalischen Faches darauf hinweisen, dass man ein studentisches Symposium auf keinen Fall verpassen sollte. Dieses Jahr haben sich engagierte Student*innen aus Tübingen bemüht, das „6. Studentische Symposium der Islamwissenschaft und verwandter Fächer“ zu einem wahren Fest aller Orientalisierenden werden zu lassen. Getreu dem Motto „ORIENTier Dich!“ konnte man und frau sich für die anstehenden großen Arbeiten der akademischen Karriere inspirieren lassen. Für Input war gesorgt: Die Themengebiete reichten von der aktuellen Lage der Medienlandschaft in Ägypten über interkulturelle Rhetorik bis hin zur arabischen Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ und dem Phänomen der deutschen Taliban am Hindukusch. Und neben den spannenden oder zumindest unterhaltsamen Vorträgen aus allen Bereichen der Orientalistik gab es natürlich auch was zu Essen. Nur das Wetter hätte auf jeden Fall besser sein können, denn wenn man nach Tübingen kommt, will man natürlich auch Stocherkahn fahren.

Eine Tagung ohne Professoren und Dozenten hat was für sich. Es gibt nur wenig Entspannteres als sich in lockerer Atmosphäre bei Tee, Bier und/oder einer Schischa zu vernetzen? Das nächste Symposium wird nächstes Jahr in Marburg stattfinden. Orientalist_innen aller Länder, vereinigt euch!


Sonntag, 27. April 2014

Halle (Saale)

An Ostern habe ich Verwandte in Halle (Saale) besucht, einer Nachbarstadt von Leipzig. In meiner Kindheit war ich zwar einige Male dort, an die Stadt selbst habe ich aber nur wenige Erinnerungen. Ohne viele Worte möchte ich heute ein paar Bilder zeigen, um für den Tourismus in Sachsen-Anhalt zu werben. ;)

Das typische Stadtbild zum Einstieg: Hausfassade im Paulusviertel.


Ein Stück weiter in Richtung Innenstadt: Der Wasserturm Nord wurde 1899 gebaut und ist 54 Meter hoch.


Schon 1886 eröffnet wurde die Oper. Heute ist das Opernhaus Halle der einzige ausschließlich für Oper bestimmte Theaterbau in Sachsen-Anhalt.


Der Marktplatz ist geprägt durch die Marktkirche (rechts) aus dem 16. Jahrhundert und den 1506 vollendeten Roten Turm (links). Zusammen bilden sie die fünf Türme, die die Stadtsilhouette von Halle prägen.


Vor dem Roten Turm steht eine Rolandsstatue, deren erste Version schon im 13. Jahrhundert als Zeichen der bürgerlichen Freiheit, als Sinnbild für die Eigenständigkeit der Stadt und als Symbol für die hohe Gerichtsbarkeit aufgestellt wurde.

Der „Stadtgottesacker“ ist auch relativ sehenswert. Er wurde im 16. Jahrhundert nach dem Vorbild der italienischen Camposanto-Anlagen angelegt.


In unmittelbarer Nähe: Kunst.


Und noch ein anderer Turm.


Montag, 21. April 2014

Leipzig

Messestadt, historisches Zentrum des Buchdrucks und Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen 1989 – es gibt eine ganze Reihe von Alleinstellungsmerkmalen, die diese Stadt auszeichnen. Und wer denkt, Leipzig hätte nicht das Potenzial zur Weltstadt, der hat noch nicht den imposanten Hauptbahnhof gesehen: Unter dem größten Kopfbahnhof Europas erstreckt sich auf zwei Etagen ein Shopping-Areal, in dem man auch an Feiertagen fündig werden kann und wo außerdem jeder hungrige Magen gefüllt wird.

Freitag, 21. März 2014

Kalinka, kalinka

(„Muss man sich als Blogger eigentlich auch mal zum Thema Ukraine äußern?“ – „Eigentlich schon…“ – „Och Menno…“ – „In drei, zwei eins…“)

Oh… (räusper) – Liebe Mitbeobachterinnen und Mitbeobachter,

unser Außenminister hat in den letzten Monaten zahlreiche Grußworte gehalten, nicht selten zu Veranstaltungen mit Titeln wie „1914 – Versagen der Demokratie?“ Der Beginn des Ersten Weltkriegs ist hundert Jahre her. Man diskutiert, man gedenkt – und man rasselt wieder mit den Säbeln. Wie selbstverständlich wägt man in den Medien ab, ob es zum Krieg zwischen der Ukraine und Russland kommen könnte. Ob die Ukraine genug Soldaten hätte und wo diese stationiert sind. Muss sich angesichts dieses Szenarios nicht jede/r gedenkende und geschichtsbewusste Europäer/in vor den Kopf gestoßen fühlen?

Doch was soll Europa anderes tun, als die Russen – oder sollte ich vielleicht eher sagen „den Russen“ – aus den G8 rauszuwerfen? Wie erwehrt man sich eines drachenreitenden und mit den Händen fischenden Schutzpatron, der verliehene Halbinseln mit herrlichen, von Kriegsschiffen besiedelte Häfen zurück haben will? Um die russische Mehrheit auf der Krim vor Kiewer Nationalisten zu schützen, glieder man das Gebiet kurzerhand.

Natürlich, wo sich eine Revolution auf offenen Plätzen abspielt, besteht immer die Gefahr, dass faschistische Visionäre ihre Fäuste schwingen und mit denselben zum Beispiel Rundfunkchefs aus dem Amt winken. Kann man auf sowas überhaupt angemessen reagieren?
Die Angliederung der Krim an Russland geschah ganz schnell. Schön demokratisch sogar, per Volksabstimmung. Zumindest wenn Demokratie bedeutet, dass ich ein Rathaus besetzen und dann das Volk über den weiteren Verbleib einer Region befragen kann. Und Schwuppdiwupp – gehört man zur Russischen Föderation. Wieso lang verhandeln. Und als Bonus gibt’s einen Haufen ukrainischen Altmetalls, die in Sewastopol neben den russischen Schiffen vor Anker liegende Marine. War früher sowieso alles russisch.

Ich will gar nicht erst anfangen, irgendwie rational zu argumentieren. Im Grunde reden sowieso wieder fast alle aneinander vorbei. In Europa kann man nur schwer nachvollziehen, dass die meisten Russen Putin lieben, weil er so ist wie er ist. Und dass Revoluzzerinnen wie Pussy Riot die meisten Einwohner Russlands eher kalt lassen. Hierzulande wurden die ersten Diskussionen schon gestartet, Botschafter wurden geladen, Expertinnen und Experten durften Stellung beziehen. 
„Stellung beziehen“ – das werden letztendlich sowieso nur die Amerikaner, und zwar mit ihren Raketenabwehrschirmen in der Ukraine, die ab dann europäischer denn je sein wird. Und da Putin das nicht leiden kann, hält er wacker dagegen. So erklären sich die beiden mutmaßlich mächtigsten Männer der Welt, Barack und Wladimir, gegenseitig das Völkerrecht und ihre jeweilige Auslegung. 
Und im Westen glauben immer noch einige wenige, dass es um mehr ginge als nur um Öl und Gas.

Vielleicht wird es nur noch wenige Wochen dauern, bis die gute alte Weltordnung wieder hergestellt ist: „Der Russe“ ist wieder da. Und plötzlich nehmen wir all die kleinen Maßnahmen hin, die doch nur für unsere eigene Sicherheit da sind. Denn gerne schließen wir uns Franz Josef Wagner an, der irgendwann letztes Jahr in der BILD erklärte: „Ich mag die Überwachung, sie ist ein Schutz. Ich bin lieber überwacht als tot.“ Recht hat der Mann. Oder?
Wir sollten froh sein über die aktuellen Vorkommnisse und den Weg, den sie nehmen könnten. Immerhin wird jedes Schießgewehr, jede Patrone und jedes Panzerfahrzeug, das Putin auf der Krim stiehlt, von unserer bundesdeutschen Waffenindustrie wieder angeschafft. Es geht bergauf mit der Wirtschaft Europas. Zumindest was die Rüstung angeht. Und zumindest für Deutschland.

Es herrscht Unsicherheit. Und das, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ist ein Grund zur Freude…

Samstag, 15. März 2014

Teil 7: Maskat zwischen Alt und Neu

In meinem letzten Beitrag möchte ich noch ein bisschen was von Alt-Maskat zeigen. Südlich von Matrah liegt die ursprüngliche Wiege der Stadt, weitab der wirtschaftlichen und administrativen Zentren im Nordosten. Dafür findet sich hier neben weißen Häusern auf braunem Grund einer der sieben Paläste des Sultans sowie das Finanzministerium des Oman, zwischen mehreren portugiesischen Festungstürmen und den üblichen spitzen Felsen.


Der Palast stellt einen ziemlichen Kontrast zur Altstadtkulisse dar.


In Alt-Maskat sollte man auf jeden Fall mal einen kleinen Snack gegessen und einen Spaziergang entlang der Hauptstraße gemacht haben. Wer sich einen wirklich umfassenden Überblick über die omanische Kultur mitsamt ihrer Trachten, Krummdolche und Jubiläumsbriefmarken machen will, darf das Bait az-Zubayr auf keinen Fall verpassen. Ein modernes Museum, gut sortiert und ausreichend auf Arabisch und Englisch beschriftet. Anders als im ebenfalls sehr modernen Bait al-Baranda in Matrah, das von den meisten Besuchern als besonders sehenswert angepriesen wird, findet man hier weniger Beamer und Halbdunkel, sondern authentische Darstellungen eines reichen kulturellen Erbes in lichtdurchfluteten Räumen. Leider ist das Fotografieren nicht gestattet, deshalb müsst Ihr wohl selbst mal hingehen und es euch anschauen…
Und draußen heißt einen Sultan Qaboos willkommen – wie fast überall im Land.


In Alt-Maskat findet sich auch das Omani French Museum, das wir nicht besucht haben, in dem Gebäude des ehemaligen französischen Konsulats.
Matrah ist sehr geschäftig, Alt-Maskat hingegen hat die Ruhe weg. Hier versammeln sich abends die Kinder und Jugendlichen der Nachbarschaft zum Fußballspielen, die älteren Herren sitzen auf Parkbänken und beobachten das Treiben.

Auf dem Rückweg ins Hotel kamen wir an der Küstenstraße noch an einem Ort vorbei, an dem man wunderbare Fotos machen kann vom Hafen in Matrah. Der Sonnenuntergang tat dann das Seinige, um die Berge im Hintergrund in ihrem Dunst irgendwie geheimnisvoll erscheinen zu lassen.


Und so ging der Oman-Urlaub mit meiner Familie langsam auch zu Ende. Da ich schon vor den anderen angekommen war, flog ich auch fast einen Tag später in Richtung Frankfurt. Somit hatte ich einen freien Tag. Meine letzten Stunden verbrachte ich in Matrah beim Teetrinken, überlebte die ereignislose Mittagspause und brach dann nach ein bisschen Souvenir-Shopping auf zum Flughafen. Bilal, mein Taxifahrer, liebte omanische Marschmusik. Der erste seiner Sorte, den ich getroffen habe. Er hat die Melodie mitgesungen, als wir uns durch den abendlichen Feierabendverkehr gedrängelt haben, vorbei an den Diplomatenvierteln und den Malls. In einigen großen, aber nicht abgehobenen Einkaufszentren kann man abends gut und günstig essen. Im Roadside Diner trifft sich die junge Generation, zu moderner Musik, im Halbdunkel. Alkohol braucht hier niemand. Auf den vollen Parkplätzen am Rand der Schnellstraße sitzen junge Männer in offenen Kofferräumen, der eine oder andere demonstriert die Leistungsfähigkeit seines Motorrads. Mein Taxi rauscht vorbei. Ein letzter Blick auf die Lichter der Ministerien und der Oper, die an der Autobahn zum Flughafen stehen, dazu die Geräuschkulisse von teuren Autos und Militärmärschen. Irgendwie surreal. Erst am Flughafen, als ich mir zwischen den hunderten Indern, die nach Delhi, Hyderabad und Chennai flogen, einen Platz suchte, kam ich wieder in der Realität an – und nach Station in Abu Dhabi und Frankfurt am Main dann schließlich auch wieder in meiner schwäbischen Heimat… :)

Ich hoffe, ich konnte bei einigen von euch das Reisefieber wecken und ein paar Eindrücke eines Landes vermitteln, das faszinierend, ziemlich sauber und irgendwie… anders ist.

Freitag, 14. März 2014

Teil 6: Urlaubsparadiese

So, und nun möchte ich meine Leser mal mit ein wenig traditionellem Urlaubsfeeling anstecken. Im Oman kann man sich nämlich auch aller von mir favorisierten alten Hausfassaden und Lehmfestungen wunderbar in der Sonne brutzeln lassen. Einigen ist wahrscheinlich das Al Bustan Palace ein Begriff, das mit fünf Sternen gekrönte Ritz-Carlton Hotel etwas südlich von Maskat. Eine Übernachtung in diesem Palast, in dem die Empfangshalle schon 38 Meter hoch ist, kostet bis zu 450 €.


„Normale“ Menschen wie Du und ich können in der Lobby gemütlich einen Kaffee trinken – was wir auch gleich gemacht haben. Arabischer Tee, Kaffee mit Gebäck und kreative Lachs- oder Gurken-Sandwiches sind nicht gerade billig, aber doch nicht unerschwinglich. Und in diesem Umfeld schmeckt es noch gleich viel besser.


Das Al Bustan Palace Hotel wurde 1985 anlässlich eines Treffens des Golfkooperationsrates gebaut und 2008 aufwändig renoviert. Die Inneneinrichtung der Lobby verweist wieder auf die Verbindung zwischen Tradition und Moderne, die Verbundenheit zum islamischen Erbe wird durch die Dekoration an vielen Stellen deutlich.


Im August kann man hier auch schon für 200 € die Nacht einziehen – allerdings ist dieser Monat für Oman-Reisen nicht wirklich zu empfehlen. Die Temperaturen erreichen hier mitunter Spitzenwerte von bis zu 47 Grad…!

Natürlich kann man in und um Maskat auch anders nobel wohnen. Mein Vater musste als Reiseveranstalter natürlich gleich mal alle relevanten Hotelanlagen auschecken. Und auch ich schaue mir gerne an, wo ich wohnen könnte – wenn ich könnte.
Da gibt es noch die Shangri-La-Hotelkette mit dem Al-Husn oder dem Al-Bandar. Die Anlage besteht aus drei Hotels mit jeweils eigenem Strand, guten Restaurants und sogar einem sogenannten Oman Heritage Village – ein Nachbau typisch omanischer Architektur. Für alle jene, die keine Fuß vor ihren Tempel der Erholung setzen wollen…


Zentraler in Maskat liegt das Crowne Plaza, von dem es sogar einen Shuttle-Service in die historischen Stadtzentren gibt.



Gemütlicher und heimeliger ist da die Villa Shams, in der wir „residiert“ haben. Hier nur ein kleiner Eindruck.



Doch wie wäre es mal mit ein paar Bildern vom Meer? Voilà, der Indische Ozean.


Und baden kann man natürlich auch ohne den Privat-Strand irgendeines Hotels. 

Teil 5: Ausflüge ins Hinterland

Wo Benzin so billig ist, kann man sich auch eine Fahrt durch die Berge leisten. Das Hinterland der Region Maskat bietet neben frisch geteerten Straßen auch ein unglaubliches Panorama. Hier kann ich endlich noch ein paar Bilder loswerden…


Wir machen uns auf den Weg nach Nizwa, einer uralten Oasenstadt. Dort wird jeden Freitag der Viehmarkt abgehalten, wo Kühe, Ziegen und Schafe begutachtet werden und dann manchmal den Besitzer wechseln. 

Pickups und Transporter mit größeren Ladeflächen kommen aus den umliegenden Ortschaften und bevor die Mittagshitze ins Unerträgliche steigt, werden die Geschäfte abgewickelt. Um 11.30 Uhr ist wieder Schluss.


Nizwa ist Anziehungspunkt für Oman-Besucher. Der Viehmarkt, der große Souk und die Festung aus dem 17. Jahrhundert bieten gute Fotomotive und vor allem Originalität. Trotz vieler Besucher geht das Leben in der Stadt seinen Gang. Abseits der touristischen Marschroute zwischen Souk, Fort und einigen Souvenirläden kann man einen authentischen Kaffee auf einem orientalischen Plastikstuhl in einer schmucklosen Bude genießen.


In diesen bergigen Regionen am Rand zur Wüste kann man vor allem die größeren und kleineren Oasenstädte abklappern, die mit einer Vielzahl von Lehmfestungen oft ähnliche, aber immer wieder faszinierende Motive bilden.


Interessant ist, dass im Oman in den letzten Jahrzehnten ein Bauboom eingesetzt haben muss, denn an den größeren Überlandstraßen hat man stets eine gute Sicht auf die Vielzahl von Einfamilienhäusern, die überall entstehen. Jedes dieser Häuser ist anders und ein gewisser guter Geschmack macht sich bemerkbar. Verschiedenfarbige, meist ein oder allerhöchstens zweistöckige Anwesen, umschlossen von einer Mauer. Fast alle haben einen turmähnlichen Aufbau in ihrer Mitte. Dabei handelt es sich um einen Windturm – ein Bauelement, das ursprünglich aus Persien stammt und ursprünglich der Belüftung des Hauses diente. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das heute noch so funktioniert oder ob diese Türme einfach als traditionsreiches architektonisches Charakteristikum dienen. In Abu Dhabi gibt es z.B. auch „Windtürme“, in denen heute allerdings die Heizungsanlage untergebracht ist…


Auf dem Weg durch das westliche Hadschar-Gebirge stößt man auf viele der schon erwähnten Festungen. Zuerst haben wir das Fort von Nakhl besucht, das am Rande einer Oase mit warmen Quellen liegt. Einzelne Räume sind beschrieben und größtenteils sogar möbliert, sodass man nachvollziehen kann, wo sich einst das Zimmer des Walī, des Gouverneurs, befand und wo der Lagerraum für die Datteln. Diese Festung ist auch Ziel zahlloser Busse, die europäische Touristen auf Landgang aus Maskat hierher bringen. Uns sind ca. 150 Spanier und Franzosen von der MSC über den Weg gelaufen.


Am eindrucksvollsten ist die gewaltige Burg von Rustaq.


Sie ist frisch restauriert und war zu unserem Erstaunen völlig frei von ausländischen Besuchern. Anders als in Nakhl sind die Räume und Gänge so angelegt, dass man sich in einem Labyrinth verlaufen kann. 


Die Burg ist außerdem viel größer. Sie liegt an einer Wasserquelle, über der sich ein innenhofartiger Schacht befindet und zu der man über eine Treppe hinuntersteigen kann. Wir sind allerdings weiter nach oben gestiegen und haben die Krone des Turms erklommen.


Alles in allem sehr beeindruckend. Eine Fahrt quer über Land lässt spüren, dass der Oman in seinem Inneren mit seinen Oasen einen irgendwie anderen Charakter hat als in den Küstenstädten. Zudem ist man hier noch weniger den Anblick von Touristen gewohnt. Es ist aber sehr angenehm, dass Fremde im Oman eigentlich nie angestarrt und/oder belästigt werden. Das Leben geht auch mit den wenigen Touristen, die sich mittlerweile ins Landesinnere verirren, normal weiter. Freitags strömen die Menschen zum Gebet in die Moschee – zu Fuß oder mit dem Auto. Die Parkplätze und freien Stellen vor den größeren Moscheen sind belegt. Als das Freitagsgebet zu Ende ist, kann man an den Ortsausgängen schon fast von Stau oder zumindest stockendem Verkehr sprechen.
Die Berge, die verschiedenen Farben bei unterschiedlicher Sonneneinstrahlung, die Palmenhaine – eine beeindruckende Mischung aus grün, grau und braun. Und immer wieder lehmige Festungen, Zeugen aus islamischer und vorislamischer Zeit.


Und: Ab und zu sogar mal ein Kamel!