Dienstag, 1. März 2011

Ramallah

Heute morgen habe ich meine Exkursion nach Ramallah gestartet. Am Damaskustor in Jerusalem warten die arabischen Kleinbusse, die für 6.50 Schekel über den Checkpoint fahren. Keine Kontrollen bei der "Einreise" in die A-Zone. Nur ein letzter Griff in den Rucksack, um auch sicherzugehen, dass man den Reisepass für die Rückreise dabei hat.
Hinter der Betonmauer beginnt das Gebiet, das irgendwann einmal wahrscheinlich offiziell Palästina heißen wird. Keine israelische Soldaten oder Polizisten, nur Palästinenser. Der Bus fährt vorbei an den eng bebauten "Flüchtlingslagern", die heute mehr Städten ähneln. Das Straßenbild wird beherrscht von Staub und halbfertigen Häusern. Der Müll lagert hinter den Häusern oder auf Hängen neben der Straße.

In Ramallah findet man sich dann auf einmal im hektischen Treiben wieder, das man schon von Ostjerusalem kennt. Endlose Marktstraßen mit frischem Obst und Gemüse, allen möglichen Alltagsgegenständen und anderen Sachen. Ich komme vorbei an vielen der typischen arabischen Teestuben, die schlicht eingerichtet sind und um die Mittagszeit vor allem alte Männer und ihr Kartenspiel beherbergen.




Auch Ramallah hat eine Altstadt, allerdings ist die nicht allzu groß. Dennoch bietet sie die ein oder andere interessante Sehenswürdigkeit. So etwa einige christliche Kirchen und Schulen. Ramallah wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von christlichen Arabern gegründet. An die fünf Gründerfamilien erinnern heute die fünf Löwen am Manara-Platz, der in der Stadtmitte (außerhalb der Altstadt) liegt. Ramallah hat auch eine christliche Bürgermeisterin (!), was den außergewöhnlichen Charakter der Stadt betont.


In der Altstadt findet sich auch das Ramallah-Museum, das von außen einen interessanten Eindruck machte, aber abgeschlossen war.
In Ramallah gibt es unzähliche Schmuckgeschäfte, Falafelbuden und Bekleidungsläden, in denen man einen Kaffee angeboten bekommt. Während meinem ganzen Aufenthalt sind mir nicht mehr als eine handvoll Touristen begegnet. Und dennoch sprechen hier viele Leute einige Fetzen Englisch.



Ich bin durch die Stadt geschlendert und habe ein paar Fotos geschossen. Die letzte Station meines "Stadtrundgangs" war das Mausoleum von Yassir Arafat. Ich habe mich diesbezüglich im Vorfeld nicht erkundigt - was nicht sonderlich professionell ist - und war dementsprechend positiv überrascht, dass man dort einfach so hineinspazieren kann. Der palästinensische Soldat am Eingang hat sogar auf meinen Rucksack aufgepasst, weil ich den nicht mit rein nehmen durfte. Es war sehr wenig los. Nur eine Gruppe von arabischen Touristen besuchte das Grabmal. Eine Frau brach in Tränen aus, aber im Großen und Ganzen hielten sich die Emotionen der Besucher in Grenzen.
Yassir Arafat (1929-2004) war der wohl berühmteste palästinensische Staatsmann. 1994 erhielt er zusammen mit Schimon Peres und Jitzchak Rabin den Friedensnobelpreis.


Gegen Nachmittag machte ich mich auf den Rückweg. Während ich mich bei meinem letzten Ramallah-Besuch von einem Taxifahrer über den Tisch ziehen ließ, der mich zum Checkpoint fuhr, fand ich dieses Mal einen der grünen Kleinbusse, die die Rückfahrt nach Jerusalem antraten. Für den selben Preis wie bei der Hinfahrt kam ich nach Jerusalem. Und zu meinem Erstaunen musste ich dieses Mal am Checkpoint nicht einmal aussteigen. Das letzte Mal lief es folgendermaßen ab: Etwa einhundert Menschen drängen sich in drei Gänge, wo man sich einzeln durch Gitterdrehtüren schieben muss (sobald das grüne Licht angeht) und dann von einer Magnetschleuse durchleuchtet wird. Diese Prozedur kann zwischen 20 Minuten und einer Stunde dauern. Heute jedoch konnte ich im Bus sitzen bleiben und musste nur meinen Pass vorzeigen. Dieses Privileg genießen auch Palästinenser über 60 Jahren und Frauen mit kleinen Kindern. Wer einen speziellen Jerusalem-Pass hat, kommt ebenfalls relativ schnell durch die Kontrollen. Alles in allem mussten wir zehn Minuten am Checkpoint warten, dann ging die Fahrt weiter nach Jerusalem.

In Ostjerusalem versuchte ich dann, ein deutsch-arabisches Wörterbuch zu bekommen. In Deutschland kostet es bei einem bekannten Internetversandhaus um die 135 Euro. In Jerusalem kann man angeblich bis zu 75 Euro sparen - wenn man den richtigen Buchladen findet. Ich habe ihn noch nicht gefunden. Der Verkäufer eines Educational Bookshop sagte mir, dass ihm auch nicht bekannt sei, ob sich ein solches Wörterbuch überhaupt in der Stadt befinde. Naja, ich werde mein Glück morgen nochmal versuchen. Vielleicht in Nablus oder Hebron.

Montag, 28. Februar 2011

Jerusalem Live Report

Schalom, Salaam und Herzlich Willkommen!

Die letzte Woche habe ich hier in Israel verbracht und bin quer durch Land gereist. Vom bergig-kühlen Jerusalem zum angenehm warmen Toten Meer, zum See Genezareth und bis auf die Golan-Höhen. Die letzte Etappe führte mich durch Galiläa nach Akko am Mittelmeer. Ein letzter Halt in Tel Aviv, dann ging es zurück zu meinem Anfangspunkt: Jerusalem.

In den nächsten Tagen will ich die Westbank erkunden und einen Einblick bekommen, welche Auswirkungen der Nahostkonflikt auf das tägliche Leben der Menschen hier vor Ort hat. Dazu will ich neben Ostjerusalem auch einige Städte im Palästinensergebiet besuchen, wie etwa Ramallah und Hebron.

Gerade im Hinblick auf die politische Situation bildet Israel eine sehr unübersichtliche Landschaft. In Jerusalem ist man am Brennpunkt. Der Streit um Heilige Städten und grundsätzliche Existenzansprüche hat zwischen die Menschen einen Keil getrieben. Der arabische Falafelverkäufer redet nur ungern Hebräisch mit seinen Kunden. Doch auf der Ben Yehuda Street trifft man mittlerweile auf Araber und jüdische Israelis gleichermaßen, ebenso im jüdischen Schuk. Als ich Israel letztes Jahr im August verlassen habe, ist mir das nicht aufgefallen. Vielleicht überwindet die Zeit auch hier so
manche Grenze, auch wenn politische Konflikte heute mehr denn je aktuell sind. Ein Symbol des orientalischen Lebensstils ist die neue Straßenbahn, die mittlerweile die Stadtteile von Ost- und Westjerusalem verbindet. Doch sie fährt leer. Die Sitze sind mit Polsterfolie überzogen. Erst wurde Jahre lang gebaut, eine Straße nach der anderen gesperrt, verschient und wieder überteert, nun fährt die Bahn Testfahrten. Rund um die Uhr. Doch alles braucht hier seine Zeit.

Palästinensische Protestplakate vor dem Damaskustor


Am Toten Meer sind russische Touristen vorherrschend und israelische Männer, die sich nach dem Armeedienst eine Wasserpfeife im S
alzsee gönnen - und reichlich Bier, wenn auch weit weniger als in Deutschland. Die Straße von Ein Gedi nach Tiberias am See Genezareth führt durch Teile der Westbank, vorbei an Jericho, an arabischen Feldarbeitern und jüdischen Siedlungen. Vorbei an israelischen Bushaltestellen, vor denen sich Betonquader befinden, zum Schutz vor eventuellen Schussattentaten und Kampfhandlungen. Hier und da brennt ein Abfallhaufen. Das Bild ist ein anderes als sonstwo in Israel. Die Menschen hier sind ärmer, die Atmosphäre ist gespannter - so scheint es für den touristischen Betrachter.

Der See Genezareth liegt im Dunst. Hier herrscht eine Stimmung, die dem Reisenden ein wenig Entspannung bietet vom Rummel in Jerusalem. Auf den Spuren Jesu zu wandeln in Kapernaum und den Hängen, wo die Bergpredigt stattfand, hat nicht nur für italienische und ukrainische Pilger seinen Reiz. Am See Genezareth ist Erholung spürbar - aber Erholung hatten wir schon in Ein Gedi. Auf geht's auf den Golan. Hier stehen die Panzer vergangener Schlachten - und wer auf der richtigen Straße fährt, kommt sogar an einem "Parkplatz" für aktives Kampfgerät vorbei. Ein einsamer Soldat steht im Regen und verneint die Frage, ob man fotografieren darf. Die Straße führt weiter, etwa 4 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. An einigen Stellen hat man Aussicht auf den See. Gigantisch.


Die hotelähnliche Jugendherberge am See wird am Morgen von einer arabischen Putzkolonne geputzt. Eine der Schattenseiten der israelischen Gesellschaft: Die niedrigbezahlten Jobs werden meistens von Arabern oder Neueinwanderern aus Äthiopien erledigt.

Auf der Fahrt durch Nordgaliläa kommt man an vielen arabischen Dörfern und Kleinstädten vorbei. Im Gegensatz zu Südgaliläa sind diese jedoch eher schlicht und machen einen schäbigen Eindruck. Das Bild ist also vielseitig. Neue, bunt gestrichene Häuser gegen unfertig wirkende, graue Bauten. Auf arabischer wie auf israelischer Seite.

Das Küstenstädtchen Akko bietet ein sehr angenehmes Bild. Die Altstadt mit ihren Moscheen, Kirchen und Synagogen, dem Hafen und den mächtigen Mauern ist einen Besuch wert. Der Basar gleicht dem in Jerusalem, nur nicht so hektisch, so touristisch - und mit mehr Fisch. Interessant ist jedoch vor allem die Einkaufstraße außerhalb der Altstadt. Hier begegnet man Musliminnen mit Kopftuch, ebenso wie Russisch sprechenden Israelis. Ein Soldat läuft mit einem Araber durch die Straße. Israelis machen ihre Einkäufe - jüdische wie arabische. Und es fehlt die Feindschaft, die strikte Trennung der beiden Gruppen, wie man sie in Jerusalem vielerorts erfährt.


Die Al-Jezzar-Moschee von Akko


Haifa liegt als nächstes auf dem Weg. Hier läuft der Handel über See zusammen. Endlich bekommt man einmal Industrie zu sehen. Doch Haifa hat noch mehr zu bieten: Hier liegen die Baha'i-Gärten am Hang des Karmel, gleich oberhalb der deutschen Templersiedlung. Die Baha'i sind eine eigene Religionsgemeinschaft, und die Gärten sind ein fantastischer Ruhepol. Die Aussicht vom Karmel, dem Berg, der sich über Haifa in die Länge zieht, ist (bei klarer Sicht) atemberaubend.



Tel Aviv ist eher schlicht. Eine israelische Großstadt, die nur mit Sonnenschein zu genießen ist. Doch der Optimist kommt auch hier auf seine Kosten.

In den nächsten Tagen werde ich näher über die Jerusalemer Umgebung berichten. Morgen starte ich meinen Ausflug nach Ramallah und hoffe, dort reichlich Fotomaterial zu finden...

Freitag, 18. Februar 2011

Abwesenheitsnotiz: ISRAEL Tour 2011

Liebe Leser,

in den nächsten zwei Wochen bin ich in Israel unterwegs und werde versuchen, Sie/Euch auch von dort auf dem Laufenden zu halten. Ab dem 28. Februar wird es exklusive und aktuelle Beiträge aus dem Land zwischen Jordan und Mittelmeer geben.

Also:
Zwischen 28. Februar und 3. März berichtet Thorschten live aus Jerusalem, Ramallah und Hebron!




Was geht da vor, Karl-Theodor?

Diese Frage stellten wir uns in den letzten Monaten des Öfteren. Der adlige Thronanwärter kommt von einer Feuerprobe in die nächste - angefangen hatte es mit der Affäre um die Luftangriffe von Kunduz 2009. Diese Angelegenheit hatte er jedoch von seinem Vorgänger geerbt. Eine stürmische Zeit für den Verteidigungsminister. Doch es wurde nicht besser. Die "Gorch Fock" sorgte für Wirbel. Eine vertuschte Straftat in Afghanistan war das letzte, womit sich der Freiherr von und zu vor der Presse und vor dem Volk verantworten musste.
Das alles gehörte zum Dienst und konnte die Popularität des schon lange als Kanzlerkandidat gehandelten Strahlemanns der deutschen Politik nicht mindern. Zusammen mit seiner Frau stieg er zum beliebtesten Ehepaar der Bundesrepublik auf. Endlich ist Politik auch bei uns wieder attraktiv geworden. Amerikas Obama, dessen Glanz langsam zu verblassen beginnt, ist jetzt unser KT v. u. z. Guttenberg, kurz: Gutti.

So ein Höhenflug löst natürlich auch Neid aus. Ohne Beweise kann man keine Anklage erheben, doch es ist unumstritten: Die neusten Plagiatsvorwürfe gegen eben diesen Guttenberg kommen der Opposition durchaus gelegen. Während kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg die Grünen und die SPD an Schwung verlieren und die CDU ihren Sitz im Sattel wieder festigt, sorgt die Meldung über eine fehlerhaft zitierte Doktorarbeit für Verwirrung. Sogleich fordern Linke und Grüne einen Rücktritt. Und hier beweist KT, dass er die Diplomatie der Politik beherrscht: Er weist die Vorwürfe zurück, lässt seinen Doktortitel jedoch kurzerhand ruhen.

Und hier wird der Unterschied zwischen Politikern der Alten Schule und jenen der Neuen deutlich: Wer Anschuldigungen, Konfrontationen und Ungereimtheiten zurückweist - nach dem Motto: "Ihr könnt mir gar nichts!" - sieht am Ende des Tunnels schon lange den Rücktritt. Und hier ist auch schon das Stichwort: Tunnel. Herr (noch) Ministerpräsident Mappus (BaWü) hat beim Thema Stuttgart 21 überhaupt kein Geschick bewiesen. Auf die Vorwürfe, man würde mit Stuttgart 21 ein schlecht geplantes Milliardengrab unterstützen, reagierte Mappus mit ungeschickter Starrheit. Was Baden-Württemberg gebraucht hätte, wäre ein starker Mann gewesen, der sich kompromissbereit, aber zielstrebig gibt. Und zwar ungefähr so: "
Leute, rafft euch auf! Zwar ist bis jetzt nicht alles so super gelaufen, aber wir schaffen das schon. Ihr denkt, dass es zu gefährlich ist, wenn sich Schienenstrecken kreuzen? Ihr denkt, dass es nahezu unmöglich ist, so ein heikles Projekt sicher und nachhaltig zu konstruieren? Dann frage ich euch: Wo wurde das Auto erfunden? Wo schlägt das Herz der deutschen Ingenieurkunst? Wo kann man Stuttgart 21 bauen, wenn nicht in Stuttgart??"
Aber was hat Mappus getan? Er hat die lange verschollenen EnBW-Aktien aufgekauft. Ein neues Milliardenprojekt, bei dem der Bürger nur gewinnen kann. Nur schade, dass es wie gewöhnlich teurer wurde als geplant und zudem aus demokratisch-parlamentarischer Sicht ein illegaler Alleingang unseres Landesfürsten war.

Fazit: Guttenberg wäre wohl der bessere Mappus. Doch mit der Diskussion über eine nicht sauber zitierte Doktorarbeit hat auch auf Bundesebene der Wahlkampf begonnen.

Montag, 14. Februar 2011

Pallywood auf Youtube aufgedeckt

Dieses zweiteilige Video ist zwar schon etwas älter, aber es zeigt immer noch eine sehr interessante Wahrheit. Das Video ist auf Englisch.

Teil 1

Teil 2

Dienstag, 8. Februar 2011

Kurtlar Vadisi: Filistin

Eine kleine Reaktion auf den neusten Knüller... (An dem Abend war ich echt übel drauf.)



Der Film war von vornherein sehr umstritten. Nach einigem Zögern wurde er dann dennoch in deutschen Kinos zugelassen, allerdings ohne Jugendfreigabe. Zu gewalttätig für eine Gutenachtgeschichte. Doch wen hält das heutzutage noch ab? Die Jugend fand ihren Weg in den Kinosaal.

Die Millionenproduktion aus der Türkei trägt den Namen Kurtlar Vadisi: Filistin (dt. Tal der Wölfe – Palästina) und ist einer von mehreren Filmen, die Krisengebiete im Nahen Osten als Schauplatz haben. Die Handlung ist schnell umrissen: Ein türkisches Killerkommando unter der Führung der billigen James-Bond-Imitation Polat Alemdar reist nach Israel, um den Verantwortlichen für den Zwischenfall auf der Gaza-Flotte im Mai 2010 zu töten. Das Ziel ist Mosche Ben Eliezer, ein gewissenloser, Zigarre rauchender israelischer Armeekommandeur, der mit Munition handelt und bevorzugt Jagd auf Palästinenser macht. Es ist nicht übertrieben: Ben Eliezer ist der Teufel in Person. Er verkörpert hier das gesamte israelische Regime. Im Laufe des Films verliert er durch Alemdar ein Auge, was seine Rachegelüste schürt und ihn mit einer Augenklappe noch furchteinflößender erscheinen lässt. Es entsteht eine verblüffende und garantiert nicht ungewollte Ähnlichkeit mit dem längst verblichenen General Mosche Dajan, dessen Bild vor allem für den Sechstagekrieg 1967 steht.
An Dialogen hat Kurtlar Vadisi Filistin nicht allzu viel vorzuweisen. Der zynische Humor des Hauptakteurs sorgt im Publikum für heiteres Gelächter, doch im Grunde bewegt sich Polat Alemdar hauptsächlich an der Oberfläche. Und dann geht auch schon das Geballere los: Der Actionheld und seine Gefährten töten jeden israelischen Soldaten mit einem gezielten Schuss zwischen die Augen, aus jeder denkbaren Entfernung. Es wird praktisch auf alles geschossen, was eine israelische Uniform trägt. Mitten in der Jerusalemer Altstadt. Die Israelis schießen zurück, natürlich auf hauptsächlich unbewaffnete Palästinenser. Während des ganzen Films soll der Bleigehalt in der Luft übermäßig hoch bleiben, es wird geschossen wo es nur geht. Und Alemdar trifft sie alle.
Der Produzent hat an alles gedacht. Sogar die gewissenhafte Quoten-Jüdin ist dabei: Die naive Simone, eine amerikanische Fremdenführerin, gerät zwischen die Fronten und sympathisiert mit den Killern. Der Film braucht sie als Strohhalm für eventuelles kritisches Publikum, dem man zurufen will: „Wir hassen nicht die Juden, wir hassen die Tyrannen!“ – womit jene Israelis gemeint sind, die auf ihre Existenz beharren.
Wie also konnte im Vorfeld der Deutschland-Premiere ein Verdacht aufkommen, der Film könnte antiisraelische oder gar antisemitische Ziele verfolgen? Das lag wohl mitunter daran, dass neben dem blutdürstenden und nunmehr einäugigen Mosche Ben Eliezer auch schlicht das Symbol des Judentums, der Davidstern, als Zielscheibe diente. Die Kommandozentrale der israelischen Armee war mit diesem Motiv nahezu zugepflastert. Auf jedem Panzer prangte ein blauer Stern auf weißem Grund. Das hat der Macher des Films gut recherchiert, denn einige Panzer der israelischen Armee tragen in der Tat Davidsterne – nur sind die rot und ausschließlich auf Sanitätspanzern zu sehen.
Gekonnt vereinigt der Film Fiktion mit Wahrheit. Die Armut im Westjordanland und die Tatsache, dass die israelische Regierung illegal errichtete Häuser räumen und abreißen lässt, vereinigen sich zu einem bizarren Bild: Ein gelähmtes Kind bleibt im Haus zurück, kriecht über den Teppich des Wohnzimmers. Doch die Tyrannen kennen keine Gnade und reißen das Haus ab. Israelische Soldaten schießen in diesem millionenschweren türkischen Machwerk mit Vorliebe auf Frauen und kleine Kinder. Vom Beginn des Filmes an wird vonseiten der Israelis auf Unbewaffnete geschossen, sei es auf der Mavi Marmara, in der Altstadt von Jerusalem oder im kleinen palästinensischen Dorf. Der in Kurtlar Vadisi Filistin dargestellte Typus des israelischen Soldaten kennt keine Gefühle. Alle Soldaten sind Teil des Systems, das vom Oberteufel Mosche Ben Elieser geführt wird, der vorsätzlich und gewissenlos mordet und quält.

Drei Plätze weiter links in meiner Reihe saß ein erwachsener Mann. Er hat geschluchzt, tief bewegt von dem was er sah. Emotionen kommen hoch während des Film. Dafür kann man durchaus Verständnis haben, aber die instrumentalisierte Übertriebenheit dieses Kinostreifens wird dadurch in keiner Weise gerechtfertigt. Es zeigt sich nur wieder einmal, wie beeinflussbar die Gefühle des Zuschauers sind, wenn man ihm etwas nur in der richtigen Verpackung verkauft.
Ich habe ja eine Ahnung davon gehabt, was dieser Film zeigt, und auch wie das Ende aussehen würde. Doch über die Reaktionen der Zuschauer war ich einigermaßen schockiert. Alemdar tötet das israelische Monster per Kopfschuss, die Kinobesucher klatschen und johlen. Mir selbst war an diesem Punkt eigentlich eher übel. Kurtlar Vadisi Filistin vereinigt antiisraelische Hasspropaganda mit Emotionen, Action und einer Spur flachen Humors. Und dem Publikum gefällt‘s. Wo bin ich hier? So lange ich auch suche, ich erkenne keinen Grund der rechtfertigt, warum ein solcher Film schließlich doch in deutschen Kinos gezeigt werden darf.

Ich bin Nichtraucher. Aber nach der Vorstellung verspürte ich das Verlangen nach einer Zigarette…

Sonntag, 30. Januar 2011

Der Fall Muhammad ad-Durra

Viele erinnern sich noch an den Fall des getöteten Jungen Muhammad ad-Durra (al-Dura), der bei den Kämpfen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten im Jahre 2000 kurz nach Beginn der Zweiten Intifada von Kugeln getroffen wurde und starb. Er wurde zum Märtyrer der ganzen arabischen Welt und ist heute auf Briefmarken verewigt. Kinder in arabischen Schulen lernen ihn als Vorbild kennen. Ein Märtyrer, der für den Freiheitskampf der Palästinenser starb.












Mittlerweile gibt es an diesem Märtyrertod und seinen Umständen berechtigte Zweifel. Nachdem bekannt geworden ist, dass auch Filmaufnahmen gefälscht oder verändert werden können bzw. dass Kampfszenen im Gazastreifen schauspielerisch dargestellt werden, kam auf ARD eine Dokumentation, die die Hintergründe des Falles Muhammad ad-Durra recherchierte - von der Öffentlichkeit kaum beachtet, wie meistens.

Wer Zeit und Lust hat kann sich die Dokumentation hier gerne anschauen (dauert etwa 45 Minuten) und Einblicke bekommen in Pallywood, die Propagandamaschinerie der Palästinenser. Interessante Fakten und Darstellungen der Geschehnisse. Wenn möglich bitte ganz ansehen.

Teil 1/5

Teil 2/5

Teil 3/5

Teil 4/5

Teil 5/5

(Das mit dem Videos-Hochladen klappt hier nicht so wirklich, deshalb nur die Links.)

Freitag, 31. Dezember 2010

Der Ultimative Jahresrückblick 2010

(Endjahrsansprache)

Das Ende eines Jahrzehnts voller weltbewegender Ereignisse und Veränderungen. Das 21. Jahrhundert begann eigentlich erst mit den Terroranschlägen des 11. September 2001 in New York und Washington. Seitdem dreht sich die Weltpolitik um Terrorbekämpfung und Neuordnung der Machtverhältnisse. Es wurden Kriege geführt, einige von ihnen bis heute: Afghanistan und der Irak haben einen großen Teil der Außenpolitik der gesamten westlichen Welt bestimmt. Die Neuordnung der Macht brachte kaum Neues, aber den Versuch, Ordnung zu schaffen. Und zwar die klassische, wohlbekannte. Die Machtsicherung der USA ergreift die ganze Welt. Die Verhältnisse erinnern an die Zeitend es Kalten Kriegs, nur dass Russland zu einem Gegner geworden ist, der nur noch als Ehrenvorsitzender der Gegenseite agiert. In Russland sieht man schon lange keinen Feind mehr. Vielmehr sind im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts andere aus dem Schatten getreten. Der Iran bemüht sich um Atomwaffen und stellt damit die vorerst größte Bedrohung für Israel und die USA dar. Nordkorea hat als klassisches Feindbild zwar noch nicht ganz ausgedient, steht in diesen Tagen jedoch so nahe am totalen Zusammenbruch wie nie zuvor. China ist als wirtschaftliche Weltmacht nun vollends etabliert und lässt die Welt den Atem anhalten - die CO2-Emissionen sind einfach zu stark. Die Welt erstickt an Chinas Abgasen und sieht mit Sorge darauf, dass das "Reich der Mitte" die Weltwirtschaft in der Hand hat. Nun begann man zu reagieren. Vor allem 2010 tat sich etwas. Kurzum verlieh man dem chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiabao den Friedensnobelpreis. Diese Handlung war an sich ja mehr als lobenswert, doch es stellt sich die Frage, wer denn tatsächlich lenkt, wann das Komittee in Oslo wem einen Preis verleiht. Denn auch hier geht es um höhere Interessen - um Politik und Wirtschaft. Eine schwere Anschuldigung. Doch der Nobelpreis hat seine Glaubwürdigkeit schon verloren, als man Barack Obama auszeichnete, obwohl dieser noch nichts ehrenwertes getan hatte außer als Schwarzer die Wahl zum US-Präsidenten zu gewinnen. War das des Friedensnobelpreises würdig?
Das Jahr 2010 stellt den Höhepunkt des Beginns des neuen Jahrtausends dar. Es wurde auch dieses Jahr wieder deutlich, wie sich die Zukunft gestalten wird. Die Welt hat sich in den letzten 10 Jahren gewandelt - und das nicht unbedingt immer zum Guten. Zwar ist auch viel Positives zu verzeichnen - man bedenke die neuen Abrüstungsvertäge zwischen den USA und Russland, die vor Kurzem geschlossen wurden, oder die Weltklimakonferenz in Cancún, wo man über die weitere Vorgehensweise zur Erhaltung unseres Planeten beriet - doch gerade 2010 ist ein Jahr des ersten Fazits. Das Fazit über den ersten Abschnitt des neuen Jahrtausends. Es stellt sich die Frage: Wo stehen wir heute?
Ja, wo stehen wir? Die EU steht vor ihrer ersten Krise. Der Euro ist nicht mehr so stabil wie er sein sollte. Die ersten Nostalgiker sehnen sich schon wieder nach der guten alten D-Mark. Währenddessen wird in Ungarn die Pressefreiheit von staatlicher Seite beschnitten. Zeitgleich regiert in Italien ein Diktator, der im Parlament keine Mehrheit zustande bringt und der den russischen Präsidenten Putin für dessen "Macho-Stil und autoritärer Art" bewundert (Quelle: WikiLeaks). Die Türkei hat sich unterdessen von ihrem dringenden EU-Beitritt distanziert, so meint man, und behauptet ihre Macht im Nahen Osten. Ein neuer Versuch zu Friedensverhandlungen im Nahen Osten ist gescheitert. Anderes war auch nicht zu erwarten.
Die Dinge sind im Wandel. Die Politik spielt verrückt. Und der unsichtbare Gegenspieler namens Al-Qaida experimentiert mit Paketbomben und kundschaftet die Luftpost-Routen zwischen den USA und dem Jemen aus. Doch nach einem Jahrzehnt der Terrorangst sind die einen abgehärtet, während die anderen überreagieren. Und aus ihrer Mitte kommt ein Mann namens Sarrazin. Dieser Mann stammt von französischen Hugenotten ab und trägt einen Namen, der übersetzt in etwa "der Sarazene" (= "der Araber") bedeutet. Dieser Mann jongliert gern mit verdrehten Zahlen und Fakten und wühlte die deutsche Gesellschaft auf. In diesem Jahr kam eine neue Integrationsdebatte auf, die kurz und hart diskutiert wurde, und mit der Zeit wieder in Vergessenheit gerät. Der einzige Profiteur der ganzen Angelegenheit ist Thilo Sarrazin selbst. Sein Buch verkaufte sich 1,25 Millionen Mal und machte den Schreiberling so zu einem Multimillionär - was er ja davor auch schon war.
Deutschland steckt inmitten einer Masse aus Problemen, die uns alle nichts anzugehen scheinen. Aus dem Irak-Krieg hielten wir uns vornehm heraus - was auch gut so war - und in Afghanistan haben wir unseren Job auch so gut wie erledigt, obwohl dort noch lange kein Frieden herrscht. Finanzkrise, Eurosturz - Deutschland muss wieder einmal zahlen und weiß nicht warum. Dabei haben uns Leute wie Sarrazin ganz deutlich aufgezeigt, dass wir eigene Probleme haben - was und wo diese Probleme tatsächlich sind, wurde während der ganzen Diskussion nicht eindeutig ersichtlich.
Da kam es nur Recht, dass für das Jahresende wieder einmal eine Terrorwarnung herausgegeben wurde. Das Volk freut sich ja über gelegentliche Zerstreuung, und der Staat sowieso. Passiert ist bis heute nichts, zumindest nicht in Deutschland. Dieses Glück hatten andere Länder nicht. Seit dem 11. September - und vor allem nach Madrid 2004 und London 2005 - wissen wir, dass eine Gefahr da ist. Doch was soll man dagegen tun? Während sich die Politik noch um solche Probleme kümmert, rauchen die Hirne der anderen Problemfaktoren, die Europa ja auch noch hat. Heimische Arten wie z.B. die RAF der letzten Jahrzehnte sind lange vergessen. Es war an der Zeit, sich wieder zu melden. Und das taten die linksextremistischen Strömungen zu allererst in Griechenland: Paketbomben an verschiedene Botschaften. Bis ins Kanzleramt reichte die Druckwelle. In Italien folgten die nächsten Schläge; dieses Mal musste die Schweizer Botschaft herhalten. Da fiel es gar nicht weiter auf, dass in Schweden eine Bombe hochging und dass bei der Jyllands-Posten (Mohammed-Karikaturen 2005) ein Massaker geplant war. Soll das etwa der neue Alltag des nächsten Jahrzehnts werden? Das ließe sich nur schwer akzeptieren.
Ach ja, und die größte Veränderung des 21. Jahrhunderts - zumindest für uns Deutsche - fand auch erst in diesem Jahr statt. Und alles lässt sich in unserem (Un)Wort des Jahres ausdrücken: Die Deutschen sind zu "Wutbürgern" geworden. Der kleine Mann fordert sein Recht ein. Man demonstriert. Nicht etwa montags gegen die DDR oder ähnliches, nein. Man demonstriert gegen Stuttgart 21 und gegen Castortransporte. Man will sich ab jetzt nicht mehr mit Entscheidungen der Regierung abfinden - nie mehr. Außer natürlich sie entsprächen der eigenen Meinung. Aber da ist es bei 81,751 Millionen Bürgern (zahlen rückläufig) wohl eher selten der Fall, dass alle einer Meinung sind. Doch hier wurde das Konzept von Demokratie ein wenig missverstanden.
Der Trend ist eindeutig: Die Entmachtung des Staates auf Teufel-komm-raus ist in vollem Gange. Und der Vorkämpfer dieser Bewegung: WikiLeaks-Gründer Julian Assange. (Für alle die es nicht wissen: Der Name kommt nicht aus dem Französischen, wie man annehmen würde, sondern aus dem Chinesischen. Der Urahn des Australiers war ein chinesischer Einwanderer. Unwichtig, aber dennoch interessant.) Dieser Mann war erst von allen geliebt, weil er mehr wusste als andere offen zu sagen bereit waren. Endlich wurden die verschleierten Staatsaffären aufgedeckt. Doch mit der Zeit verblasste die Begeisterung. Die USA und Schweden ließen den modernen Helden Assange kurzerhand von Großbritannien einsperren. Dies hielt ihn jedoch nicht vor weiteren Veröffentlichungen und Drohungen zurück. Langsam stellt sich mir eine Frage: Will Julian die Weltherrschaft an sich reißen? Die folgenden Behauptungen sind reine Spekulationen meinerseits: Google griff einst nach der Weltherrschaft (z.B. mittels GoogleStreetView). Daraufhin schaltete sich WikiPedia ein und griff seinerseits nach der Weltherrschaft. Zwar besteht zwischen WikiLeaks und WikiPedia keine offizielle Verbindung, aber möglich wäre es ja. Dabei wurde Julian Assange nur zu einer Marionette. Jetzt kämpfen die beiden Titanen Google und Wiki um ihre Machtstellung. Frühere Systeme wie z.B. die USA oder Russland haben ausgedient. (kleiner Spaß am Rande)

Das erste Jahrzehnt ist vorbei. Vieles hat sich verändert, einiges ist gleich geblieben. Das ist der Lauf der Geschichte. Es gibt für uns kleine Bürger nur eine Möglichkeit: Tief Luft holen, die Augen schließen, tief ausatmen. Dann öffnen wir die Augen wieder und sagen uns: Los geht's! Neues Spiel, neues Glück. Wir wollen uns keine guten Vorsätze machen. Wir wollen nur schauen, dass das nächste Jahr weniger chaotisch und dafür ein wenig zwischenmenschlicher wird. Sozial ist nicht nur eine Sache der Regierung bzw. der Regierenden. Es ist eine Sache zwischen uns Menschen selbst. Verantwortung übernehmen. Das könnte ein Stichwort sein. Nicht nur meckern und protestieren, sondern selbst handeln. Warum sollte die Vision von einer bessere Welt nicht mehr zeitgemäß sein? Weil die Großen unserer Zeit uns mit viel Gerede verwirren? Anstatt in unendlichen Sphären zu schweben sollten wir uns mehr auf das Miteinander konzentrieren, egal in welcher Hinsicht.

In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern einen guten Rutsch ins Neue Jahr! Möge es gesegnet und behütet sein.

Ihr
Thorschten

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Schnee und Bomben

Die Welt spielt wieder mal verrückt. Wie so oft. Dazu nur wenige Stichworte.


Schneechaos! Wetterlage verändert sich überraschend und vollkommen unerwartet!
Alle Radiosender haben nur noch ein Thema: Schnee! Es ist wieder mal ganz spontan Winter geworden. "Das Streusalz ist alle!", melden die Stadtwerke nahezu jeder deutschen Stadt. Die kalte Jahreszeit ist angebrochen, und das auch noch in einer bisher ungekannten erbarmungslosen Härte und ohne jegliche Vorankündigung! Wie jeden Winter, muss man sagen. Komisch. Wir sind immer wieder auf's Neue überrascht und haben keine Erklärung dafür. "Dat waa frü'ä aba nech so!", sagt Willy Wilhelmson aus Wilhelmshaven. Der Moser Karl aus München kann da nur entgegnen: "Maai, a Hundswädda hamma heuer."
Der Winter und der Deutsche vertragen sich nicht so recht. Der eine regt sich gern auf und ist echauffiert, den anderen lässt das eher kalt.

Bombenstimmung in Rom
Wieder einmal hat jemand gemeint, er muss ein wenig basteln. Das eine mal waren es ein paa Al-Qaida-Azubis, die neue Flugpostverbindungen getestet haben - und zwar die zwischen dem Jemen und einer jüdischen Gemeinde in Brooklyn. Dann war es ein griechischer Student, der ein wenig Druck ablassen wollte und deshalb einige Botschaften in die Luft zu sprengen suchte. Und heute waren es dann einige Anarchisten aus dem schweizerisch-italienischen Raum, was bisher jedoch noch nicht bestätigt wurde. Der römische Bürgermeister hat natürlich gleich behauptet, keinesfalls seien diese Vorkommnisse auf innenpolitische Probleme zurückzuführen. Wär ja auch ein Ding. Bei der super Innenpolitik im Reich der (Partei)Freunde und Römer. Und bei dieser Führungselite! Der Name Ber-lus-coooni lässt Häuserwände erzittern. Ebenso wie Paketbomben in Schweizer und chilenischen Botschaften.
Aber Spaß beiseite: Denkt jetzt jeder, der eine eigene Meinung hat, er muss sich bei Google eine Bauanleitung raussuchen? Ein bisschen Schwarzpulver, ein Zünddraht, und ab die Post?? Sind jetzt alle verrückt geworden oder was.
Aber gut. Ein netter Herr aus Washington wird es schon richten. Der setzt sich nämlich für die Entwaffnung der Mächtigen der Welt ein:

Friedensnobelpreis für Obama wird endlich nachvollziebar!

Heute wurde in Washington ein Abrüstungsvertrag verabschiedet, der von Russland freudig begrüßt wurde. So sollen nun bald nur noch knapp über 1.500 Atomsprengköpfe in den Magazinen stehen. Ein Schritt weiter zu Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt, also im Klartext:
USA 1500 : Iran 0.
Aber nix für Ungut, der Trend geht in die richtige Richtung.
Gratulation, Mr. President.

Oh, und hier meine Lieblingsschlagzeile:

Weißrussische Verhältnisse in Ungarn - Nur noch Gulasch im Kopf?
Das neue Mediengesetz in Ungarn hat für Verwirrung gesorgt. Laut dem neuen Gesetzesentwurf darf die Regierung nun Medien zensieren, wenn die entsprechenden Paragrafen entsprechend interpretiert werden. Der Grund hierfür bleibt schleierhaft. Will Ungarn hier demonstrieren, wer das Sagen hat? Geht es hier um Macht? In der ersten Hälfte von 2011 wird Ungarn nämlich die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union übernehmen.
Der tschechische Außenminister Schwarzenberg hatte gesagt: "Wir haben ja die Ungarn gerne, aber damit haben sie wirklich gleich am Anfang ihren Ruf verspielt." Wahre Worte.
Man kann dieses Gebilde namens Europäische Union mit einem Witzeerzähler vergleichen. Erst Berlusconi, dann die Ungarn. Die EU haut einen Kalauer nach dem nächsten raus, die Balken biegen sich vor Lachen. Die EU hat einen trockenen Humor, voller Ironie und Sarkasmus. Wo soll das hinführen?
Ich muss ja sagen, dass die Ungarn mit persönlich äußerst sympathisch sind. Umso schlimmer, dass jetzt auch dort kräftig auf Konfrontation zwischen Staat und freier Meinungsäußerung gesetzt wird.


Zusammenfassend macht sich in mir eine Erkenntnis breit:

Investierst Du jetzt in Atomwaffentechnik - wirst Du abgerüstet.
Investierst Du in Streusalz - hast Du gewonnen. Die Preise dürften steigen. Nur leider wurde das ganze Salz auf der Straße verstreut und wortwörtlich in den Gulli geworfen. Viel Nachfrage, keine Ware.
Investierst Du in die klassischen Medien - d.h. kaufst Du Zeitungen und Fernsehsender - steht Dir der Weg in den EU-Ratsvorsitz offen. Gratuliere.


Und zu guter Letzt wünsche ich meinen Lesern ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest. Lassen Sie sich nicht unterkriegen.

Samstag, 18. Dezember 2010

Aktualisierung

Es ist schon unglaublich viel Zeit seit meinem letzten Eintrag vergangen. Es besteht Aufholbedarf. Doch zunächst zu einer Topschlagzeile: Angela Merkel spricht in Afghanistan von Krieg!
Sagt mal, wie naiv sind wir hier eigentlich - immer noch! Krieg hat das doch unser Herr Verteidigungsminister schon genannt. Das ist also nichts Neues. Und dennoch regen sich einige Menschen darüber auf. "Mit dem Geld für diesen Einsatz hätte man das und das und das machen können!", lautet der Vorwurf. Andere Zeitgenossen sein wahrscheinlich entsetzt. "Krieg?!" - da wundert man sich doch. Wir dachten bis jetzt doch alle, dass da ein paar in Uniformen gesteckte Hauptschüler im Urlaub wären - auf Staatskosten.
Langsam reicht's mir. Wann wachen wir hier endlich auf? Während uns unser Fernsehprogramm seit Jahren eine heile Welt vorgaukelt und einige Privatsender von Partys auf Mallorca berichten und von enttäuschten Auswanderern, während man nach einem hunderttausendsten Supertalent sucht und der hundertste Bauer eine Frau sucht, lassen sich da einige Männer (und Frauen) am Hindukusch die Kugeln um die Ohren fliegen. Und was machen wir hier im sicheren Deutschland? Wir regen uns lauthals darüber auf, dass in Afghanistan Geld verschwendet wird! Aber es gibt noch tausend andere Stellen, an denen hier in Deutschland Geld verschwendet wird, so viel ist sicher. Ist es nicht vielleicht hilfreicher, den Soldaten in Afghanistan ein wenig Rückhalt zu geben? Und hier geht es gar nicht darum, ob man dem Afghanistan-Einsatz im Grunde zustimmt oder nicht. Hier geht es darum, dass ein beschlossener und gesetzlich gedeckter Einsatz durchgezogen wird. Anstatt hier rumzuzicken sollten wir uns daran machen, unsere Leute in unserer Gesellschaft wieder aufzunehmen, wenn sie zurückkommen - spätestens 2014.

Langsam habe ich von der Politik die Nase voll. Und daran sind alle - ich betone ALLE - mitwirkenden Parteien und Clubs schuld.

Jetzt habe ich doch die ganze Zeit unsere baden-württembergische Landesregierung verteidigt. Und was muss man sich dann anhören? Unser Prinzregent Mappus hat doch tatsächlich "den umstrittenen Polizei-Einsatz gebilligt"! (Spiegel online) Er wusste davon und hat dem Wasserwerfereinsatz von Anfang an zugestimmt. Dazu kommt noch der umstrittene EnBW-Rückkauf vor kurzem. Ohne irgendetwas vom Parlament absegnen zu lassen, hat er Anteile der EnBW zurückgekauft. Das Ganze schien ja eine ganz coole Sache zu sein. Der Bürger könne nur gewinnen. Der Bürger müsse nix zahlen. Und so weiter. Freudenbotschaften wie einst bei der Verkündung der neusten Arbeitslosenzahlen durch Ursel von der L. im Oktober. Und was passiert nur zwei Tage später? Der Rückkauf kommt doch teurer. Ganz unerwartet. Mehr als eine Milliarde soll es teurer werden. Von sechs Milliarden Euro war die Rede. Verwirrend. Alles zu verwirrend für den kleinen Mann.
Ich stehe den Grünen und den Sozialdemokraten ja bekanntlich eindeutig kritisch gegenüber. Aber in dieser Angelegenheit muss ich ihnen Recht geben. Die ganze Sache macht dem Anschein nach einen Eindruck der Vetternwirtschaft.

Langsam fühle ich mich - wie sagt man das öffentlichkeitstauglich - verarscht. Von allen seiten wird geredet und geredet. Eine einzige große Show.

[Nachtrag: Bitte entschuldigen Sie die etwas herbe Wortwahl der letzten Absätze, die ich aber aufgrund der Originalität im Nachhinein nicht verändern will.]

Zum Thema Show: Um es für meine nicht-baden-württembergischen Leser ein wenig interessant zu machen, will ich den nächsten Punkt aufgreifen. Und dieser Punkt ist der nette Italiener von nebenan im Süden: Silvio "der Pate" Berlusconi.
Der Ministerpräsident von Italien hat sich einem Vertrauensvotum im italienischen Senato della Repubblica unterzogen und - siehe und staune - gewonnen! Dazu war nur der Kauf einiger Stimmen nötig, keine große Sache. Das war weder überrschend noch neu. Zwar kann er keine Gesetzesänderungen mehr durchbringen, da hierfür eine Mehrheit im Parlament erforderlich ist, doch vorerst ist seine Macht gesichert. Im Grunde ist dieser feine Herr im Anzug eine Schande für eine europäische Demokratie wie Italien. Er klammert sich stur an seine Macht wie an einen Strohhalm - ansonsten würde er im stillen Wasser der Gerechtigkeit untergehen und vermutlich irgendwann in den Knast wandern. Seine Karrriere war geprägt von Eklats und Skandalen. Sexaffären, Hitler-Witze und Kontakte zur Mafia - kann man diesen Mann noch ernst nehmen?

Währenddessen wurde Julian Assange - WikiLeaks-Gründer und selbsternannter Rächer der Unerhörten - aus seiner britischen Untersuchungszelle entlassen. Und das meiner Meinung nach zu Recht. Es wäre ein Segen, wenn jeder mutmaßliche Vergewaltiger so konsequent verfolgt wird. In der WikiLeaks-Angelegenheit haben die USA ganz offensichtlich ihre Finger im Spiel. Ein Störenfried wird ausgeschaltet, mundtot gemacht. Aber wen wundert diese Vorgehensweise? Ist das etwas Neues?
Andererseits: Was fällt den Anhängern von Assange ein, sich in jeden potenziell feindlichen Banken-Computer einzuhacken und Unfrieden zu stiften? Greift diese neue Internet-Gang im Namen der Meinungsfreiheit nach der Weltherrschaft? Wo sind wir hier eigentlich?

Währendessen führen die Gegner des südwestdeutschen Bahnprojekts Stuttgart 21 ihren Protest fort. Über Weihnachten soll es jedoch eine Pause geben. Dann geht die Show weiter. Nachdem die Opposition den CDU-Polit-Veteran Heiner Geißler rekrutiert hatte - in der Hoffnung, dass er das Projekt kurzerhand still legt - schienen alle Seiten halbwegs beruhigt zu sein. Befürworter gerieten in die Defensive, die Opposition schöpfte Hoffnung. Doch nun, nachdem feststeht, dass Stuttgart 21 nicht einfach so gestoppt werden kann, ist man sicher: Geißler musste parteiisch gewesen sein. Unfassbar, dass er sich für die falsche Seite entschieden hatte. Er hatten den Grünen nicht nach dem Mund geredet. Also kann seine Entscheidung nicht unparteiisch gewesen sein. Denn unparteiisch, gerecht und ohne eigene Interessen sind natürlich nur die Grünen. Wer sonst.

Wie schon wiederholt gesagt: Mir wird es langsam zu viel. Kann man hier noch jemandem glauben? Jeder macht was er will, ohne nachzudenken. Und diejenigen, die nachdenken, sind viel zu intelligent, um nicht im eigenen Interesse zu handeln. Wo soll das hinführen? - Diese Frage will ich vorerst offen lassen. Mir ist jetzt aber klar, woher die Politikverdrossenheit der Bürger kommt. Oder besser: Diese Politikverdrossenheit erfasst mich, während die Massen auf die Straße gehen und gegen das protestieren, das gerade auf der Tagesordnung steht.