Samstag, 18. Dezember 2010

Aktualisierung

Es ist schon unglaublich viel Zeit seit meinem letzten Eintrag vergangen. Es besteht Aufholbedarf. Doch zunächst zu einer Topschlagzeile: Angela Merkel spricht in Afghanistan von Krieg!
Sagt mal, wie naiv sind wir hier eigentlich - immer noch! Krieg hat das doch unser Herr Verteidigungsminister schon genannt. Das ist also nichts Neues. Und dennoch regen sich einige Menschen darüber auf. "Mit dem Geld für diesen Einsatz hätte man das und das und das machen können!", lautet der Vorwurf. Andere Zeitgenossen sein wahrscheinlich entsetzt. "Krieg?!" - da wundert man sich doch. Wir dachten bis jetzt doch alle, dass da ein paar in Uniformen gesteckte Hauptschüler im Urlaub wären - auf Staatskosten.
Langsam reicht's mir. Wann wachen wir hier endlich auf? Während uns unser Fernsehprogramm seit Jahren eine heile Welt vorgaukelt und einige Privatsender von Partys auf Mallorca berichten und von enttäuschten Auswanderern, während man nach einem hunderttausendsten Supertalent sucht und der hundertste Bauer eine Frau sucht, lassen sich da einige Männer (und Frauen) am Hindukusch die Kugeln um die Ohren fliegen. Und was machen wir hier im sicheren Deutschland? Wir regen uns lauthals darüber auf, dass in Afghanistan Geld verschwendet wird! Aber es gibt noch tausend andere Stellen, an denen hier in Deutschland Geld verschwendet wird, so viel ist sicher. Ist es nicht vielleicht hilfreicher, den Soldaten in Afghanistan ein wenig Rückhalt zu geben? Und hier geht es gar nicht darum, ob man dem Afghanistan-Einsatz im Grunde zustimmt oder nicht. Hier geht es darum, dass ein beschlossener und gesetzlich gedeckter Einsatz durchgezogen wird. Anstatt hier rumzuzicken sollten wir uns daran machen, unsere Leute in unserer Gesellschaft wieder aufzunehmen, wenn sie zurückkommen - spätestens 2014.

Langsam habe ich von der Politik die Nase voll. Und daran sind alle - ich betone ALLE - mitwirkenden Parteien und Clubs schuld.

Jetzt habe ich doch die ganze Zeit unsere baden-württembergische Landesregierung verteidigt. Und was muss man sich dann anhören? Unser Prinzregent Mappus hat doch tatsächlich "den umstrittenen Polizei-Einsatz gebilligt"! (Spiegel online) Er wusste davon und hat dem Wasserwerfereinsatz von Anfang an zugestimmt. Dazu kommt noch der umstrittene EnBW-Rückkauf vor kurzem. Ohne irgendetwas vom Parlament absegnen zu lassen, hat er Anteile der EnBW zurückgekauft. Das Ganze schien ja eine ganz coole Sache zu sein. Der Bürger könne nur gewinnen. Der Bürger müsse nix zahlen. Und so weiter. Freudenbotschaften wie einst bei der Verkündung der neusten Arbeitslosenzahlen durch Ursel von der L. im Oktober. Und was passiert nur zwei Tage später? Der Rückkauf kommt doch teurer. Ganz unerwartet. Mehr als eine Milliarde soll es teurer werden. Von sechs Milliarden Euro war die Rede. Verwirrend. Alles zu verwirrend für den kleinen Mann.
Ich stehe den Grünen und den Sozialdemokraten ja bekanntlich eindeutig kritisch gegenüber. Aber in dieser Angelegenheit muss ich ihnen Recht geben. Die ganze Sache macht dem Anschein nach einen Eindruck der Vetternwirtschaft.

Langsam fühle ich mich - wie sagt man das öffentlichkeitstauglich - verarscht. Von allen seiten wird geredet und geredet. Eine einzige große Show.

[Nachtrag: Bitte entschuldigen Sie die etwas herbe Wortwahl der letzten Absätze, die ich aber aufgrund der Originalität im Nachhinein nicht verändern will.]

Zum Thema Show: Um es für meine nicht-baden-württembergischen Leser ein wenig interessant zu machen, will ich den nächsten Punkt aufgreifen. Und dieser Punkt ist der nette Italiener von nebenan im Süden: Silvio "der Pate" Berlusconi.
Der Ministerpräsident von Italien hat sich einem Vertrauensvotum im italienischen Senato della Repubblica unterzogen und - siehe und staune - gewonnen! Dazu war nur der Kauf einiger Stimmen nötig, keine große Sache. Das war weder überrschend noch neu. Zwar kann er keine Gesetzesänderungen mehr durchbringen, da hierfür eine Mehrheit im Parlament erforderlich ist, doch vorerst ist seine Macht gesichert. Im Grunde ist dieser feine Herr im Anzug eine Schande für eine europäische Demokratie wie Italien. Er klammert sich stur an seine Macht wie an einen Strohhalm - ansonsten würde er im stillen Wasser der Gerechtigkeit untergehen und vermutlich irgendwann in den Knast wandern. Seine Karrriere war geprägt von Eklats und Skandalen. Sexaffären, Hitler-Witze und Kontakte zur Mafia - kann man diesen Mann noch ernst nehmen?

Währenddessen wurde Julian Assange - WikiLeaks-Gründer und selbsternannter Rächer der Unerhörten - aus seiner britischen Untersuchungszelle entlassen. Und das meiner Meinung nach zu Recht. Es wäre ein Segen, wenn jeder mutmaßliche Vergewaltiger so konsequent verfolgt wird. In der WikiLeaks-Angelegenheit haben die USA ganz offensichtlich ihre Finger im Spiel. Ein Störenfried wird ausgeschaltet, mundtot gemacht. Aber wen wundert diese Vorgehensweise? Ist das etwas Neues?
Andererseits: Was fällt den Anhängern von Assange ein, sich in jeden potenziell feindlichen Banken-Computer einzuhacken und Unfrieden zu stiften? Greift diese neue Internet-Gang im Namen der Meinungsfreiheit nach der Weltherrschaft? Wo sind wir hier eigentlich?

Währendessen führen die Gegner des südwestdeutschen Bahnprojekts Stuttgart 21 ihren Protest fort. Über Weihnachten soll es jedoch eine Pause geben. Dann geht die Show weiter. Nachdem die Opposition den CDU-Polit-Veteran Heiner Geißler rekrutiert hatte - in der Hoffnung, dass er das Projekt kurzerhand still legt - schienen alle Seiten halbwegs beruhigt zu sein. Befürworter gerieten in die Defensive, die Opposition schöpfte Hoffnung. Doch nun, nachdem feststeht, dass Stuttgart 21 nicht einfach so gestoppt werden kann, ist man sicher: Geißler musste parteiisch gewesen sein. Unfassbar, dass er sich für die falsche Seite entschieden hatte. Er hatten den Grünen nicht nach dem Mund geredet. Also kann seine Entscheidung nicht unparteiisch gewesen sein. Denn unparteiisch, gerecht und ohne eigene Interessen sind natürlich nur die Grünen. Wer sonst.

Wie schon wiederholt gesagt: Mir wird es langsam zu viel. Kann man hier noch jemandem glauben? Jeder macht was er will, ohne nachzudenken. Und diejenigen, die nachdenken, sind viel zu intelligent, um nicht im eigenen Interesse zu handeln. Wo soll das hinführen? - Diese Frage will ich vorerst offen lassen. Mir ist jetzt aber klar, woher die Politikverdrossenheit der Bürger kommt. Oder besser: Diese Politikverdrossenheit erfasst mich, während die Massen auf die Straße gehen und gegen das protestieren, das gerade auf der Tagesordnung steht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen